Überfordert die Digitalisierung deutsche Unternehmen?

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Bild: © Victoria - Fotolia.com
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Mehr als die Hälfte der Unternehmen schätzen den eigenen Qualifizierungsgrad im Zuge der Digitalisierung als gering ein.

„Ganz viele fühlen sich überfordert“, sagte Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek am Montag in Berlin zum Auftakt der Konferenz Futurework. Dabei dürfe die digitale Qualifizierung der Beschäftigten zunehmend ein entscheidender Wettbewerbsfaktor sein. Zu der Konferenz mit Vorträgen und Workshops hatte Microsoft gemeinsam mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände BDA geladen. Man wolle ein Bewusstsein für die Problematik schaffen, aber auch Mut entwickeln, sagte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer des BDA.

Die Arbeitswelt steht im Zuge der Digitalisierung vor dramatischen Veränderungen. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen werde nahezu jeden Job in nächster Zukunft verändern, sagte Bendiek. Bislang würden hierzulande jedoch 80 Prozent der Gelder lediglich in die Ausbildung der Menschen bis 25 Jahren investiert. Es müssten aber auch Antworten gefunden werden, wie eine Kassiererin die Mittel und Zeit finde, sich weiterzuqualifizieren, wenn die Barcode-Kassen ihren Beruf ersetzten, sagte Janina Kugel, Personal-Chefin von Siemens.
Digitale Transformation werde immer noch als eine große Gefahr gesehen, sagte Kugel. „Aber sie ist längst auf dem Weg.“ Die Managerin leitet seit April den Digitalrat des BDA, der Strategien zur Zukunft der Arbeitswelt erarbeitet. „Wir wollen Menschen zusammenbringen, die extrem quer denken“, sagte Kugel. Das Bundesarbeitsministerium schätzt, dass bis 2025 durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland verschwinden, zugleich aber rund 2,3 Millionen neue Jobs geschaffen werden. „Die Arbeit wird nicht verschwinden, aber es würden sich die Berufsbilder und Anforderungen radikal verändern“, sagte Kugel.
Er sei möglicherweise der erste Wissensarbeiter gewesen, der gegen eine Maschine verlor, sagte Garri Kasparow. Der russische Schachweltmeister hatte 1997 gegen den Computer Deep Blue von IBM verloren. „Wenn du sie nicht schlagen kannst, verbünde dich mit ihnen“, riet Kasparow. Die entscheidenden Fragen würden auch künftig die Menschen beantworten, nicht die Maschinen.

[dpa/rs]

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10 Kommentare im Forum

  1. Wenn das Selbstscannen mit den modernen Barcode-Kassen sich mehr verbreitet, braucht man keine Kassiererinnen zum Mindestlohn. Da muss auch nur noch eine geringe Anzahl an qualifizierten "Kassiererinnen" eingesetzt werden oder die Barcode-Kassen sind eine Fehlkonstruktion. Solche Barcode-Kassen setzt man nur ein, um die Personalkosten zu verringern, also viele Kassiererinnen durch wenige, aber qualifizierte Mitarbeiter ersetzt werden können.
  2. Ich habe jetzt auch einen modernen Supermarkt mit Barcode-Kassen in meiner Nähe und nach anfänglichen Zögern doch gut daran gewöhnt. Zur Kontrolle und Hilfe stehen dort aber die normalen Kassierinnen die sonst auch an den Kassen sitzen. Es geht eigentlich recht zügig. Einzig Brot und Brötchen einzugeben ist aufwendig. Man geht über drei Ebenen Brotwaren > Brot / Brötchen und dann wie bei mir meistens Brötchen die wiederum über zwei Seiten auf dem Display verteilt sind. Meine Dinkelbrötchen sind natürlich auf der zweiten Seite. Eine Kassiererin hat die Nummern natürlich im Kopf. Da geht es deutlich flotter.
  3. Also braucht nicht die Kassiererin die Qualifikation, sondern alle Kunden müssten entsprechend qualifiziert werden, wenn sich an der Bedienung der Scanner-Kassen nichts ändert. Sollte sich Siemens mal selber mit beschäftigen, statt solche sinnfreie Forderungen zur Qualifikation von Kassiererinnen zu stellen!
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