Anga: „Überstürzte Analogabschaltung schadet allen Marktbeteiligten“

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Bild: © soupstock - Fotolia.com
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Berlin/Bonn – Eine voreilige Abschaltung des analogen Fernsehens benachteilige die Kabelnetzbetreiber, Inhalteanbieter, die Wohnungswirtschaft sowie die Kabelkunden und schade somit allen Marktbeteiligten, findet der Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber Anga.

„Anders als bei der Terrestrik, bei der aufgrund begrenzter Kapazitäten ein harter Umstieg notwendig war, verfügt das Kabel über große Bandbreiten und ausreichende Kapazitäten, um gleichzeitig analog und digital zu verbreiten“, teilt der Anga Verband in einem Positionspapier mit.
 
100 Prozent der deutschen Breitband­kabel­netze seien digital und würden parallel zur analogen Übertragung „eine Vielzahl digitaler Angebote zu ihren Kunden“ transportieren. Hiervon sei die Nutzung digitaler Fernsehangebote zu unter­­scheiden. Mehr als sechs Millionen TV-Haushalte, die digitale Angebote via Kabel nutzen sowie hohe jährliche Wachstumsraten von zuletzt mehr als 40 Prozent würden zeigen, dass der Digitali­sierungs­prozess im Kabelnetz deutlich an Fahrt aufgenommen habe.
 
„Um dies zu ermöglichen, investieren die Kabelnetzbetreiber jährlich hohe Summen in die Aufrüstung ihrer Netze“, betont Anga-Präsident Thomas Braun. Allein in diesem Jahr seien es über 700 Millionen Euro.
 
Mit High-Speed-Internet und Telefonie über die Kabelnetze „setzen wir entscheidende Impulse für den Infrastrukturwettbewerb mit den DSL-Anbietern. Eine erzwungene analoge Abschaltung, verbunden mit entsprechenden Kundenverlusten, würde die Investitionsfähigkeit der Kabelnetzbetreiber schwächen“, so Braun. Das sei „ein deutlicher Wider­spruch zur Breitbandstrategie der Bundesregierung, deren Ziele gerade mit Blick auf schnelles Internet mit 50 Megabit pro Sekunde und mehr ohne Breitbandkabelnetze nicht erreichbar sind.“
 
„Damit die Digitalisierung zunimmt, sind weitere digitale Angebote der Inhalteanbieter mit echtem Mehrwert für den Zuschauer erforderlich. Ein solcher anreizorientierter Digitalumstieg setzt jedoch voraus, dass die Kabelnetzbetreiber Zugang zu allen relevanten Programmen und Inhalten haben – und zwar zu marktüblichen Konditionen“, so Braun weiter. Die Blockade der großen privaten Programm­anbieter bei der digitalen Weiterverbreitung im Kabel bis Ende 2005 habe der Digitalisierung im Kabel geschadet.
 
Insbesondere bei der Verbreitung von HDTV-Programmen sei es nicht akzeptabel, wenn ARD und ZDF Verbreitungsentgelte an Satelliten- und DVB-T-Betreiber zahlen, diese aber dem Kabel verwei­gern wollen. Eine indirekte Überwälzung der Kosten auf die Kabelkunden, die bereits über ihre Rundfunk­gebühren auch für die Verbreitung der HDTV-Programme bezahlen würden, sei nicht zu rechtfertigen.
 
Auch fordere der Anga Verband „die Schaffung medienrechtlicher Vorschriften, die jedem Netzbetreiber die Wahlfreiheit sichern, ob er eine Verschlüsselung der digitalen Free-TV-Programme vornimmt oder sie unverschlüsselt weiter­verbreitet“. Das Geschäftsmodell dürfe nicht einseitig von den Programmveranstaltern oder der Medienpolitik vorgegeben werden.
 
Als einen Grund für die Zurückhaltung von Kabelkunden beim Wechsel zum digitalen Fernsehen sieht Braun die erforderliche Anschaffung eines Digitalreceivers. Um Kabelkunden von den damit verbundenen Kosten zu entlasten, seien infrastrukturneutrale Zuschüsse für Set-Top-Boxen, z.B. über einen Digitalisierungsfonds oder Gutscheine wie in den USA, Österreich oder Italien, in Erwägung zu ziehen. „Außerdem ließe sich die Attraktivität von digitalen Inhalten durch eine reduzierte Umsatzsteuer auf digitale Free- und Pay-TV-Pakete erhöhen“, so Braun abschließend.
 
Die Komplett-Digitalisierung im Kabel kostet rund zwei Milliarden Euro, hat die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) in ihrem Digitalisierungsbericht 2009 festgestellt (DIGITAL FERNSEHEN berichtete).
 
„Legt man für einen digitalen Receiver die Summe von 100 Euro zugrunde, beliefe sich der Aufwand für die Umstellung im Kabel, der von den Netzbetreibern, den Kunden oder von beiden zu tragen wäre, auf rund zwei Milliarden Euro“, berichtet die ZAK in ihrem diesjährigen Digitalisierungsbericht. [ar]

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24 Kommentare im Forum

  1. AW: Anga: "Überstürzte Analogabschaltung schadet allen Marktbeteiligten" Ha Ha Ha Jetzt geht es ans eingemachte denn wenn sie die digitalen Programme wieder ins Analog bringen müssten müssen die schon wieder investieren in eine Technik die einfach nicht mehr gebraucht wird. ja ja das kommt davon das Free TV bei den 2 grossen anbietern pay tv ist und das wird sich auch nicht ändern. Denn wenn 2 Millionen Kunden nochmal einen obulus von 3,90 € oder 5 € zahlen ist das eine menge Holz und UM/KD werden einen Teufel tun und auf diese einnahme verzichten. Das ist wirklich ein Witz, bei denen Kostet sogar Ausländisches FTA Fernsehen Geld und nicht zu knapp. Bin mal gespannt was die von ihren Kunden für HDTV haben wollen. nur mal so am rande ein rechen beispiel : HDTV = 5 € PVR Receiver nochmal 5 € plus Basic 3,90 € Ausländisches Fernsehen 7 € macht im monat 20,90 € für echtes Free TV loooooooooooooooool das ist wirklich nur noch lächerlich. Die neuen Melkkühe der Nation heissen KAbel Kunden
  2. AW: Anga: "Überstürzte Analogabschaltung schadet allen Marktbeteiligten" Eine Verzögerung der Analogabschaltung schadet allen. Allen voran schadet es den Kabelnetzbetreibern, lieber ANGA-Verband!!!
  3. AW: Anga: "Überstürzte Analogabschaltung schadet allen Marktbeteiligten" Wenn das es nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen. Die haben doch den Knall noch nicht gehört.
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