Überblick: Das läuft jetzt in den Kinos

1
4233
© nyul - Fotolia.com
© nyul - Fotolia.com

Nach wochenlangen Schließungen dürfen die ersten Kinos wieder öffnen. Doch welche Filme sind dann zu sehen? Meist greifen die Häuser auf Werke zurück, die kurz vor der Corona-bedingten Pause angelaufen waren. Dazu gehören Hollywood-Produktionen und Arthouse-Filme, Komödien und Dramen, Action und kindgerechte Unterhaltung. Ein Überblick über die Filme, die man nun wohl wieder anschauen kann:

„La Vérité“

Der Japaner Hirokazu Kore-eda zählt zu den großen Regisseuren des derzeitigen Arthousekinos. Mit seinem berührenden Drama „Shoplifters“ über eine Patchwork-Familie gewann er 2018 beim Filmfest Cannes sogar die Goldene Palme. Nun drehte der Regisseur zum ersten Mal einen Film außerhalb seines Landes – mit den Stars Catherine Deneuve, Juliette Binoche sowie Ethan Hawke. 

„La Vérité – Leben und Lügen lassen“ spielt in der Pariser Villa einer Filmdiva (Deneuve). Ihre Tochter (Binoche) ist mit ihrem Mann (Hawke) aus New York angereist, um einen Blick in die gerade erschienenen Memoiren der Mutter zu werfen. Dass diese es nicht so genau nimmt mit der Wahrheit, führt zu einigen Spannungen. Kore-eda beweist dabei erneut einen feinen Sinn für Humor und Ironie. Etwa, wenn er die – großartig spielende – Diva Deneuve sagen lässt: „Ich hätte beinahe mit Hitchcock gedreht, leider ist er vorher gestorben“. 

(La Vérité, Frankreich/Japan 2019, 106 Min., FSK ab 0, von Hirokazu Kore-eda)

„Perfekte Kandidatin“

Schon mit ihrem eindringlichen Drama „Das Mädchen Wadjda“ berührte die saudi-arabische Regisseurin Haifaa Al Mansour die Kinozuschauer. Darin erzählte sie von einem Mädchen, das darum kämpft, Fahrrad fahren zu dürfen. Auch in ihrem neuen Film stellt die Filmemacherin den Kampf von Frauen in der arabischen Welt um Gleichberechtigung in den Mittelpunkt: In der deutschen Koproduktion „Die perfekte Kandidatin“ möchte eine junge Ärztin in Saudi-Arabien bei den Kommunalwahlen antreten. Doch das ist in der von Männern dominierten Welt alles andere als einfach.

Regisseurin Haifaa Al Mansour offenbart dabei eine in Traditionen und strikten Rollenbildern verhaftete Gesellschaft, in der Frauen grundlegende Rechte abgesprochen werden. Sie dürfen zwar mittlerweile Auto fahren, doch letztendlich sind sie abhängig von ihren Vätern, Brüdern, Ehemännern. Deswegen geht es in „Die perfekte Kandidatin“ auch nicht so sehr um den großen, gesellschaftsumwälzenden Umbruch. Es sind vielmehr die kleinen Erfolge, die Maryam und die Frauen um sie herum einen Schritt nach vorn bringen.

(Die perfekte Kandidatin, Saudi-Arabien, Deutschland 2019, 105 Min., FSK ab 0, von Haifaa Al Mansour)

„Die Känguru-Chroniken“

Immer die Klappe aufreißen – das Känguru ist nicht zu stoppen. Die Bücher von Marc-Uwe Kling genießen Kultstatus. Nun klopft das kommunistische, vorlaute Känguru mit Hang zur Anarchie seine frechen Sprüche wieder im Kino, im Film „Die Känguru-Chroniken“, ein kurzweiliges Werk mit Rosalie Thomass, Henry Hübchen und natürlich dem Känguru höchstpersönlich.

Zur Beruhigung für alle Fans, die das Känguru aus dem Radio, von Lesungen und Hörspielen im Ohr haben: Die Stimme des Beuteltiers ist dieselbe. Auch sonst ist vieles vertraut. Die Sucht des frechen Kängurus nach Schnapspralinen und die Selbstverständlichkeit, mit der es sich über Wünsche und Gefühle der Menschen nonchalant hinwegsetzt. Das wird in dem Film von Regisseur Dani Levy („Alles auf Zucker!“, „Mein Führer“) schon gleich zu Beginn klar. Und weil das Känguru nicht die Klappe hält und sich überall einmischt, geht es bald rund. 

Kling selbst hat das Drehbuch geschrieben und dafür die vielen kurzen Episoden seines ersten Buches zu einer Geschichte zusammengefügt, die gespickt ist mit Zitaten aus Filmen, allen voran mit Bud Spencer und Terence Hill. Vor allem aber ist das Känguru umwerfend selbstbewusst und gnadenlos ehrlich, so wie Kinder. Ohne Rücksicht posaunt es seine Ansichten in die Welt hinaus. 

(Die Känguru-Chroniken, Deutschland 2020, 93 Min., FSK ab 0, von Dani Levy)

„Systemsprenger“

Die neunjährige Benni ist wütend. Extrem wütend. Sie schreit und tobt, ihr Kopf ist rot vor Anstrengung. Doch sie hört nicht auf, sondern schmeißt schließlich noch ein großes Spielzeugauto gegen die Eingangstür. „Keine Sorge, das ist Sicherheitsglas“, beruhigt ein Pädagoge dahinter sich und andere. Aber Benni ist so in Rage, dass sie das Bobby Car voller Wucht durch die Luft wirft – und das Glas doch zerspringt.

