Loewes Preis-Leistungsproblem: Loewe bild i.48 dr+ im Test

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Der Loewe Bild i 4. Bild: Loewe

Ist dieser Preis für diese Leistung gerechtfertigt? Mit rund 2.700 Euro gehört der bild i von Loewe zu den kostspieligsten 48-Zoll-OLED-Fernsehern. Die Premiumprodukte von Loewe werden im Werk in Deutschland zusammengebaut und erhalten hier ihre Qualitätsprüfung. Doch wieviel Loewe-Markenversprechen steckt überhaupt noch in den aktuellen TV-Geräten aus Kronach?

Durch den Einsatz eines OLED-Panels mit selbstleuchtenden Pixeln ist die Bildfläche des bild i extrem flach und der Bildrahmen des Displays fällt minimal aus. Für Nicht-Loewe-Kenner fallen zwei Design-Elemente sprichwörtlich aus dem Rahmen: Das Loewe-Logo setzt sich ebenso vom Gehäuse ab wie das runde Mini-Display (Loewe-Auge) an der Unterseite. Statt einer vollwertigen Infotextanzeige wird im Loewe-Auge meist nur eine Linie in unterschiedlichen Farben angezeigt, die über den jeweiligen Betriebszustand informiert.

Der Loewe Bild i.48 im Test: Die Fernbedienung mit den Schnellwahltasten für Netflix, Prime Video, Rakuten TV, Deezer und Youtube. DAZN, Disney+, Apple TV+ und RTL+ fehlen.
Als seltsam entpuppt sich die Belegung der Schnellwahltasten: Disney+, RTL+ oder DAZN bleiben außen vor, dafür schaffen es Deezer und Rakuten TV drauf.

Etwas unpraktisch erwies sich im Test die hochwertig verarbeitete Fernbedienung, die an den Randbereichen zu glatt und vergleichsweise klobig und schwer erscheint. Wichtige Tasten wie die Menüeinstellungstaste sind nicht selbsterklärend beschriftet und eine vollständige Tastenbeleuchtung fehlt ebenso wie eine Direktauswahl für die App Disney+. Der Namenszusatz „dr+“ weist auf die integrierte Festplatte hin, die mit 1.000-GB-Speicherkapazität zwar üppig bestückt ist, aber in technischer Hinsicht nicht mehr auf der Höhe der Zeit erscheint – ein moderner lautloser SSD-Speicher wäre bei diesem XXL-Kaufpreis angemessener.

Der Loewe Bild i.48 im Test: Die Anschlüsse (HDMI, Audio, LAN und USB) auf der Rückseite des Gerätes in Nahaufnahme
Die Anschlüsse sind ordnungsgemäß seitlich angeordnet sodass ein Wandmontage erfolgen kann. Sofort fällt der Single-Tuner auf, für Loewe-TVs sehr ungewöhnlich.

Zudem verbaut Loewe nur Single-Tuner, sodass ein Senderwechsel während einer Programmaufzeichnung nicht möglich ist. Sie lesen richtig: ein Programmwechsel ist bei dem 2.700 Euro teuren Loewe bild i überhaupt nicht möglich während einer Aufnahme. Selbst günstige Set-Top-Boxen unterhalb der 100 Euro Grenze erlauben bei Aufnahmen das transponderinterne Zapping beziehungsweise die Nutzung des zweiten Hybridtunerteils (DVB-T bzw. DVB-C). Abseits der Einschränkungen des Single-Tuner-Konzepts überzeugt die Bedienung dennoch: Programmaufnahmen lassen sich im vorgegebenen Rhythmus speichern, neben Aufzeichnungen ist Time-Shift möglich und eine Umschaltung während einer Aufnahme ist zumindest mit einer Internetverbindung möglich, indem Sie eine Streaming-App aufrufen. Apropos Internetverbindung: Loewe unterstützt die Freischaltung der HD+ Sender über die Operator-App, sodass Sie kein CI+ Modul benötigen, um die Privatsender in HD-Qualität anzuzeigen.

