OpenTV: „Interaktivität braucht attraktive Inhalte“

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Bild: © Victoria - Fotolia.com
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Leipzig – Tracy Geist, in der Kudelski-Gruppe Verantwortliche für Marktentwicklung für dieMiddleware-Lösung OpenTV, fordert im Gespräch mit DIGITAL FERNSEHEN mehr Inhalte, damit sich interaktives Fernsehen nachhaltig durchsetzen kann.

Nagravisions OpenTV ist neben der Lösung MediaHighway von NDS und MHP eine der drei führenden Middleware-Lösungen, ist aber in Deutschland derzeit so gut wie nicht verbreitet.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Frau Geist, Was kann die interaktive Middleware Open TV leisten? Was bietet es dem Betreiber und dem Endkunden für Vorteile gegenüber anderen Middleware-Lösungen?
 
Tracy Geist: Die Software von Open TV ermöglicht den Netzbetreibern (Satellit, Kabel, Telefongesellschaften) sich direkt beim Kunden zu platzieren und den Endverbraucher bei der Auswahl und der Nutzung seiner digitalen Inhalte zu unterstützen.

DF: Warum wird überhaupt eine interaktive Middleware benötigt?
 
Geist: Die digitalen Angebote, die Bedürfnisse der Endverbraucher und die Industriestandards ändern sich permanent, daher sind die Netzbetreiber gezwungen eine anpassungsfähige Plattform anzubieten, auf der sie Ihre Angebote entwickeln.
 
DF: Wie schätzen Sie die Marktentwicklung von interaktiver Middleware in Mitteleuropa im Allgemeinen ein?
 
Geist: Die einzelnen Märkte entwickeln sich, abhängig von kulturellen, wettbewerblichen und gesetzlichen Bedingungen, verschieden. Der österreichische Kabelnetzbetreiber UPC nutzt beispielsweise OpenTV um seine digitalen Angebote zu verbreiten.
 
DF: In Deutschland ist interaktive Middleware momentan kaum verbreitet. Gibt es von OpenTV Pläne die Verbreitung von interaktiven Anwendungen in Deutschland zu erhöhen? Welche?

Geist: Seit seinem Start am Anfang dieses Jahrzehnts hat sich die Interaktivität erheblich weiterentwickelt. Zunächst lebten wir in einer Welt, die von einem ausschließlich in Richtung des Zuschauers gerichteten Rundfunk geprägt war. Inzwischen sind die meisten Haushalte mit rückkanalfähigen Breitbandnetzen ausgestattet. OpenTV glaubt, dass auf HTML basierende Technologien (HTML, CSS, JavaScript, AJAX) der Schlüssel sind, um für das Fernsehen die interaktiven Möglichkeiten dieser Breitbandnetze nutzen zu können. OpenTV investiert sowohl in die HTML-Technologien als auch in ihre Verbreitung im Bereich des interaktiven Fernsehens in Europa.
 
DF: Wäre es denkbar, die Verbreitung von Receivern, die digitale Anwendungen unterstützen, durch Subventionen zu erhöhen?
 
Geist: Die generelle Ansicht von OpenTV ist es, dass ein externes Einwirken auf den Markt wettbewerbsverzerrend wirkt und es für die Märkte besser ist, sich selbst zu entwickeln. Langfristig betrachtet wird so etwas keinen wirtschaftlichen Erfolg haben.

DF: Set-Top-Boxen mit interaktiver Middleware sind im Einzelhandel teurer als normale Zapping Boxen und konnten sich auch deswegen nicht in Deutschland durchsetzen. In Italien sind dank staatlicher Unterstützung mehr als 2,2 Millonen MHP-fähige Endgeräte verkauft worden. Wären auch in Deutschland staatliche Unterstützung bei der Einführung von interaktiven TV-Anwendungen hilfreich?
 
Geist: Einige der billigsten Set-Top-Boxen weltweit unterstützen die OpenTV-Middleware. Die Nachfrage nach Interaktivität wird vor allem durch die Verfügbarkeit von attraktiven und aufregenden interaktiven Inhalten angetrieben.
 
DF: Weder MHP noch Media Highway noch OpenTV konnten sich bisher auf dem deutschen Markt durchsetzen. Worin sehen die Gründe dafür, dass sich Middleware bisher in Deutschland nicht durchsetzen konnte?
 
Geist: Was die Kabelnetze angeht, war der deutsche Markt lange Zeit in kleinen Einheiten aufgeteilt. Daher war es für die Netzwerkbetreiber schwierig, den deutschen Markt auf die gleiche Weise zu bedienen, wie in anderen Ländern.
 
DF: Frau Geist, vielen Dank für das Gespräch. [mth]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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