Netflix-Start: Der Tag danach

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Bildqualität, Funktionen, Filmanzahl: Wir machen den Test und vergleichen die Bildqualität und Datenrate des Streaminganbieters mit der einer Blu-ray Disc. Zudem haben wir Blockbuster und Serien auf Smartphones, Tablets, Computern und Flachbildfernsehern abgerufen. Dabei läuft schon vieles rund, einiges muss aber noch optimiert werden und im Vergleich zur Konkurrenz fällt das Portfolio noch eingeschränkt aus.

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Um es gleich vorwegzunehmen: Netflix ist nicht der Heilsbringer im Video-on-Demand-Bereich, denn trotz immensem Kapital muss sich auch der Streaminggigant hierzulande den medienrechtlichen Gegebenheiten beugen und so fällt das Film- und Serienangebot (noch) sehr übersichtlich aus. Im Grunde war es für Netflix aber auch unmöglich dem Hype standzuhalten und die immens hohen Erwartungen zu erfüllen. Doch Netflix spielt nach eigenen Angaben auf Zeit und dank der internationalen Präsenz und Dominanz, könnte unzähligen Anbietern in der in Deutschland stark fragmentierten VoD-Landschaft bei kommenden Verhandlungen über die Nutzungsrechte die Puste ausgehen. Aber wie schlägt sich der Service in der Praxis und kann die Bildqualität mit der einer Blu-ray Disc mithalten?

Ernüchternd: Von vier Stichproben im Filmbereich waren nur drei verfügbar und davon lief nur der Film „21 Jump Street“ auf allen Endgeräten in HD-Auflösung (siehe Vergleichstabelle unten). Dabei setzt Netflix auf 1920 x 1080 Bildpunkte. Die Wiedergabe startet übrigens in der Regel nur mit einer minimalen Verzögerung, postwendend verstreichen im Schnitt aber rund 40 Sekunden, bis der Film in der vollen HD-Auflösung erstrahlt. Vorbildlich: Nutzen Sie das Angebot am Computer über einen Browser, können Sie die Videowiedergabe alternativ auch über HTML5 anstatt das Silverlight-Plug-in von Microsoft realisieren. Diesen Punkt finden Sie in den Wiedergabe-Einstellungen Ihres Kontos.

Die Bildqualität kann man getrost als sehr gut bezeichnen, auch wenn Netflix im Durchschnitt nur mit etwa 4 Megabit die Sekunde (Mbit/s) streamt; was wiederum potenzielle Zuschauer mit schwachen Internetleitungen freuen dürfte. Auf einer Blu-ray Disc liegen Filme in der Regel mit rund exorbitanten 25-30 Mbit/s vor. Der direkte Vergleich muss aber nicht gescheut werden. Davon können Sie sich hier anhand von zwei Screenshots des Films „21 Jump Street“ von der Blu-ray-Disc- und Netflixversion selbst überzeugen. Fahren Sie mit der Maus über das Bild, sehen Sie die gestreamte Version. Das Bild von der Blu-ray Disc erscheint im direkten Vergleich schärfer, achten Sie vor allem auf die „Peach Schnapps“-Flasche rechts unten von der Bildmitte, und auch der Kontrast erscheint knackiger. Dennoch eine beachtliche Leistung für eine derartig geringe Datenrate. Andere VoD-Anbieter spielen im Teilbereich der Bildqualität übrigens auf Augenhöhe. Erfreulich: Die HD-Qualität fällt auf allen von uns getesteten Endgeräten (iPhone, iPad, Computer, Flachbildfernseher) gleich aus.
 
Doch Netflix kann noch mehr und stellt schon jetzt Inhalte in UHD-Auflösung mit 3840 x 2160 Bildpunkten zum Abruf bereit; darunter fällt etwa die eigens produzierte Serie „House of Cards“. Der Abruf gelingt aktuell aber nur mit einigen aktuellen UHD-Flachbildfernsehern, die den neuen HEVC-Codec decodieren können. Darunter fallen etwa Geräte von Samsung. Leider konnte das uns derzeit zur Verfügung stehende UHD-Gerät der 7200er Reihe keine Verbindung zu den Netflix-Servern aufbauen. Netflix zufolge benötigt man für das Streaming derartiger Inhalte eine Internetanbindung mit 25 Mbit/s. Das ist üppig bemessen, im Gegenzug soll die Masse an Pixeln aber auch mit einer Farbtiefe von 10 Bit, die Blu-ray kommt auf 8 Bit, und mit bis zu 60 Vollbildern die Sekunde (Blu-ray 24 Vollbilder die Sekunde) beeindrucken. Vorbildlich: Filme und Serien liegen in der Regel auch mit dem Originalton und Untertiteln vor. Bei einigen Animeserien, etwa „Blue Excorcist“, können Sie sogar auf die japanische Tonspur umschalten.

