FTTH Council: „Vectoring wird echten Breitbandausbau hemmen“

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Bild: © Victoria - Fotolia.com
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Das europäische FTTH Council, ein Lobbyverband der Glasfaserwirtschaft, kritisiert die deutschen Pläne für eine Netzmodernisierung via VDSL-Vectoring scharf. Die Aufrüstung der alten Kupferleitungen würde einen Umstieg auf zukunftstaugliche Glasfaserleitungen weiter verzögern und Deutschland infrastrukturell zurückwerfen.

Das FTTH Council Europe hat sich kritisch zu den Vectoring-Plänen in Deutschland geäußert. Wie der Lobbyverband für die Glasfaserwirtschaft am Donnerstag in einer Stellungnahme mitteilte, würden die Pläne der Deutschen Telekom, ihre Festnetzanschlüsse mittels VDSL-Vectoring aufzurüsten, den echten Breitbandausbau mit zukunftstauglichen Glasfaserleitungen höchstwahrscheinlich weiterhin ausbremsen.

Die Technologie böte angesichts der stark wachsenden Nachfrage nach schnellen Internetanschlüssen lediglich eine vorübergehende Lösung für den Netzausbau. „Es wäre deshalb viel effektiver und zielführender, wenn BNetzA, die Netzbetreiber und die involvierten Stakeholder mit derselben Energie, derselben Motivation und denselben Ressourcen daran arbeiten würden, wie man den Ausbau von Glasfasernetzen in Deutschland beschleunigen könnte, anstatt Zeit mit der Diskussion über kurzfristige Lösungen zu verschwenden“, so das FTTH Council in seiner Stellungnahme.
 
Am Dienstag hatte die Bundesnetzagentur den Plänen der Deutschen Telekom vorläufig grünes Licht gegeben, ihre bestehenden Kupferkabelleitungen für VDSL mittels Vectoring aufzurüsten. Bei dem Verfahren sollen die Kupferkabelverbindungen für Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s aufgerüstet werden (Mindestens jedoch 50 MBit/s), um damit die Leistungsfähigkeit der bestehenden Hausanschlussleitungen deutlich zu erhöhen.
 
Diese Pläne stoßen jedoch nicht nur beim FTTH Council auf Kritik. Die Wettbewerber der Deutschen Telekom fürchten durch die Vorläufige Entscheidung der Bundesnetzagentur eine Remonopolisierung der Netze durch den Bonner Konzern. Der Grund: Um das Vectoring am Kabelverteiler durchführen zu können, braucht der Betreiber den Zugriff auf alle dort angeschlossenen Leitungen. In Gegenden, in denen Wettbewerber bereits eigene Anschlüsse haben, soll die Telekom deshalb die Möglichkeit haben, diesen den Zugriff auf ihrer Teilnehmeranschlussleitungen (TAL), die sogenannte „letzte Meile“, zu verwehren.  [ps]

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34 Kommentare im Forum

  1. AW: FTTH Council: "Vectoring wird echten Breitbandausbau hemmen" Wenn VDSL Vectoring die Glasfaser ausbremst oder blockt ist das eine krasse Fehlentwicklung die sich in der Zukunft massiv rächen wird. Reines Kurzfristdenken, null Weitsicht. Leider ist genau das zu befürchten. Deutschland kommt in der europäischen Statistik der Glafaseranschlüsse gar nicht vor, liegt hinter Rumänien. Wenn das in dem Schneckentempo im Tiefschlaf weitergeht wird sich daran auch nicht viel ändern.
  2. AW: FTTH Council: "Vectoring wird echten Breitbandausbau hemmen" Der Ausbau von Glasfaser wird ohnehin min. ein Jahrzehnt dauern. Wieviele Haushalte sind denn bislang direkt per Glasfaser angebunden? Ich denke dass es bislang wohl kaum mehr als 1 Million sind, bei ca. 40 Millionen Haushalten in Deutschland wären das noch 39 Millionen Haushalte die anzuschliesen sind. Wieviele Haushalte können pro Jahre neu angeschlossen werden? Das ist mit Tiefbau- u. Kabelneuverlegearbeiten verbunden. Geht nicht so schnell. Zum Vergleich: Bis alle Haushalte in Deutschland einen Telefonanschluss hatten sind mehrere Jahrzehnte vergangen!
  3. AW: FTTH Council: "Vectoring wird echten Breitbandausbau hemmen" Das finde ich noch sehr optimistisch. Ich rechne mit fünf Jahrzehnten - sofern bis dahin nicht eine günstigere Ersatztechnik zum Einsatz kommen kann.
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