Neues Smart-TV-System

Gänzlich neu ist der Einsatz der von Hisense-Fernsehern bekannten Vidaa-Smart-TV-Oberfläche, die nun auch bei Loewe Einzug hält. Als Smart-TV-Prozessor kommt ein Novatek-Chipsatz zum Einsatz, der eine flüssige Bedienung ermöglicht. Generell startet der Loewe bild i deutlich schneller als ältere TV-Modelle des Herstellers und auch Android-TV-Geräte der Konkurrenz sind meist nicht derart zügig einsatzbereit. Dennoch erscheint der verbaute Prozessor nicht dem Preis des Loewe bild i angemessen: Laut unseren Recherchen kommt die identische Smart-TV-Hardware ausschließlich in günstigen Geräten anderer TV-Hersteller zum Einsatz, während hochwertige Fernseher meist auf leistungsstärkere Smart-TV-Prozessoren setzen.

OLED-Panel mit selbstleuchtenden Subpixeln in BGRW-Anordnung: exzellente Kontrast- und Schwarzdarstellung, tadellose Blickwinkeleigenschaften. Lichtverteilung sehr gut (ca. 90% Homogenität). Dezente Schatteneffekte und unruhigeres Pixelverhalten in dunklen Flächen. Leichter Farbtemperaturdrift (türkis oder violett) in Grau-/Weißflächen. Exzellente Bewegtbildschärfe mit Zwischenbildberechnung, keine künstlichen Nachzieheffekte. Eine 120-Hz-Signalzuspielung zeigt hingegen nur eine 60-Hz-Wiedergabequalität. Kontrastfilter: Spiegelungen leicht diffus, einstrahlende Lichtquellen werden kaum gestreut, Reflexionen bläulich kühl.

Die App-Unterstützung ist beim Blick auf die großen VoD-Anbieter in Ordnung. Netflix, Prime Video, Disney+ aber auch DAZN stehen zur Verfügung. Auch Apps für Joyn, RTL+, die öffentlich rechtlichen, Zattoo und HD+ hat Loewe integriert. Doch beim genaueren hinschauen trübt der Eindruck. Weder waipu.tv noch Magenta TV als die beiden größten in Deutschland beheimateten OTT-Angebote sind enthalten. Auch Wow, Paramount+, Discovery+ und Apple+ sind nicht enthalten. Loewe handelt somit halbherzig. Zum einen bringt man ein Modell mit abgespecktem Tuner zum teuren Preis auf den Markt um die Kundenwünsche nach integrierten Apps zu erfüllen, doch eine Vielzahl der in Deutschland wichtigen Apps bleiben außen vor.

Wer seie Fernsehsender zusammen mit dem Telefon und Internet über die Telekom (Magenta TV) bezieht muss ebenso wie Sky Wow-Nutzer erneut auf einen externen Streamingplayer setzen. Für den Preis von 2700 Euro ein bitterer Tropfen den Kunden hinnehmen müssen. Selbst der günstige, in der vergangenen Ausgabe geteste Roku-TV zu einem Bruchteil des Preises bot hier mehr Appvielfalt.  Netflix, Prme Video und Co. werden vom bild i in Dolby-Vision-, HDR10+ und Dolby-Atmos-Qualität wiedergegeben und ein 4K-HDR-Streaming stellt den Fernseher vor keine Leistungsprobleme.

Der Loewe Bild i.48 im Test: HDR-Wiedergabe am Beispiel von von einem Film-Bild mit Leonardo Di Caprio
Der bild i unterstützt alle aktuell relevanten HDR-Formate. Einzig im Dolby-Vision-IQ-Modus werden dunkle Bereiche bei Umgebungslicht gezielt angehoben, wenn die Lichtsensorsteuerung aktiviert wird. Bei seitlicher Displaybetrachtung Bildabdunklung und Farbtemperaturdrift (Violettfärbung).aa

