Politiker schießt gegen ARD/ZDF: Boulevard und Verschwendung

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Der Chef der sächsischen Staatskanzlei, Johannes Beermann (CDU), will ARD und ZDF durch eine neue Mediengesetzgebung zum Sparen zwingen. In einem vertraulichen „Zielpapier“ schlägt er vor, genau festzulegen, was nicht zum Kernbereich des öffentlich-rechtlichen Auftrags gehört.

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Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zitierte am Wochenende aus dem für die „Arbeitsgruppe Beitragsstabilität“ der Ministerpräsidenten erarbeiteten Papier. Der sächsische Politiker hält den Schritt für notwendig, weil sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland in einem „schleichenden Prozess der Selbstkommerzialisierung“ befinde. Das Programm unterscheide sich nur noch „graduell“ von den seitens der öffentlich-rechtlichen Verantwortlichen häufig kritisierten Angeboten der privaten Konkurrenten.

Als Beispiele führte Beermann dem Bericht zufolge die „kommerzielle Machart“ der Boulevardmagazine, die „Boulevardisierung von Nachrichtensendungen“ und die „Mobilisierung hoher Beträge für Spitzenmoderatoren (z. B. Günther Jauch) und Sportrechte (Fußball, Boxen)“ auf. Auch gingen „Talkshow-Schienen zu Lasten von Dokumentationen“. Das alles gebe „Anlass zu Bedenken“.  Von den Sendern selbst sei keine Kurskorrektur zu erwarten.

Der CDU-Politiker rüffelte, in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten hätten sich – etwa beim Erwerb von Sportrechten und der Rekrutierung von Spitzenpersonal – Strukturen gebildet, „die sich durch hohe Budgets und ein damit einhergehendes besonderes Prestige für die dort beschäftigten Mitarbeiter“ auszeichneten. „Die entscheidenden Schritte müssen deshalb von außen kommen.“

Beermann schlug weiter vor, dass die Länder bis zu zehn Unterarbeitsgruppen bilden sollen. Ob es dazu wirklich kommt, ist offen: „Wir diskutieren das Papier“, sagte der nordrhein-westfälische Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) gegenüber dem „Spiegel“. „Aber es gibt keinen Grund, die Sache durch noch mehr Arbeitsgruppen aufzublähen“.
 
Zuletzt hatte die Entscheidung der ARD für massive öffentliche Kritik gesorgt, die Verhandlungen zum Erwerb der Senderechte für die beiden kommenden Leichtathletik-WMs wegen der vom Vermarkter geforderten 12 Millionen Euro auszusetzen, wenige Tage später aber einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem Boxpromoter Sauerland im Volumen von 54 Millionen Euro abzuschließen (DIGITAL FERNSEHEN berichtete).
 
 [ar]

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35 Kommentare im Forum

  1. AW: Politiker schießt gegen ARD/ZDF: Boulevardisierung und Verschwendung Das Papier ist also vertraulich, dann geht es wohl eher darum die ÖRs zu schwächen. Unabhängig davon kann man durchaus darüber reden ob Sport bei den ÖRs gezeigt werden muss, ob Brisant und ähnlicher Schwachsinn dazu gehört.
  2. AW: Politiker schießt gegen ARD/ZDF: Boulevardisierung und Verschwendung Angesichts der demographischen Entwicklung des Landes und des absehbaren drastischen Gebührenzahlerrückgangs ist eine solche Diskussion über das Wesentliche durchaus angebracht. Der "Grundversorgungs"-Begriff gehört endlich auf den Tisch. Eine breite öffentliche Diskussion ist angebracht, wollen die letzten verbleibenden Gebührenzahler 2025 nicht ins unerträgliche geschröpft werden. Daß genau so eine Diskussion von den Rundfunkanstalten nicht gern gesehen ist, beschreibt ja schon der Artikel. Weiter in die Öffentlichkeit und in noch mehr Gremien haben will man das Thema aber trotzdem nicht (Marc Jan Eumann (SPD)). Das wundert kaum, es könnten ja auch Gedanken aufkommen, einmal darüber nachzudenken, wieviele wohldotierte Politiker- und Gewerkschafter-Sesselchen in den verschiedenen Gremien eigentlich entbehrlich wären. Der Grundversorgungsbegriff ist hier leider bei manchen ziemlich mißverstanden worden, wenn man da vor allem an die Versorgung alter Seilschaften denkt.
  3. AW: Politiker schießt gegen ARD/ZDF: Boulevardisierung und Verschwendung Ich kann dir verraten was rauskommt, am Ende dürfen keine Politiker mehr kritisiert werden, und alle Berichte über Politik müssen einer Komission zur Genehmigung vorgelegt werden, etwas anderes interessiert die Politiker nicht. Denen ist es doch egal wieviel Geld die Sender ausgeben, oder welche Sportrechte die davon kaufen, die stört es nur wenn Gutti fällt, und Landtagswahlen verloren werden weil im Fernsehen vorher berichtet wird dass aus Versehen mal einer die Wahrheit gesagt hat, und das Atomkraft Risiken enthält die nicht abschätzbar sind. Ich kann dir sagen was unsere Politiker stört, ihnen fehlt es zunehemend an Einfluss auf die Sender. Da berichten die doch glatt seit Wochen negativ über die Atomkraft, sowas geht nicht. Das muss in Zukunft verhindert, bzw. gelenkt werden.
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