Multithek über Astra: Erster Blick sorgt für Ernüchterung

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Bild: © Victoria - Fotolia.com
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Das HbbTV-Portal Multithek ist am gestrigen Dienstag über Astra 19,2 Grad Ost gestartet. Der Anbieter Media Broadcast verspricht ein buntes Angebot an linearen und non-linearen Sendern und Mediatheken. Was in der Theorie gut klingt, sorgte jedoch im ersten Test für große Ernüchterung.

Seit dem gestrigen Dienstag ist sie nun auch über Astra 19,2 Grad Ost verfügbar: Die Multithek von Media Broadcast. Bei dieser handelt es sich um ein Internet-basiertes TV-Portal, das sich den hybriden Übertragungsstandard HbbTV zu Nutze macht, um zahlreiche Zusatzdienste – linear und nicht linear – abseits des klassischen Satellitenfernsehens anzubieten. Voraussetzung für die Nutzung des Portals ist dabei ein Satellitenempfangsgerät (Receiver oder TV mit integriertem Tuner) mit HbbTV-Funktion und Internetanschluss.Der Start ins Portal

Gestartet wird die Multithek, indem der entsprechende Sender in der Kanalliste ausgewählt wird. Dieser trägt momentan noch die Kennung „Multithek-Test“ und findet sich über die Empfangsparameter 12 633 MHz horizontal (DVB-S, Symbolrate SR 22 000, Fehlerkorrektur FEC 5/6). Auf dem Kanal angelangt, findet sich seltsamerweise zunächst eine Hinweistafel, die auf den baldigen Start der Multithek auf diesem Sendeplatz hinweist. Auf den ersten Blick wirkt es nicht so, als hätte das Angebot bereits den Betrieb aufgenommen, zumal ein Hinweis, die rote Taste der Fernbedienung zu betätigen, noch völlig fehlt. Für die meisten Zuschauer mag „Multithek-Test“ daher wohl im Moment noch wie ein schlichter Platzhalterkanal wirken, der schnell übersprungen wird. Verweilt der Nutzer auf den Kanal, startet jedoch nach einiger Zeit die eigentliche Multithek.
 
Das Portal präsentiert sich dabei optisch schlicht aber zumindest übersichtlich. Die Kachel-Ansicht erinnert im ersten Moment ein wenig an ein PC-Betriebssystem jüngeren Datums. Gegliedert ist der Bildschirm in vier Kacheln, mit den Namen „Mediatheken“, „Wetter“, „Spiele“ und „Live“. Mit den Richtungstasten der Fernbedienung kann der Nutzer dabei zwischen den einzelnen Flächen hin und her navigieren, die „Ok“-Taste dient zum Auswählen.Die Mediatheken

Das größte Angebot findet sich derzeit hinter dem Menüpunkt „Mediatheken“. Hier befinden sich die Abruf-Portale zahlreicher TV-Sender. Vertreten sind die Mediatheken von ARD und ZDF sowie die einiger dritter ARD-Programme. Auch die ProSiebenSat.1-Sender Sat.1, ProSieben, Kabel Eins und Sixx sind vertreten, allerdings nur mit abgespeckten Portalen, da die vollen Mediatheken nur über die kostenpflichtige Plattform HD Plus Replay verfügbar sind. 

 
Der Großteil der Angebote ist dabei über Astra auch auf über die Sender selbst erreichbar und das in den meisten Fällen wesentlich schneller und unkomplizierter. Der Sinn, der hinter der Dopplung des bereits vorhandenen Angebots steckt, erschließt sich daher nicht. Was über DVB-T sicherlich Sinn macht, wirkt daher über Satellit zu großen Teilen schlicht überflüssig. Immerhin einige Mediatheken sind dann auch für HbbTV-Veteranen einen Blick wert. Unter ihnen ist etwa Spiegel TV oder das Musikvideo-Portal Muzu.TV. Beide funktionierten im Test gut, sind jedoch auch in einigen anderen Smart-TV-Portalen bereits enthalten und somit keineswegs Multithek-Exklusiv.Wetter und Spiele

Der Menüpunkt „Wetter“ ist praktisch schon selbsterklärend. Unter diesem versteckt sich der Dienst von wetter.com, der jedoch ebenfalls bereits in anderen HbbTV-Portalen integriert ist. Grafisch veranschaulicht und mit Videos untermalt findet der Besucher umfangreiche Wetterberichte auf Abruf.
 