Verfehlte Herstellerangabe

Die Bildhelligkeit des bild i fällt zurückhaltend aus, sodass sich bei kinogerechten Farben weniger als 600 Nits ergeben und lediglich eine kühle Bilddarstellung etwas höhere Werte erlaubt. Loewes Herstellerangabe von 800 Nits verfehlte der bild i in 48 Zoll im Test deutlich. Die Flächenhelligkeit fällt mit weit unter 150 Nits ebenfalls dezent aus. Leider gelingt es Loewe beim bild i nicht, eine automatische Bildabdunklung zu vermeiden: minutenlange Filmszenen ohne Kontrastwechsel sorgen für einen künstlichen Dimming-Effekt, sodass die Darstellung sehr dunkel erscheinen kann, bis ein Szenenwechsel erfolgt oder Sie ein helles Bildschirmmenü einblenden. Dieser Effekt tritt ebenfalls mit Streaming-Inhalten im Dolby-Vision-Format auf.

Eine Enttäuschung ist der bild i im Zusammenspiel mit einer PS5 und Xbox Series X: Zwar lässt sich der Spielmodus komfortabel an- und abwählen, ohne den vorab eingestellten Bildmodus verlassen zu müssen, doch die Bildhelligkeit nimmt im Spielmodus noch weiter ab. Zudem sind lediglich HDMI-Schnittstellen nach 2.0-Standard verbaut, sodass sich keine 4K-120-Hz-Signale zuspielen lassen – die Bezeichnung „HDMI 2.1“ umfasst beim bild i lediglich Zusatzfunktionen wie VRR und ALLM. Zwar geben Quellen eine mögliche 120-Hz-Signalzuspielung in Full-HD-Qualität an, doch im Test zeigte der bild i auch in diesem Fall mit einer Xbox Series X und einem PC mit RTX3070-Grafikkarte nur eine 60-Hz-Bewegtbildschärfe.

Ohne HDMI 2.1 und 120 Hz-Signale in 4K ist das Gaming-Vergnügen eingeschränkt. Der Spielmodus ist hier im Screenshot zu sehen.
Loewe bewirbt den bild i mit HDMI 2.1, aber die Schnittstellen weisen nur eine HDMI-2.0-Bandbreite auf. Der Spielmodus lässt sich flexibel hinzuschalten, allerdings fällt die Lichtleistung geringer als im TV-Modus aus und der Input Lag ist höher als gedacht. Trotz 120-Hz-Zuspielmöglichkeit (Full-HD-Auflösung) nur 60-Hz-Qualität.

Enttäuschende Tonqualität

Die Tonqualität der integrierten Lautsprecher des bild i hat uns allerdings auf ganzer Linie enttäuscht: Die Standard-Einstellung klingt zwar nicht so schrill wie die Kino- und Spracheinstellungen, doch es entsteht ein etwas muffiger Eindruck, als wären die Lautsprecher im Gehäuse regelrecht vergraben. Abhilfe schafft die klangbar i, für die sogar ein echter Audioanschluss am bild i vorgesehen ist, sodass Sie keinen HDMI-Anschluss opfern müssen. Optisch passt die klangbar i perfekt zum Fernseher (entspricht der TV-Abbildung auf der ersten Doppelseite) und die Klangabstrahlung gelingt damit direkt nach vorn. Der sehr hohe Kaufpreis des bild i wird durch die klangbar i (300 Euro) aber noch weiter in die Höhe geschraubt, sodass der Loewe bild i.48 dr+ den stolzen Preis eines High-End-65-Zoll-OLEDs anderer TV-Hersteller kostet. Optional steht eine eARC-Tonweiterleitung zur Verfügung, die im Test aber unter Startschwierigkeiten litt und uns gelang es nicht, DTS:X- und Mehrkanal-PCM-Signale weiterzuleiten.