Es sind Szenen wie diese, die einem noch länger in Erinnerung bleiben aus „Systemsprenger“, dem bemerkenswerten Debütfilm von Nora Fingscheidt. Die Regisseurin erzählt darin von einem schwer erziehbaren Mädchen, das von seiner Mutter weggegeben wurde und von einer Pflegeeinrichtung zur nächsten gereicht wird. Damit gewann Fingscheidt bereits zahlreiche Preise – kürzlich kamen acht Auszeichnungen für das Drama beim Deutschen Filmpreis dazu, darunter die Goldene Lola für den besten Spielfilm.

(Systemsprenger, Deutschland 2019, 125 Min., FSK ab 12, von Nora Fingscheidt)

„Knives Out“

Ein riesiges Herrenhaus, ein Krimiautor mit aufgeschlitzter Kehle und seine schrägen Familienangehörigen, die alle guten Grund hatten, den eigenwilligen Patriarchen Harlan Thrombey ins Jenseits zu befördern. Mittendrin in diesem Schlamassel – im Stil eines Agatha-Christie-Krimis – thront ein selbstgefälliger Ermittler, der den mysteriösen Tod aufklären will. War es Mord oder Selbstmord? Für das Publikum ist es ein helles „Whodunit“-Vergnügen zum Miträtseln: Wer hat’s getan? Hinzu kommt ein hochkarätiges Ensemble: James-Bond-Darsteller Daniel Craig ist genauso dabei wie Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Toni Collette, Don Johnson, Michael Shannon und Ana de Armas.

(Knives Out – Mord ist Familiensache, USA 2019, 131 Min., FSK o.A., von Rian Johnson)

„Chaos auf der Feuerwache“

Eigentlich sind Feuerwehrmann Jake Carson und sein Team hart im Nehmen. Sie sind Profis, die wissen, wie sie mit extremsten Situationen umzugehen haben. Bei einem Einsatz aber kommen sie dann doch an ihre Grenzen: Die Feuerwehrmänner müssen drei Geschwister retten – doch als deren Eltern nicht auffindbar sind, werden die Retter auch noch zu Babysittern. Es kommt, wie es kommen muss: Die Kinder stellen das Leben der Firefighters ordentlich auf den Kopf, privat und beruflich. Die Hauptrolle des Jake Carson hat John Cena übernommen, der als Wrestler weltweite Erfolge feierte und nun den muskelbepackten Babysitter spielt. Regie bei dieser überdrehten Komödie führte Andy Fickman („Der Kaufhaus Cop 2“).

(Chaos auf der Feuerwache, USA 2019, 96 Min., FSK ab 0, von Andy Fickman)

„Lassie – Eine abenteuerliche Reise“

Lassie dürfte wohl zu den berühmtesten Hunden der Filmbranche zählen. Sie hat sogar einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Kein Wunder, wurde ihre Geschichte doch unzählige Male verfilmt, fürs Kino ebenso wie fürs Fernsehen. Die «Lassie»-Serie, von 1954 bis 1973 in Kalifornien gedreht, erlangte Kultstatus. Nun kehrt die Collie-Hündin wieder auf die Leinwand zurück. In „Lassie – Eine abenteuerliche Reise“ durchquert sie Deutschland auf der Suche nach ihrem Herrchen, dem zwölf Jahre alten Flo. Die deutsche Produktion von Regisseur Hanno Olderdissen ist prominent besetzt mit Darstellern wie Anna Maria Mühe, Sebastian Bezzel und Justus von Dohnányi.

Sehenswert sind vor allem die Kinder. Nico Marischka, Enkel des österreichischen Darstellers Georg Marischka, zeigt als Flo eine große Bandbreite – mal fröhlich und frech, dann wieder mutlos und traurig. Auch Bella Bading als Priscilla macht ihre Sache gut. Amüsant Justus von Dohnányi: Als gräflicher Butler legt er großen Wert auf Etikette und feinste Umgangsformen und übertreibt es damit immer wieder – zur Freude der Zuschauer. Star ist jedoch Bandit als Lassie, von der Tiertrainerin Renate Hiltl aus der Nähe von Freising.

(Lassie – Eine abenteuerliche Reise, Deutschland 2020, ca. 90 Min., FSK ab 0, von Hanno Olderdissen)

„Trolls World Tour“

Pop, Country, Jazz, Hardrock, koreanischer K-Pop, spanischsprachiger Reggaeton oder Techno: Im turbulenten Animationsfilm „Trolls World Tour“ kommt es zum Machtkampf der Musikgenres. Reißt die Königin des Hard Rock, Queen Barb, die musikalische Weltherrschaft an sich? Oder können alle Musikstile am Ende friedlich nebeneinander existieren? Der Film erschien wegen der Corona-Pandemie zunächst bei Streaming-Portalen wie Sky Store, Amazon Prime Video oder Apple TV und soll nun auch in Kinos zu sehen sein. Die musikalischen Trolls mit ihren bunten Haaren werden auch im zweiten Teil von Prominenten wie den Popstars Mark Forster und Lena Meyer-Landrut gesprochen.

(Trolls World Tour, USA 2020, 94 Min., von Walt Dohrn)

Bildquelle:

  • Kino-Zuschauer-Publikum: © nyul - Fotolia.com

1 Kommentare im Forum

  1. Die ersten zwei Wochen nach der Öffnung könnte das vielleicht noch funktionieren, aber spätestens dann bringt der Nachschub weg.
Alle Kommentare 1 im Forum anzeigen

Kommentieren Sie den Artikel im Forum