Medientage München: E-Commerce will via IPTV Fernsehzuschauer erobern

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Bild: © Victoria - Fotolia.com
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München – IPTV-Angebote sollen künftig auch verstärkt auf dem heimischen Fernseher abgebildet oder mit Online-Portalen vernetzt werden.

Diesen Trend schilderten TV- und Online-Experten bei einem Panel der Medientage München. Verschiedene Inhalteanbieter zeigten, wie sie schon heute das Internet als neuen Verbreitungsweg einsetzen.

Robert Amlung, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Neue Medien, präsentierte die ZDF-Mediathek als zentrale Plattform für Abruffernsehen. Sie kann sowohl per PC als auch über Microsofts Media Center Edition (MCE) und auf mobilen Endgeräten genutzt werden. „Mit IPTV kann ich im Prinzip jedes Endgerät erreichen. Unser IPTV-Ansatz ist, dass wir die Zuschauer da abholen wollen, wo sie sich gerade befinden“, erklärte Amlung. In die ZDF-Mediathek würden täglich etwa sechs Stunden Programm eingespeist, was ungefähr einem Viertel des gesamten ZDF-Tagesprogramms entspricht. Im September verzeichnete das ZDF für seine IPTV-Plattform 4,4 Millionen Videoabrufe, Tendenz „weiter steigend“. Besonders gefragt seien die Folgen der Daily Soap „Julia“ (bis zu 800.000 Abrufe pro Monat), gefolgt von den Nachrichten.
 
Das ZDF ist dabei, so berichtete Amlung, sein IPTV-Angebot weiter zu verbessern. Grundlage dafür seien die Ergebnisse einer Nutzerbefragung. „Bei der Befüllung der Mediathek wollen wir stärker in Richtung ganze Sendungen gehen und die Möglichkeit des Vor- und Rückspulens anbieten. Es gibt auch Nachholbedarf was die
 
Bequemlichkeit der Nutzung angeht“, sagte der Experte, der seit 1. August den ZDF-Bereich für Neue Medien leitet. Er wies darauf hin, dass die Nutzung der Mediathek per Fernsehgerät „klar TV-spezifisch“ ausgelegt sei und sich vom PC-Einsatz stark unterscheide. Schwierig sei es, für die TV-Nutzung ein Angebot zu entwickeln, dass möglichst viele Inhalte biete, trotzdem aber sehr übersichtlich und einfach nutzbar bleibe. „Es gibt noch viele Stolpersteine bei Technik und Geschäftsmodellen von IPTV“, sagte Amlung. Wichtig seien insbesondere offene IPTV-Standards, da andernfalls Angebote wie die Mediathek für unterschiedliche Plattformen jeweils neu konfektioniert werden müssten. Amlung räumte schließlich noch ein weiteres Problem ein: „Wir haben nicht die Rechte, um alle Programme im offenen Internet zu verbreiten.“ Deshalb sei auch das ZDF auf Plattformen wie T-Home von der Deutschen Telekom angewiesen.
 
Joel Berger, Vice President Marketing & New Business von MTV Networks, stellte das im Frühsommer 2006 gestartete IPTV-Angebot MTV Overdrive vor, das werbefrei im T-Home-Paket der Telekom zu finden ist. „Wir haben das gestartet, um potenziellen neuen Wettbewerbern im Internet entgegenzutreten“, erklärte er. MTV bereite außerdem eine IPTV-Version für Microsofts Media Center Edition vor, die in den nächsten Tagen einsatzbereit sei.
„IPTV ist für uns der dritte Weg zum Zuschauer und zugleich auch ein Interaktionskanal“, betonte Marc Adam, Director Interactive Business von Premiere. Der Pay-TV-Programmanbieter offeriert in seiner Online-Videothek inzwischen auch Nicht-Abonnenten Fußballspiele der Champions League.
 
Ein Spiel kostet sechs Euro, die Konferenzschaltung neun Euro. Adam kündigte an, die OnlineVideothek von Premiere werde sukzessive ausgebaut. Bereits heute verfügten etwa fünfzig Prozent der Premiere-Kunden über einen DSL-Anschluss. Dass IPTV auch für Online-Portale interessant ist, machte Björn Behrendt, Senior Manager Platform Solutions von eBay Deutschland, deutlich. Der für Webservices und Systemintegration zuständige Experte berichtete, dass auch das Online-Auktionshaus über Microsofts Media Center Edition den Vorstoß ins Wohnzimmer plant. „IPTV ist für eBay ein interessanter Markt, vor allem wenn sich MCE durchsetzt“, erklärte er. Angebote seines Unternehmens könnten dann sehr einfach in bestehende IPTV-Kanäle eingebunden werden. Behrendt wies darauf hin, Internet-Nutzer würden im Durchschnitt 17 Prozent ihrer Online-Zeit bei eBay verbringen. „Unsere Strategie ist es, den Handel bei eBay durch multimediale Kanäle zu unterstützen“, sagte er. „Ich glaube fest daran, dass IPTV und Commerce verschmelzen werden.“ Diese Ansicht vertrat auch Marc Adam, der ankündigte, dass Premiere IPTV-Angebote durch transaktionsbezogene Dienste erweitern werde. [fp]

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