Unter dem Menüpunkt „Spiele“ befindet sich das bereits von verschiedenen Smart-TV-Geräten bekannte Spieleportal Itsmy TV. Insgesamt stehen derzeit elf Spiele zur Auswahl, die allesamt über die Fernbedienung zu steuern sind. Geboten werden einfache Games wie Poker, Solitaire oder Schach, die sich jedoch über das Smartphone wesentlich intuitiver steuern lassen. Der einzige Vorteil besteht hier im großen TV-Bildschirm. Live TV

Leider auch nicht viel interessanter ist derzeit das Menü „Live“ hinter dem sich einige lineare TV-Sender verbergen, die per Livestream im Netz senden. Über den Sinn, die Sender Bloomberg und Sonnenklar TV hier zu integrieren, kann man dabei sicherlich streiten, da beide auch normal über Astra senden. Vielleicht hätte sich Media Broadcast hier das Lokal-TV-Portal der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) zum Vorbild nehmen sollen. Dort wird in Fällen, in denen ein Sender auch als normaler DVB-S-Stream verfügbar ist, auch direkt auf diesen verlinkt. Musikfreunde können sich über den interaktiven Musiksender Putpat freuen, der jedoch ebenfalls bereits in anderen Smart-TV-Portalen verfügbar ist.
 
Übrig bleibt der Online-TV-Sender Family TV, der über die Multithek künftig sein lineares Programm verbreiten will und der auf anderen Wegen bislang tatsächlich noch nicht über Satellitenreceiver zu empfangen ist. Das Problem dabei: Der Livestream des Senders funktioniert derzeit über das HbbTV-Portal noch nicht reibungslos. Während er auf Smart-TVs startete, hatten wir bei Tests mit Enigma-2-Receivern Probleme und es kam regelmäßig zu Abbrüchen. Je nach Empfangsgerät ist dabei sogar ein Neustart des Receivers notwendig, um HbbTV überhaupt wieder zum Laufen zu bringen. Angesichts der groß angekündigten Reichweitenerhöhung des Senders ist dies bislang eine glatte Enttäuschung. Hier entsteht nicht der Eindruck, dass Media Broadcast und der Sender im Vorfeld überhaupt einen Testbetrieb der Multithek durchgeführt haben. Vielmehr scheint dieser gerade erst begonnen zu haben. Ein erstes Fazit

Insgesamt macht die Multithek über Astra in ihrem derzeitigen Zustand noch keinen fertigen Eindruck. Der offizielle Startschuss scheint dabei mindestens einige Tage zu früh gefallen zu sein. Auf der Angebots-Seite sorgt das Portal trotz der vermeintlich vielen Funktionen für Ernüchterung, denn ein Großteil der Mediatheken und Angebote ist bereits über andere HbbTV-Portale verfügbar. Einen echten Mehrwert könnte der Sender Family TV schaffen. Doch ausgerechnet dieser funktioniert derzeit noch nicht reibungslos. Warum Sender angesichts des derzeitigen Zustandes im Vorfeld groß den Launch angepriesen hat, anstatt sich erstmal eine umfangreiche Testphase zu gönnen, bleibt ein Rätsel. Es bleibt zu hoffen, dass Media Broadcast hier schnell nachlegen kann und es gelingt, die vorhandenen Schwächen auszubügeln. Potential scheint mit der Multithek vorhanden zu sein, es wird derzeit schlicht noch nicht genutzt.
[ps]

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4 Kommentare im Forum

  1. AW: Multithek über Astra: Erster Blick sorgt für Ernüchterung Genauso war es. Man braucht nichts mehr hinzuzufügen.
  2. Auf den Punkt gebracht, der größte Quatsch den ich je gesehen habe. Der größte Witz an der Sache ist und bleibt aber Family TV riesen Wirbel um nichts als heiße Luft, die Bildquali des Senders ist unter aller Kanone. Herr Storost setzen 6! das neue Tv sollte lieber weiter in der Schublade bleiben.
  3. AW: Multithek über Astra: Erster Blick sorgt für Ernüchterung Family TV arbeitet an seinem Image. aber immer weiter nach unten. ich glaube, die tauchen schon. Das ist richtig amateurhaft - wie der ganze Sender halt.
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