Fassbinder-Film „Enfant Terrible“ heute als Free-TV-Premiere

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Fassbinder dargestellt in dem Oskar-Roehler-Film
Bild: Bavaria FIlmproduktion
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Rainer Werner Fassbinder ist eine Ikone des Neuen Deutschen Films. „Enfant Terrible“ zeigt das Leben des Regisseurs mit einem brillanten Oliver Masucci in der Hauptrolle. Free-TV-Premiere ist nun bei Arte.

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Der Film wurde im Herbst 2020 ein Opfer des Corona-Lockdowns, kam damals nach seinem Start am 1. Oktober nur auf knapp 13.000 Kinozuschauer, Oliver Masucci erhielt jedoch genau ein Jahr später den Deutschen Filmpreis für die Beste männliche Hauptrolle. Nun können sich – ein weiteres Jahr später – Fernsehzuschauer bei der Free-TV-Premiere ein Bild vom Fassbinder-Biopic „Enfant Terrible“ machen, heute um 22.35 Uhr bei Arte.

Lesen Sie bei Interesse ebenfalls die DIGITAL FERNSEHEN-Filmkritik „‚Enfant Terrible‘ zerlegt die Filmikone Fassbinder“.

Heute wäre ein Regisseur wie Rainer Werner Fassbinder kaum denkbar. Einer, der am Set schreit, handgreiflich wird, der Alkohol- und Drogenexzesse auslebt und andere Leute reihenweise fertigmacht. Und doch wurde er zu einer Ikone des deutschen Films mit Werken wie „Angst essen Seele auf“, „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“, „Die Ehe der Maria Braun“, „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ oder der ARD-Serie „Berlin Alexanderplatz“.

Oskar Roehler setzt dem Münchner mit „Enfant Terrible“ ein filmisches Denkmal. Neben Masucci («Er ist wieder da») in der Hauptrolle spielen auch Katja Riemann, Eva Mattes, Hary Prinz und Sunnyi Melles mit.

Auch Katja Riemann spielt in „Enfant Terrible“ mit

Roehler („Herrliche Zeiten“) inszeniert den Film wie ein Theaterstück – Fassbinders Leben wie auf einer Bühne, vor dunklen, angemalten Pappkulissen. Es gibt viel Theatralik in diesen gut zwei Stunden, dazu ein faszinierendes Spiel von Licht und Schatten. Ein wuchtiger Film mit Momenten, die auch mal etwas anstrengend sind, die sich aber trotzdem zu einer spannenden Interpretation von Fassbinders Leben fügen: das Unstete, das ständige Gefühl des Gejagtseins.

Masucci ist großartig in der Rolle dieses Mannes, der zu Hause am liebsten mit offenem Bademantel abhängt und keine Probleme hat, seinen runden Bauch zu präsentieren. Der lacht, schreit, weint, liebt, sinniert, fordert und verurteilt, ohne Rücksicht auf sich und andere.

Rainer Werner Fassbinder an der Kamera
Rainer Werner Fassbinder an der Kamera. Bildquelle: ARTE © DFF/Deutsches Filminstitut & Filmmuseum/Peter Gauhe

Regisseur Roehler inszeniert filmisches Fassbinder-Denkmal wie ein Theaterstück

Fassbinder schrieb Drehbücher und Theaterstücke, inszenierte, schauspielerte und produzierte. Masucci zeigt ihn als Besessenen, der nie zur Ruhe findet, weil ihn seine Ideen förmlich bedrängen, der ausrasten kann, wenn andere nicht sofort verstehen, was er will.

Dabei spannt der Film einen Bogen von Fassbinders Theaterdebüt am Münchner Action-Theater mit Georg Büchners Komödie „Leonce und Lena“ Ende der 60er Jahre bis hin zu seinem frühen, einsamen Tod am 10. Juni 1982 in seiner Münchner Wohnung im Alter von nur 37 Jahren.

Über die Jahre versammelt er eine illustre Gruppe von Menschen um sich, wie eine große Familie. Manche verletzt er so tief, dass sie sich zurückziehen. Andere nehmen seine Launen in Kauf und arbeiten trotzdem mit ihm, darunter Hanna Schygulla, Barbara Sukowa, Rosel Zech oder Brigitte Mira, im Film gespielt von Eva Mattes.

Doch tief im Herzen ist der Filmemacher verzweifelt auf der Suche – nach Liebe, vor allem zu Männern. Seine oft dramatischen Beziehungen sind ein wichtiger Teil des Films, etwa zum Schauspieler Günther Kaufmann, in „Enfant Terrible“ dargestellt von Michael Klammer.

Der heute 63-jährige Roehler sagte über Fassbinder: „Er hatte so viel abzuarbeiten an sich, an der deutschen Gesellschaft, dass ein Leben, so stark auch immer, einfach nicht ausreichen konnte. Der große Zirkus, das Rampenlicht, die Drogen, die Legenden, die er schuf, haben ihn schließlich verschlungen.“

Bildquelle:

  • df-rainer-werner-fassbinder: ARTE
  • enfantterrible1: Bavaria FIlmproduktion
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