Middleware – interaktive Jobgefahr?

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Bild: © Victoria - Fotolia.com
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Leipzig – Auch wenn das Thema Middleware in Deutschland nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, sind die aktuellen Entwicklungen in Zusammenhang mit den Technologien medienpolitisch brisant.

Die Vorteile der Middleware-Technologien sind schnell erläutert. Dem Fernsehzuschauer stehen, sofern er eine Set-Top-Box nutzt, die die interaktiven Inhalte unterstützt und der Programmanbieter entsprechende Inhalte bereitstellt,zusätzliche Möglichkeiten zur Verfügung. So kann er sich diverse Information nach seinen eigenen Bedürfnissen konfigurieren, kann bei Quizsendungen mitspielen oder über den weiteren Verlauf einer abstimmen. Der Zuschauer wird also mehr ins Programm eingebunden.
 
Allerdings sind mit einer Etablierung der Middleware-Technologien auch Risiken verbunden. Abgesehen von dem offenen Standard MHP sind die beiden anderen Technologien, Mediahighway und OpenTV auf proprietäre Set-Top-Boxen ausgelegt.

Das bedeutet, dass es nur noch bestimmten Boxenherstellern erlaubt ist, Boxen zu vertreiben, die diese Standards unterstützen. Hersteller die diese „Genehmigung“ nicht bekommen, können für die entsprechenden Kabelnetze keine Boxen mehr liefern. Im Gegensatz dazu ist es bei MHP möglich, dass Boxenhersteller X mit Modulhersteller Y eine Implementierung der MHP-Software in den Modulen vereinbart und somit jeder Receiver mit CI-Slot den Standard nutzen kann.
 
Setzt also ein Netzbetreiber auf ein proprietäres System wie Mediahighway, so bedeutet das, dass er von seinen Kunden verlangt, einen Receiver von einem bestimmten Hersteller zu nutzen, damit der Kunde auch die interaktiven Inhalte nutzen kann. Die freie Wahl der Geräte wäre dem Kunden genommen, die Einheitsbox wäre Realität.

Dies hätte wiederum wirtschaftliche Folgen. Gibt es keine freie Receiverwahl für eine Reihe von Kabelkunden, so gibt es auch keine Konkurrenz mehr im Receivermarkt. Diese belebt bekanntermaßen das Geschäft, ohne Konkurrenz könnte es erhebliche Preissteigerungen für den Endkonsumenten geben. Außerdem könnte es die technische Entwicklung hemmen, da der Antrieb, die beste und leistungsstärkste Box zu liefern verloren gehen würde.
 
Letztendlich hätte es auch Folgen für den Arbeitsmarkt, denn die Hersteller, die nicht die Möglichkeit haben, die Zwangsboxen herzustellen, wären in ihrer wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit deutlich eingeschräkt und müssten wirtschaftliche Konsequenzen wie Absatzrückgang, Einnahmeverluste und den Verlust von Arbeitsplätzen erwarten.
 
DIGITAL FERNSEHEN hat daher in den vergangenen Tagen Gespräche mit den Beteiligten aus allen Bereichen, also Programmanbietern, Kabelnetzbetreibern, Boxenherstellern und Verbraucherschätzern geführt. Einige dieser Gespräche können Sie in den kommenden Tagen auf digitalfernsehen.de lesen. [mth]

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