„Super Nanny“ wird eingestellt – Saalfrank macht RTL Vorwürfe

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Katia Saalfrank, die für RTL als „Super Nanny“ im Einsatz ist, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kölner Privatsender. In einer internen Mail an Verantwortliche soll sie sich nach Medienberichten über extreme Eingriffe in ihre pädagogische Arbeit beschwert haben. Am Samstag verkündete der Sender das Aus für die Sendung nach sieben Jahren.

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„In meine Arbeit als Fachkraft in diesem Format wurde extrem … und teilweise sogar gegen pädagogische Interessen eingegriffen“ zitierte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Samstag aus einem entsprechenden Schreiben. Die 40-Jährige habe dem Sender darin außerdem vorgeworfen, dass die erzieherischen Inhalte in der laufenden Staffel massiv in den Hintergrund gedrängt worden seien. Sie sei nicht bereit, sich mit ihrer Sendung dem Trend des Marktes hin zu gescripteter und mithin inszenierter Realität anzuschließen.

Auf Anfrage des „Spiegel“ erklärte ein Sprecher von RTL, man habe weder pädagogische Inhalte in den Hintergrund gedrängt noch extrem in die Arbeit Saalfranks eingegriffen. Allerdings bestätigte RTL-Bereichsleiter Markus Küttner, Bereichsleiter Comedy & Real Life, am Wochenende die Einstellung der „Super Nanny“ nach sieben Jahren. Die Mitte November ausgestrahlte Folge sei die letzte gewesen.

„Trotz noch immer respektabler Quoten sind wir unübersehbar in einer Reifephase angekommen. Wir haben daher gemeinsam mit Katia Saalfrank beschlossen, keine neuen Folgen mehr zu produzieren“, wischte er Berichte über Unstimmigkeiten mit der Moderatorin vom Tisch. Katia Saalfrank habe das Format „über die Jahre zu ihrem eigenen gemacht und durch ihre Vorstellungen weiterentwickelt“. Dabei habe ihr Engagement über das professionelle Maß hinaus immer auch insbesondere den Interessen der Kinder und Familien gegolten, sagte Küttner.

Saalfrank selbst wurde in der Pressemitteilung eher harmonisch und frei von Kritik zitiert: „Ich habe viele große und kleine Menschen getroffen, die mich beeindruckt haben und unzählige Erfahrungen machen dürfen. Ich bitte die Fans der Sendung um Verständnis für die Entscheidung. Die Sendung hat dazu beigetragen, dass zunehmend akzeptiert wird, sich Beratung zu holen. Ich freue mich darüber, denn das ist ein Teil meines Anliegens“.
 
Einen kritischen Nachklapper in Richtung RTL teilte das Gesicht der Sendereihe trotzdem aus: „In meiner TV-Arbeit sind mir Authentizität undNachhaltigkeit wichtig und ich bin dankbar, dass wir mit ‚Die SuperNanny‘ über Jahre hinweg ein erfolgreiches nicht gescriptetes RealityFormat etabliert haben, das mit meinen Idealen im Einklang war“, ließ sie auch in ihrem offiziellen Statement kritische Zwischentöne anklingen.

Mit 145 Folgen seit dem 19. September 2004 ist „Die Super Nanny“ das dienstälteste Coaching-Format im deutschen Fernsehen. Die erste Staffel erreichte im Durchschnitt 24,1 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Die abgelaufene Staffel erzielte einen durchschnittlichen Marktanteil von 17,2 Prozent. 
 
In der Vergangenheit hatte es wiederholt Irritationen um die RTL-Reihe gegeben. In einem offenen Brief an RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel forderte derDeutsche Kinderschutzbund im Oktober sogar die sofortige Absetzung der Doku-Soap. Wiederholt seien Kinder im Rahmen der Sendung in hilflosenund erniedrigten Situationen zur Schau gestellt worden (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete). Auch die deutschen Medienhüter hatten sich an dem Format gerieben und nach zahlreichen Bußgeldverfahrenzuletzt sogar einen Musterprozess vor dem Bundesverfassungsgericht angedacht.[dpa/ar]

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67 Kommentare im Forum

  1. AW: "Super Nanny" wird eingestellt - Saalfrank macht RTL Vorwürfe Ist da etwa jemand aufgewacht und hat nach 7 Jahren tatsächlich gemerkt was für ein Schund da produziert wurde?
  2. AW: "Super Nanny" wird eingestellt - Saalfrank macht RTL Vorwürfe Frau Saalfrank soll aufhören zu Jammern. Sie ist es selbst schuld, wenn man sich auf solche Formate bei Krawallsendern wie RTL einlässt.
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