Auf allen anderen von uns getesteten Endgeräten lief der Stream hingegen tadellos und Netflix kann sich in Bezug auf die technischen Gegebenheiten beim Start durchaus auf die Schulter klopfen. Eins ist uns aber noch aufgefallen: Auf einem Sony-Fernseher kam man nach dem Aufruf der Netflix-App nicht mehr in die Bildeinstellungen. Zum Glück wurden diese von der Quelle übernommen, aus der die App aufgerufen wurde und in unserem Fall erstrahlte das Bild dann im kalibrierten Bildmodus. Praktikabel: Pausieren Sie einen Stream etwa am Computer, wird dies in Ihrem Account gespeichert und bei Bedarf wird die Wiedergabe am Smartphone an der Stelle nahtlos fortgesetzt. Eine Downloadfunktion für die Offlinenutzung wäre noch wünschenswert. Aber mal schauen, was die Kooperation mit Vodafone noch zutage fördert.

Technisch ist also alles im grünen Bereich, bei den Inhalten muss der Anbieter aber noch kräftig nachlegen. So findet man derzeit rund 900 Filme, die alle mindestens drei Jahre alt sind, und knapp über 200 Serien im Portfolio vor. Zum Vergleich: Amazon Prime Instant Video lockt mit etwa 2000 Filmen und 900 Serien. Dazu gesellt sich noch ein großes Pay-Per-View-Angebot (rund 8000 Filme und 2500 Serien), die im Einzelabruf zum Ausleihen in HD-Auflösung für rund 5 Euro zur Verfügung stehen. Darunter finden Sie auch aktuelle Blockbuster wie etwa „Spider-Man 2: Rise of Electro“. Auf brandneue Hollywoodstreifen müssen Sie bei Netflix hingegen komplett verzichten. Dafür lockt der Service exklusiv mit der „From Dusk Till Dawn“- und „Fargo“-Serie und in naher Zukunft soll auch die „Batman“-Prequelserie „Gotham“ bei dem Anbieter starten.

Die Bedienung geht auf allen Plattformen gut von der Hand und neben hübschen und übersichtlichen Menüs kann auch die flinke Suche überzeugen. Darüber hinaus macht der Empfehlungsalgorithmus einen guten Job und während des Tests wurden wir mit wirklich brauchbaren Vorschlägen versorgt. Praktisch: Mit einem Account können Sie vier Nutzerprofile mit jeweils eigenen Empfehlungen usw. anlegen und in der größten Abostufe kann der Service auf vier Geräten parallel genutzt werden. Natürlich ist auch ein Jugendschutz aktiv und ein Kinderkonto filtert Inhalte automatisch. Eine Facebook-Anbindung kann übrigens optional genutzt werden.

Netflix macht auf jeden Fall schon vieles richtig, der Anbieter muss jetzt aber erstmal vor allem sein Portfolio ausbauen und die Inhalte stringent auf allen Plattformen in HD-Auflösung zur Verfügung stellen. Die eingangs schon erwähnte Finanzkraft und der daraus resultierende lange Atem könnten derweil schon bald erste Opfer im VoD-Bereich einfordern und etwas Ordnung in den fragmentierten Markt bringen. Auch wenn der Dienst dem Hype nicht gerecht wird, hatten wir viel Spaß bei der reibungslosen Nutzung und blicken positiv in die VoD-Zukunft mit Netflix.
 
Update: Ein Leser (danke Eifelquelle) wies uns darauf hin, dass die Stichproben „Toy Story“, „Breaking Bad“ und „Thor“ nur am Computer nicht in HD verfügbar sind. Auf einem Smart TV wird hingegen auch hochauflösend gestreamt. Text und Tabelle wurden entsprechend angepasst.

*nur kaufbar
**Leihgebühr
***kein HD am Computer[Dennis Schirrmacher]

Bildquelle:

  • Inhalte_Fernsehen_Artikelbild: Destina - Fotolia.com
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57 Kommentare im Forum

  1. AW: Netflix-Start: Der Tag danach Der Tag danach, die Woche danach, der Monat danach, das Jahr danach, habe ich noch was vergessen? So langsam nervt das hier.
  2. Und dass man auch täglich mehrmals gezwungen wird diese Seite hier aufzurufen! Und nicht genug, man muss auch zwingend jedes Thema welches einem nervt ebenfalls noch aufrufen. Nicht genug... auch ein Kommentar wird noch verlangt!! Mein Mitleid hast du...
  3. Hauptsache, ihr sucht für eueren Vergleich HBO-Titel bei Netflix - und beschwert euch dann, dass die Titel bei Netflix fehlen. Um den Wahnsinn perfekt zu machen, müsstet ihr eigentlich auch noch konsequent die Netflix-Originals in allen VoD-Portalen auf Verfügbarkeit prüfen. Und Netflix als IPTV-Dienst zu bezeichnen, wie ihr es gestern getan habt, geht ja mal gar nicht klar, ihr TV-Profis! Liebe Redaktion - ihr habt euch echt schonmal fachkundiger gegeben. Ich bin enttäuscht.
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