Malone ist wieder da

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Liberty Global übernimmt Unitymedia

Manchmal kehren sie zurück. So auch im Fall von John Malone, der inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender von Liberty Global ist. CEO und Präsident des US-amerikanischen Kabelriesen ist seit Juni 2005 Michael T. Fries. Die alles entscheidende Person in der Liberty-Übernahme ist jedoch Unitymedia- CEO Parm Sandhu.

Er war ebenso wie Christopher Winfrey, CFO von Unitymedia, ein Liberty-Mann. Sandhu war Finanzdirektor bei Liberty Global und hat 2002 vergeblich versucht, die Kabelnetze der Deutschen Telekom für 5,5 Milliarden Euro zu kaufen. Die Übernahme scheiterte am Veto des Bundeskartellamts. Die Kabelnetze auf der einen Seite sowie ein geplanter Einstieg beim Pay-TV-Sender Premiere war den Kartellwächtern zu viel.
 
Dagegen dürfte die Übernahme von Unitymedia kaum kartellrechtliche Bedenken aufwerfen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Übernahme auf EU-Ebene kartellrechtlich bewertet wird und die Brüsseler Behörden winkten bereits den Verkauf der Cablecom an Liberty durch.

Weitere Übernahmen

Der Zeitpunkt der Übernahme ist gut gewählt. Die Digitalisierung im Kabel nimmt Fahrt auf, das Potenzial ist im Vergleich zu anderen europäischen Kabelmärkten groß. Der Preis von 3,5 Milliarden Euro wird allgemein als angemessen angesehen.
 
Die Parallelen zur Cablecom-Übernahme sind offensichtlich: Auch hier trat Liberty kurz vor dem geplanten Börsengang der Schweizer auf den Plan. Laut Dow Jones Newswires plant Shane O’Neil, Chief Strategy Officer bei Liberty Global, für Unitymedia keinen Börsengang. Ebenso seien weitere Übernahmen in Deutschland nicht geplant.
 
Gegenüber der Deutschen Presseagentur sagte Sandhu, dass Unitymedia durch die Übernahme nun besser aufgestellt sei, um gegen Telekom und Vodafone standhalten zu können. Es besteht kein Zweifel, wo der Brite die Konkurrenz sieht.
 
Dennoch gehen Insider davon aus, dass es nun bei Unitymedia eine stärkere Betonung der Inhalte geben wird. Liberty besitzt über Chellomedia eigene TV-Programme und ist in den Kernmärkten bereits mit Video-on-Demand vertreten. Unitymedia hat über Arena Erfahrungen in der Content-Distribution sammeln können.

Offene Fragen

Mit der Übernahme von Unitymedia ist Liberty Global neben dem aufstrebenden osteuropäischen Markt nun auch im kompletten deutschsprachigen Raum vertreten, was den Einkauf von Inhalten erleichtern dürfte. Ob dies auch für die Verhandlungen mit Sky zutrifft, wird sich zeigen. Der Blick über den deutschen Tellerrand offenbart zumindest, dass Kabelnetzbetreiber zwar eigene Pay-TV-Bouquets anbieten, in den meisten Fällen der Premium-Content jedoch von Dritten zugeliefert wird.
 
In Sachen HDTV wird man also an Sky kaum vorbeikommen. Der Einstieg von Liberty wirft auch ein neues Licht auf den Verbleib Sandhus an der Spitze von Unitymedia. Seine Familie lebt inzwischen wieder in London und Sandhu selbst ist zum Pendler zwischen den Städten am Rhein und an der Themse geworden. Einen Grund, Sandhu von seinen Tätigkeiten zu entbinden, gibt es für Liberty auf jeden Fall nicht. Der Brite hat Unitymedia auf Fahrt gebracht. Und wie heißt es doch so schön: Never change a winning team.
(Marc Hankmann)

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