Spot-Beams auf 19,2 Grad Ost geplant: Ende des europaweiten Sat-Fernsehens?

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SES Astra Satellit Antenne; © SES
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Die SES hat neue Satelliten für die europäische Haupt-Position 19,2 Grad Ost angekündigt, auf die auch alle deutschen TV-Sender wechseln werden. Der europaweite Sat-Empfang könnte darunter leiden.

Die Ankündigung von SES am Donnerstag war längst überfällig. Denn die bisher auf Europas wichtigster Sat-Position 19,2 Grad Ost stationierten Satelliten sind nicht mehr die Jüngsten. Die nun bestellten zwei neuen Satelliten sollen 2024 ins All befördert werden. Der künftige Satellit Astra 1P wird wieder wie die bisherigen Satelliten ganz Europa mit einem einheitlichen Signal („Wide-Beam“) versorgen. Alle darüber ausgestrahlten TV-Sender können wie bisher europaweit empfangen werden. Wie die genauen Ausleuchtzonen („Footprints“) aussehen, ist noch nicht bekannt. An den Randgebieten könnte es deshalb trotzdem zu Änderungen kommen. Es könnte sein, dass dort Signale nicht mehr empfangbar sein werden. Falls der neue Footprint größer ist als der der bisherigen Satelliten, könnte der Empfang dort auch besser werden.

Der zweite neue Satellit, Astra 1Q, auch als „Next-Generation Satellit“ bezeichnet, kann seine Signale sowohl in einem europaweiten Wide-Beam als auch in vielen kleinen Spot-Beams ausstrahlen. Damit eröffnet die SES den TV-Sendern die Möglichkeit, den Sat-Empfang ihrer Signale z. B. nur auf die Region Spanien und Portugal zu begrenzen. Oder aber nur auf die deutschsprachige Region in Zentraleuropa. In anderen Gebieten ist dann der Empfang nicht mehr möglich. Sollten deutsche TV-Sender auf so einen Spotbeam wechseln, wäre das das Aus für den Sat-Empfang z. B. in den Urlaubsregionen Italien, Kroatien oder Spanien. Bisher konnten die TV-Sender gegenüber ihren Rechtegebern (z. B. Hollywood-Studios) argumentieren, dass es keine Alternative zur europaweiten Sat-Ausstrahlung gäbe (außer der Verschlüsselung). Wenn es nun jedoch künftig die technische Möglichkeit gibt, die Signale auf gewisse Regionen zu beschränken, werden das die Rechteinhaber sicherlich auch versuchen von den TV-Sendern einzufordern. Man darf gespannt sein, welche Auswirkungen das auf den freien Satelliten-Empfang haben wird.

Bildquelle:

  • SES-Astra-Satellit-Antenne: © SES

79 Kommentare im Forum

  1. Auch Anbieter von Verschlüsslungssystemen wird dadurch so manches Geschäft zu nichte gemacht werden. Denn dann werden so einige TV Anbieter aus diese Spotbeams wechseln und keine Verschlüsselung mehr benötigen.
  2. Der Polen-Spotbeam war für SES ein Schuss in den Ofen. Einzig der UK-Spotbeam auf 28,2° wird genutzt, wobei viele Transponder im Widebeam arbeiten. Aber selbst den Spotbeam kann ich hier am Bodensee empfangen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Außerdem ist die Gefahr durch irgendwelche IP-Dienste plus Proxy viel größer, als wenn sich jemand eine größere Antenne montiert. Abgesehen davon ist der Satellit auch für Datendienste gedacht. Hier, insbesondere im Ka-Band, machen Spotbeams durchaus Sinn. Ich habe das Gefühl, dass hier Dinge vermischt und zusammengereimt werden.
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