Jubiläum: Seit 35 Jahren E-Mails in Deutschland

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Bild: © Victoria - Fotolia.com
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Am 3. August 1984 startete das Zeitalter der digitalen Kommunikation in Deutschland: Die erste E-Mail wurde empfangen. Rechnet man die Spams heraus, wurden 2018 in Deutschland schon 848,4 Milliarden E-Mails verschickt.

Für die Übertragung war 1984 noch ein Computer von der Größe einer Waschmaschine erforderlich und nur wenige Experten konnten Mails versenden. Heute ist die E-Mail für 85 Prozent der Deutschen täglicher Begleiter.
 
„This is your official welcome to CSNET“, mit diesen Worten begrüßte die US-Amerikanerin Laura Breeden vom Massachusetts Institute of Technology in der ersten E-Mail ihre Kollegen Michael Rotert und Werner Zorn von der Universität Karlsruhe (TH).
 
Bei dem CSNET (Computer Science Network) handelte es sich um eines der ersten Computernetzwerke. Es war in den 1980er Jahren in den USA entwickelt worden, damit verschiedene Hochschulen untereinander kommunizieren und Wissen austauschen konnten. Deutschland war nach den USA und Israel erst das dritte Land, das Zugriff auf dieses Netzwerk bekam.

Der damalige Empfangscomputer VAX 11/750 hatte die Größe einer Waschmaschine. Kein Wunder, dass die E-Mail zunächst noch einige Jahre brauchte, bis sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich wurde. Zunächst war die E-Mail fast ausschließlich an Universitäten verbreitet.
 
Für den Durchbruch sorgte das Aufkommen kostenloser Angebote in den 1990er Jahren. Die anfangs noch vorhandene Skepsis vor dem neuen Medium führte dazu, dass zunächst überwiegend anonyme Absender-Adressen wie Supermikey@….de im Trend waren. Mit der Jahrtausendwende änderte sich das: Bei Bewerbungen, in der Kommunikation am Arbeitsplatz mit Kunden und Kollegen oder auch im erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis setzten sich immer mehr Kombination wie vorname.nachname@….net durch. Die E-Mail hat sich seither zum persönlichen Tor ins Internet entwickelt: Bei nahezu jedem Dienst vom Online-Shop bis zum Sozialen Netzwerk erfolgt die Anmeldung mit der E-Mail-Adresse.
 
Seit 35 Jahren wächst das E-Mail-Aufkommen kontinuierlich an. Im Jahr 2018 wurde in Deutschland nach Angaben von United Internet mit 848,4 Milliarden ein neuer Rekord für das E-Mail-Volumen aufgestellt. Antreiber für die E-Mail ist neben der Digitalisierung der Kommunikation vor allem die wachsende Bedeutung des E-Commerce. Im E-Mail-Postfach laufen alle Informationen aus dem digitalen Leben zusammen: Von der Bestellbestätigung über den Lieferfortschritt einer Bestellung bis hin zu Rechnungen und Benachrichtigungen aus sozialen Netzwerken. [fp]

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27 Kommentare im Forum

  1. Die Erfinder werden sich heute noch ärgern, dass sie kein Geld fürs Versenden genommen haben. Die Banken führen gerade die Instant Überweisung ein, die wie eine Mail sofort beim Empfänger ist. Kostet aber was (ca 20 Cent)
  2. Der Bericht ist etwas einseitig bzw. unvollständig. Seit 1984 existierte außer dem genannten CSNET auch das FIDONET, das in den USA von Tom Jennings in San Francisco gegründet wurde, das auch in Deutschland betrieben wurde. Namensgeber war Toms Hund „Fido“. Über das FidoNet wurden weltweit Messages ("Mails") und Software verbreitet und ausgetauscht. Die weltweite FidoNet-Gesamtstruktur war kaskadisch über Erdteile, Länder, Zonen/Regionen und Städte ausgelegt. Der einzelne Teilnehmer wurde "Node" genannt und in einer weltweiten Liste (Nodelist, bis zu 30.000 Einträge!) mit seiner "Nodenummer" und Region, Ort+Telefonnummer geführt. Die Node-Listen wurden wegen Änderungen geregelt upgedated. Die Nodes hatten s. Zt. hinter einem Telefonanschluss einen Computer stehen, der idR. mit MS-DOS und einer speziellen Anwendungssoftware (Fido BBS, open source) betrieben wurde. Als Node war der eigene PC längere Zeit am Tag online, also empfangs- und sendebereit. Den Nodes nachgeordnet waren Points mit eigenen Computern, die eingeschränkte Funktionalität hatten. Der Austausch der Mails und Software fand je nach Bedarf mehrmals täglich an sogen. "Mail Hours" über "Hubs" statt. Innerhalb der Struktur sorgten Koordinatoren für den geregelten Betrieb. Mehr über die technische Struktur hier: FidoNet - Wikipedia Anfangs wurden die Bits über einen Akustikkoppler (300 Baud!) ins Netz geschickt und empfangen, auf den der Telefonhörer in zwei Muscheln gedrückt wurde. Später gab es dann Modems, z.B. von U.S.Robotics oder auch Hayes, mit denen man schon (je nach Modell) mit 1200 baud bis hin zu 56 kbit/s "spielen" konnte - auf der analogen Telefonleitung!!! Die deutsche Post hat solche Geräte lange Zeit nicht zugelassen bzw. zur Verfügung gestellt, daher musste man sich so etwas aus dem Ausland beschaffen und selbst anschließen. Ich habe s. Zt. am FidoNet als "Node" viele Jahre aktiv teilgenommen, hatte dafür einen selbst zusammengebauten Computer zu Hause stehen. Die Telefonrechnung ging manchmal auf 300 - 500 DM monatlich, was ich durch ein Nebengewerbe (Programmierung etc.) reinholen musste. Zeitweilig habe ich die englische Fido-Software auf Deutsch für die deutschsprachige Region übersetzt, daher kenne ich mich mit Fido "ein wenig" aus. Mit dem öffentlichen Start des Internet fielen viele Fido-Nodes vom Glauben ab, ich auch, um dann ins Internet zu wechseln. Es wäre m. E. angemessen gewesen, zum Jubiläum von 35 Jahren E-Mails in Deutschland auch das FIDONET zu erwähnen, denn viele von Node- und Point-Betreibern leben sicher noch, auch in Deutschland. Mehr über das FIDONET hier: FidoNet – Wikipedia FidoNet - Wikipedia
  3. Trotz der der langen Gesichte der E-Mail dauerte die Hochzeit der E-Mail aber gerademal etwa zehn Jahre von 1998 bis 2008 Gebraucht wird die E-Mail zwar auch heute noch für Erstregistrierungen und Bestellbestätigungen, aber wenn man von Businessbereich mal absieht, findet über E-Mail nicht mehr viel wirkliche Kommunikation statt.
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