Ex-Telekomchef Ron Sommer: Europa hinkt beim Internet hinterher

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Europa gerät beim Ausbau des Internets nach Ansicht des früheren Telekom-Chefs Ron Sommer ins Hintertreffen.

Die hiesige Telekommunikationsbranche sei zu kleinteilig, in etwa 100 Firmen aufgesplittert, die sich noch immer stark an nationalen Grenzen orientierten, sagte Sommer der Deutschen Presse-Agentur. Drei, maximal vier Anbieter wären besser, damit Europa mithalten könne im globalen Digitalzeitalter. So sei es auch in anderen großen Märkten wie China, Russland und den USA, die beim Thema schnelles Internet Fahrt aufgenommen hätten und damit ihre Wirtschaft stärkten.

„Europa hinkt beim Internet großen Teilen der Welt hinterher.“

Die Regel sei in Europa vielerorts ein Downloadtempo von nur 50 MBit pro Sekunde. In Hongkong hingegen sei er schon im Jahr 2008 mit Gigabit-Geschwindigkeit im Netz gewesen. Auch Deutschland sei von so einem Standardtempo noch entfernt. Zwar rüstet Vodafone derzeit viele TV-Kabel auf Gigabit-Speed hoch, doch in den meisten deutschen Haushalten sind die Anschlüsse noch deutlich langsamer.

Die Logik hinter Sommers Appell für eine Marktkonzentration: Konzerne, die in einem großen Markt aktiv sind, können höhere Investitionen für den Netzausbau aufbringen. Kommen noch weitere Konkurrenten hinzu, bringe das nichts für den ohnehin schon harten Wettbewerb, „aber die Motivation für Investitionen sinkt“, sagte er. Dies wiederum liegt nach seiner Auffassung daran, dass sich die Konzerne nicht mehr so sicher sein können, ob ihre umfassenden Investitionen auch wie geplant Früchte tragen. Erschwerend komme die umfassende Regulierung hinzu, die Geschäfte erschwere.

Sommer war von 1995 bis 2002 Telekom-Chef, danach war er in Aufsichtsräten tätig, etwa von der Münchner Rück. Er lebt in der Nähe von Düsseldorf. An diesem Montag wird er 70 Jahre alt. [dpa]

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44 Kommentare im Forum

  1. Oh je, noch so einer... Ich wüsste nicht, wie bei mir oder auch bei meinen Verwandten und Bekannten (zwischen 6 und 90 Jahren alt) die Lebensqualität steigen würde, hätten sie 1 GBit/s im Download zur Verfügung und nicht nur 16 oder 50 MBit/s. Aber die Industrie wird es schon wissen...
  2. Richtig. Wenn man 50Mbit/s hat reicht das normal vollkommen aus. Ich könnte problemlos einen 400Mbit/s Vertrag abschließen, nur wozu, denn die Seiten öffnen sich damit auch nicht sichtbar schneller! Es kostet nur deutlich mehr.
  3. Nich jeder surft nur im Internet. Manch einer kauft in der Woche drei Spiele für Konsole oder PC als Download. Ich lade ständig meine RAW Fotos in die Cloud, mir geht es nicht um den Download, aber 40 MBit Upload bei Vectoring sind hier schon hilfreich. Zudem gibt es auch noch genug Gegenden in denen keine 50 und auch keine 16MBit verfügbar sind.
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