„Das Begräbnis“: Namhaft besetzte Impro-Serie startet heute

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Das Begräbnis © ARD Degeto / Georges Pauly
© ARD Degeto / Georges Pauly
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Jan Georg Schütte ist als Regisseur für Impro-Formate bekannt und preisgekrönt. Nun zeigt die ARD sein nächstes Projekt. Eine sehr gut besetzte und in der Entstehung beeindruckende Mini-Serie über ein Begräbnis, das komplett aus dem Ruder läuft.

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Dorfpfarrer Ernst gibt gleich zu Beginn die Richtung vor, in die sich die Mini-Serie „Das Begräbnis“ entwickeln wird. „Wer wirft den ersten Stein? Der ohne Schuld ist, der wirft den ersten Stein“, sagt er bei der Bestattung von Wolf-Dieter, bis zu seinem Tod Inhaber eines Handwerksbetriebs und Besitzer mehrerer Gebäude.

Ohne Schuld ist in der Trauergemeinde quasi niemand – Steine werfen können sie aber alle gut. Kaum ist Wolf-Dieter unter der Erde, wollen sie die Zukunft regeln – und bringen dabei all die unter den Teppich gekehrten Probleme der Großfamilie aus der DDR ans Tageslicht. Das Besondere: Das alles geschieht ohne ausgefertigtes Drehbuch, an mehreren Drehorten gleichzeitig an nur zwei Drehtagen.

Klaas Heufer-Umlauf produziert mit

„Das Begräbnis“ ist das neue Projekt von Regisseur Jan Georg Schütte, der für seinen Impro-Spielfilm „Altersglühen“ 2015 den Grimme-Preis erhalten hat. Produzenten sind Lars Jessen, Sebastian Schultz und Klaas Heufer-Umlauf. Erst vor Kurzem überzeugte Schütte mit der humorvollen Serie „Kranitz„, in der er selbst einen windigen Paartherapeuten spielte. Auch dabei setzte er auf das Improvisationstalent der Darsteller.

Für den amüsanten Sechsteiler „Das Begräbnis“, ab dem 25. Januar immer dienstags ab 22.50 in der ARD zu sehen, hat Schütte nun nicht nur improvisieren lassen, sondern auch gleichzeitige Handlungen quasi gleichzeitig gedreht. Mehr als 50 Kameras wurden dazu auf einem großen Hof mit 15 Sets aufgestellt, so dass die Schauspieler die Handlung innerhalb weniger Stunden durchimprovisieren konnten.

Und das ganze mit sehenswerter Besetzung: Unter anderem Charly Hübner, Anja Kling, Martin Brambach, Devid Striesow, Claudia Michelsen und Thomas Thieme präsentieren große Spielfreude bei der Ausgestaltung ihrer Rollen. „Ich habe mich den Abend vor dem Dreh separiert und mich den Kollegen nicht gezeigt. Ich bin in meinem Zimmer geblieben, um diesen Überraschungsmoment auch in der Realität zu haben“, sagt etwa Striesow laut ARD-Mitteilung über seine Rolle Thorsten, der erst etwas später und zum ersten Mal nach 25 Jahren wieder im Heimatdorf auftaucht.

2 Drehtage, 15 Sets, 56 Kameras

Vor allem Kling und Brambach überzeugen in der Serie als verpeiltes Paar, das dringend Geld und Jobs braucht. „Ich kam mir beim Dreh wie ein Dirigent vor, der von Konzertsaal zu Konzertsaal saust, die Instrumente dort mit zwei, drei Taktschlägen einnordet und dann auch noch im Keller, der Kantine und dem Zuschauerraum weiter dirigiert“, erklärte Schütte.

Die Handlung ist im Kern schnell erklärt: Die Zuschauer bekommen immer wieder die Bestattung von Wolf-Dieter zu sehen – samt anschließendem Beerdigungsumtrunk, der Testamentseröffnung und dem sich daraus entwickelnden Ärger. Dabei wird intrigiert, geschossen, gesoffen und geprügelt. Jede der sechs Episoden ist einem der Charaktere gewidmet und betrachtet den chaotischen Tag aus dessen Sicht. Mit der Zeit ergänzt sich für den Zuschauer das Bild. Parallel geführte Gespräche an anderen Standorten werden bekannt – und so auch neue Probleme, die sich zwischen den anderen Charakteren entwickeln.

„Das Begräbnis“ läuft im Spätprogramm

Der Reiz steckt letztlich auch in der Suche nach Details, den feinen Unterschieden zwischen den Versionen des Begräbnisses. Fügt sich das wirklich alles auch nach der sechsten Folge noch passend ineinander? Wie sehen bekannte Szenen aus anderen Perspektiven aus? Wer redet alles hinter dem Rücken an anderen Sets über wen? Und behalten alle die Fassung, wenn ein Kollege mit einer spontanen Idee überrascht? Es ist gut, dass die ARD die Serie ab dem 25. Januar gleich komplett in die Mediathek hochlädt – denn es lohnt sich, die sechs Episoden in kurzer Zeit hintereinander wegzugucken. Im linearen Programm wird das gelungene, erfrischend andere Format leider gut versteckt.

„Das Begräbnis“ läuft im Ersten ab heute immer jeweils dienstags ab 22.50 Uhr.

[Fabian Nitschmann]

Bildquelle:

  • df-das-begraebnis: ARD
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