[Update] Neue Diskussion um öffentlich-rechtlichen Jugendkanal

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender haben zu viele Spartenkanäle, kümmern sich aber zu wenig um die Jugend. Das jedenfalls kritisiert der Mainzer Staatskanzleichef Martin Stadelmaier und mahnt Änderungen an. In der ARD findet er Gehör.

Ein öffentlich-rechtliches Fernsehprogramm für Jugendliche in der Verantwortung der ARD hat der rheinland-pfälzische Staatskanzleichef Martin Stadelmaier (SPD) gefordert. Im Gegenzug sollten Angebote wie die Digitalkanäle Eins Festival und Eins Extra aufgegeben werden, sagte er am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

„Ich halte die große Zahl von Spartenprogrammen, die alle denselben Bereich beispielsweise in Infoangeboten und bei den Kulturprogrammen abdecken, für nicht mehr zeitgemäß“, fuhr er fort. „Gleichzeitig wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinem Auftrag bei der Jugend nicht gerecht.“ Stadelmaier koordiniert die Rundfunkpolitik der Länder.

In den Reihen der ARD stieß Stadelmaiers Vorschlag auf Entgegenkommen – aber nur als gemeinsames Projekt mit dem ZDF. Die ARD-Vorsitzende Monika Piel vom Westdeutschen Rundfunk (WDR), bislang Kritikerin eines eigenständigen ARD-Jugendkanals, hält einen gemeinsames Unterfangen von ARD und ZDF für ein „Gebot der finanziellen Vernunft“. Ihr Amtsvorgänger, Peter Boudgoust vom Südwestrundfunk (SWR), sagte den „Stuttgarter Nachrichten“, Stadelmaier renne bei ihm „offene Türen ein“.Stadelmaier: Arte und 3 Sat stehen nicht zur Disposition

 
An den herausragenden Programmen Arte und 3 Sat wolle er nicht rütteln, betonte Stadelmaier. „Eins Festival und ZDF-Kulturkanal bieten aber im Grunde eine ähnliche Produktnische als Spartenkanäle.“ Weitere Einsparmöglichkeiten sieht er bei Informationsprogrammen wie Eins Extra und ZDF-Infokanal, da Phoenix dieselbe Zielgruppe habe. „Die Kanäle bedienen im Wesentlichen die gleiche Schiene.“

Das neue Jugendprogramm für 14- bis 25-Jährige sollte laut Stadelmaier die Lücke zwischen dem Kinderkanal Kika und ZDF Neo schließen. Wegen der großen Kompetenz mit Jugendsendern im Hörfunk – wie Fritz oder N-Joy – habe die ARD dafür eine Basis, die das ZDF nicht habe. „Das ist eine Aufgabe der ARD, dort ist dafür große Kompetenz vorhanden“, betonte Stadelmaier. „Derzeit gibt es im Fernsehen für Jugendliche und Heranwachsende eine große Lücke bis zu ZDFneo, das hervorragend angelaufen ist.“

Piel sagte, dass sich die ARD jüngst mit dem Thema Jugendkanal befasst hätte. „Einen eigenen ARD-Jugendkanal halten die Intendantinnen und Intendanten allerdings aus Kostengründen für nicht realisierbar“, teilte sie in Köln auf dpa-Anfrage mit. „Aus diesem Grund wäre ein gemeinsamer Jugendkanal in Partnerschaft mit dem ZDF ein Gebot der finanziellen Vernunft.“Kein Königsweg – Maßnahmenbündel ebnet Weg zur Jugend

 
Um junge Menschen zu erreichen, gebe es keinen Königsweg, dafür sei vielmehr ein ganzes „Maßnahmenbündel“ erforderlich. „Mit dem Ausbau der tri-medialen Angebote in Zusammenarbeit mit den jungen Radiowellen wird zudem dem geänderten Medien-Nutzungsverhalten gerade der jungen Zuschauer Rechnung getragen. Die jungen Wellen der ARD erreichen schon jetzt täglich von montags bis freitags 6,5 Millionen Hörerinnen und Hörer“.

SWR-Intendant Boudgoust sagte den „Stuttgarter Nachrichten“, ein Jugendkanal sei „uns aus finanziellen Gründen nicht möglich gewesen. Ich begrüße daher die Auffassung von Herrn Stadelmaier, dass eine solche Aufgabe so groß und wichtig ist, dass sie nur von ARD und ZDF gemeinsam gelöst werden kann. Wir sollten bereit sein, unsere Programmangebote zu überprüfen und jeweils einen Digitalkanal von ARD und ZDF dafür aufzugeben“. Boudgoust hatte sich bereits in der Vergangenheit für ein Jugendangebot der Öffentlich-Rechtlichen stark gemacht.

Nach den Vorstellungen Stadelmaiers sollten in dem Programm unter anderem die Themen Musik, Mobilität, Unterhaltung und Familie aufbereitet werden. „Es gibt viele Themen für junge Frauen und Männer, die kaum vorkommen“. Dabei könnten Fernsehen, Radio und Internet intelligent verbunden werden. [Rolf Westermann/ar]

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28 Kommentare im Forum

  1. AW: [Update] Neue Diskussion um öffentlich-rechtlichen Jugendkanal Ich finde nicht dass ARD und ZDF zuviel Spartenkanäle haben. Wenn ein solcher Kanal starten soll, dann bitte - nach der Analogabschaltung - im nächsten Jahr. Und dann bitte mehrere, wie einen Sportkanal oder einen Nostalgiekanal, der Archivschätze aus früheren Jahren wieder auf den Bildschirm bringt. Und: da es keinen halbwegs vernünftigen Musikkanal mehre im Free-TV gibt, wäre es auch geboten wenn die ARD da mal tätig wird.
  2. AW: [Update] Neue Diskussion um öffentlich-rechtlichen Jugendkanal hallo, würde ich bei kalle unterschreiben. mfg
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