Polizei warnt vor gefährlichen Internet-„Challenges“ unter Jugendlichen

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Ice Bucket-, Cinnamon- und Tide Pod-Challenge: Immer wieder gehen Mutproben viral, bei denen sich Jugendliche filmen. Oft sind die Challenges nicht ungefährlich. Die Gewerkschaft der Polizei will über die Risiken aufklären und Eltern Tipps im Umgang damit geben.

Benjamin Thull ist Referent für Jugendmedienschutz bei der baden-württembergischen Landesanstalt für Kommunikation (LFK) und erklärt auf dem Präventionsportal „Polizei. Dein Partner“, welche Gefahren diverse Challenges mit sich bringen und wie Eltern ihre Kinder vor ihnen schützen können.

Die Challenges verbreiten sich auf Social Media wie Instagram, Snapchat und YouTube rasant. Die Bandbreite der Mutproben ist groß und nicht alles ist gefährlich. Einige dienen sogar dem guten Zweck – wie die Ice Bucket Challenge, mit der auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam gemacht wurde. Andere scheinen zwar bizarr, aber sind harmlos, etwa die Mannequin Challenge, bei der man wie eine Schaufensterpuppe regungslos verharrt. Doch es gibt auch Trends, die gesundheitsgefährdend sein können. Zum Beispiel, wenn Abnehmerfolge dokumentiert werden, wodurch Magersucht begünstigt werden könne. Die Teilnehmerinnen suchen nach Anerkennung in Form von Likes und wollen laut Thull das Publikum zum Mitmachen motivieren. Oft geht es auch um den Konsum gefährlicher Substanzen, wie etwa flüssige Spülmaschinen-Tabs, man balanciert auf Dächern hoher Gebäude oder springt auf fahrende Züge auf.

Bei den meisten Challenges gehe es um Selbstdarstellung und Mutbeweis. Die damit einhergehenden Risiken nehmen die Jugendlichen bewusst in Kauf. Oft stachele man sich gegenseitig an. „Es gibt professionelle YouTuber, die sogar in die Community reinfragen ,Was sollen wir denn als nächstes machen?‘ Ihr Ziel ist es, immer noch ein bisschen extremer zu werden.“ Über Nominierungen werde zusätzlicher Druck aufgebaut. Denn wenn man aufgefordert wird, an einer Challenge teilzunehmen, würden viele nicht ablehnen wollen. Das liegt laut Thull an einem entwicklungsbedingten Risikoverhalten: „So gut wie alle Kinder und Jugendliche kommen irgendwann in ein Alter, wo sie ihre Grenzen austesten und zeigen wollen, dass sie zu einer sozialen Gruppe dazugehören. Während sie sich ihre Wettkämpfe früher auf der Straße geliefert haben, tun sie es heute über das Internet.“

Um Kinder und Jugendliche von gefährlichen Challenges abzuhalten, sei eine frühe präventive Aufklärung und Begleitung der Internetnutzung wichtig. Doch spätestens bei Smartphones und Tablets wird die Überwachung schwierig und stößt vor allem bei älteren Kindern auf Protest. Thull setzt deshalb auf eine offene Kommunikation und rät von harten Sanktionen ab. Denn durch Drohungen könnten sich die Jugendlichen ihren Eltern verschließen. Wichtig sei auch, darüber aufzuklären, dass nicht alle Videos echt sind. In keinem Fall sollten Eltern entsprechende Videos teilen – auch wenn sie damit eigentlich warnen wollen. Denn letztlich gebe dies den Trends nur noch mehr Aufmerksamkeit. Stattdessen solle man mit anderen Eltern, Lehrern oder Schulsozialarbeitern sprechen. Im Zweifelsfall könne man jugendgefährdende Inhalte auch melden, etwa beim jugendschutz.net.

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