  • Lesen Sie auch: UHD-TV – Die wichtigsten Sender im Überblick

Nicht First Class

Beim Upscaling setzt Loewe auf eine auffällige Kantenglättung, während ein traditioneller Schärfefilter nicht mehr zu finden ist – der Schärferegler des bild i betont den Pixelkontrast, während sich die künstliche Nachschärfung des Signals in den meisten Einstellungen nicht verändern lässt. Wollen Sie neue praktische Modi wie Dolby Vision IQ nutzen, werden einige Bildeinstellungen vom Fernseher gesperrt. Für Unstimmigkeiten sorgten im Test Signalwechsel: Der bild i neigte im Test wiederholt zu stockende Bewegungsabläufen, beispielsweise wenn von einem Hauptmenü eines Films in den laufenden Film umgeschaltet wurde. Der gleiche Effekt ließ sich nachvollziehen, wenn die Einstellung der Zwischenbildberechnung verändert wurde. Nach wenigen Sekunden ist der Spuk aber vorbei und die Wiedergabe gelingt flüssig.

Die Einstellung der OLED-Bildschirmhelligkeit ist äußerst missverständlich, denn im Bildschirmmenü und im Handbuch ist der Helligkeitsregler des Fernsehers falsch beschrieben: „Helligkeit“ steuert nicht etwa die Bildhelligkeit, sondern ist für die Schwarzabstimmung zuständig. Im Test zeigte der bild i keine tadellose Durchzeichnung. Eine bessere Detailzeichnung nahe Tiefschwarz sorgte stets für eine künstliche Bildaufhellung und somit für Kontrastverluste. Die echte Bildschirmhelligkeit versteckt sich in einem Untermenü, das mit OLED-Anzeige gekennzeichnet ist. Hier können Sie nicht nur die tatsächliche Bildschirmhelligkeit einstellen, sondern auch die Lichtsensorvoreinstellung beeinflussen oder abschalten.

Die Rückansicht des Loewe Bild i.48
Anschlüsse für Wandmontage ausgelegt • Kunststoffblenden für Anschlussbereich und Rückseite • Länge Stromkabel ca. 2,4 m (ca. 1,8 m effektiv nutzbar) • Wandhalterung Maße: 30 × 20 cm • Rahmenbreite: ca. 0,1 cm (ca. 0,8 cm bis Bild) • Displaydicke: ca. 0,5 cm (ca. 6,4 cm mit Gehäuse) • Displayhöhe Unterkante (TV auf Standfuß): ca. 5,7 cm • Standfußfläche: ca. 54 × 29 cm • Display drehbar: ja

Die Bildabstimmung des Fernsehers gelingt Loewe in den Filmeinstellungen gefällig, sodass Sie von zu bunten und unnatürlichen Bildern verschont bleiben. Die Farbtemperaturvoreinstellungen „Warm 1“ und „Warm 2“ erscheinen allerdings vertauscht, da „Warm 1“ wärmer als die D65-Norm erscheint und „Warm 2“ kühler. Die umfangreiche HDR-Unterstützung inklusive Dolby Vision und HDR10+ zeigte im Test Qualitätsvorteile gegenüber einer klassischen HDR10-Zuspielung. Unverständlich ist nur, weshalb sich im Dolby-Vision-IQ-Modus die Zwischenbildberechnung nicht einstellen lässt – die Voreinstellung erzeugt leider einen künstlichen Filmlook  und Artefakte.

Fazit

Der 48-Zoll-OLED-Fernseher von Loewe zeigt sich in einem bildschönen Gewand. Bei der restlichen Performance gibt es aber deutliche Defizite. Wichtige Apps im deutschsprachigen Raum für die Dienste Magenta TV, waipu.tv, Discovery+ oder Paramount + bleiben außen vor und bei Aufnahmen kann der Zuschauer maximal auf ein Streaming-Angebot wechseln. Zusammen mit den Schwächen beim Ton ist der Eindruck den der Loewe bild i im Testlabor hinterlässt im Vergleich mit dem doch sehr hohen Preis enttäuschend. 

Text: Ricardo Petzold (Chefredaktuer DIGITAL FERNSEHEN), Christian Trozinski (Chefredakteur HDTV Magazin); Redaktion: Richard W. Schaber

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5 Kommentare im Forum

  1. Erstanlich ist aber, das es überhaupt noch Leute gibt, die 2700 Euro für einen 48er ausgeben...
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