„Artemis Fowl“ ist eine Katastrophe bei Disney+

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©The Walt Disney Company Germany
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Nach dem abgesagten Kinostart ist „Artemis Fowl“ nun bei Disney+ zum Streamen verfügbar. Die vergeigte Jugendbuchverfilmung ist allerdings ein gehöriger Schuss in den Ofen!

„Artemis Fowl“ ist eine der Studioleichen, die der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen sind. Eigentlich sollte der Fantasystreifen hierzulande im Juni in den Kinos starten. Doch Disney zog die Reißleine und entschied sich lieber für eine direkte Streaming-Auswertung. Ein cleverer Schachzug, möchte man meinen. Immerhin ist die Fangemeinde der Literaturvorlage von Eoin Colfer groß genug, um vielleicht den ein oder anderen Fan noch zu einem Abo zu bewegen.

Den Betroffenen möchte man mit auf den Weg geben: Einfach tief durchatmen und weitergehen! Vielmehr drängt sich die Frage auf, ob nicht vielleicht selbst das Studio nicht so hundertprozentig hinter dem Resultat steht. Verwunderlich wäre das nicht, denn Kenneth Branaghs Franchise-Auftakt scheitert leider mit Ansage.

Abstruse Geschichte

Man muss die Gedanken ordentlich zusammennehmen, wenn man die völlig konfus zusammengewürfelte Handlung von „Artemis Fowl“ zusammenfassen will. Der titelgebende Artemis ist jedenfalls ein zwölf Jahre altes Super-Genie. Als sein Vater verschwindet, wird Artemis in eine Verschwörung verwickelt. Er entdeckt, dass unter der Erdoberfläche eine andere Welt voller Elfen, Feen und Zwerge existiert. Mit einer entführten Elfen-Kriegerin will er nun seinen Vater freipressen.

Die Elfen wollen währenddessen ihre verschollene Wunderwaffe zurück. Ein Zwerg, der zu groß für einen Zwerg ist und seinen Unterkiefer monströs ausrenken kann, mischt auch noch mit. Alles klar soweit? Nein? Etwas fehlt noch: Eine finstere böse Gestalt ist ebenfalls hinter der mächtigen Elfenwaffe her. Weil sie einfach böse ist. Und eine Kapuze trägt. Und man bis zum Ende nicht erfährt, wer sich überhaupt darunter verbirgt.

©The Walt Disney Company Germany

Verbranntes Budget

Über 100 Millionen Dollar sind für „Artemis Fowl“ draufgegangen. Zum CGI-Gewitter gesellen sich einige Superstars. Colin Farrell als Fowl-Vater kommt noch glimpflich davon. Er hat nur wenige Minuten Screentime. Josh Gad darf hingegen mit Batman-Stimme ein paar nervtötende Meta-Witze reißen. Und Dame Judi Dench mimt (ebenfalls mit Batman-Stimme) die Elfen-Führerin. Es ist gerade leider übel um Frau Dench bestellt! Vom Katzen-Monstrum in „Cats“ zur spitzohrigen Kommandeurin im grünen Mantel. Von einem grässlichen Film zum nächsten.

Man möchte hinter jede Sequenz in diesem Abenteuerschinken ein großes Fragezeichen setzen. 90 Minuten reichen überhaupt nicht aus, um den Roman adaptieren zu können. Nicht eine Figur wirkt hier ausgearbeitet, die Fantasy-Welt bleibt künstlich, gänzlich unbelebt. Nichts bekommt Raum zum Atmen. Alles wirkt zu gehetzt, jeder Dialog wie reines Instrumentarium, um irgendwie die wichtigsten Infos und Biografien abzugrasen, damit in einem möglichen zweiten Teil dann vielleicht auch mal etwas erzählt werden kann. Ganz zu schweigen davon, dass sich da im Plot eigentlich wenig mehr als altbackenstes Fantasy-Einmaleins finden lässt.

Kern der Vorlage verfehlt

Die Anhänger der Romane kritisieren, dass die Hauptfigur verkehrt wurde. Eigentlich soll dieser Artemis Fowl ein minderjähriger Krimineller sein, ein waschechter Antiheld. Weil Ambivalenzen und Grautöne in der Disney-Welt meist ungern gesehen sind, hat man sich hier dazu entschlossen, seine Weste reinzuwaschen. Zwar darf das anstrengend neunmalkluge Kind Sonnenbrille tragen und etwas fies sein, aber alles braucht hier seine moralische Rechtfertigung. Doch das ist nicht einmal das größte Problem, auch wenn die grundlegende Prämisse der Vorlage damit ohnehin verfehlt ist.

Es ist ein schreckliches Filmuniversum, das man hier zu sehen bekommt. Wenn Figuren aus verschiedenen Welten hier zusammenkommen, dann knallte es. Jeder verfolgt seine eigenen Interessen, Kritik daran findet man kaum. Die Vernichtungswaffe muss natürlich zurück in das hypertechnisierte Cyber-Elfenreich, weil es ja das Böse gibt, das sie angreifen könnte. Fast wie ein pervertiertes Silicon Valley da unten, das im Verborgenen alles manipulieren kann! Die Bewaffnung ist da zwingend notwendig, weil sie für die Elfen das sein soll, was für die Menschen die Sonne ist, wie es im Film heißt.

Zwar dürfen die wenigen zentralen Figuren aus Menschen- und Fabelwelt zum Schluss gemeinsame Sache machen, aber letztendlich bleiben in der finsteren Ideologie dieses Films doch alle fein für sich. Eigentlich ein nationalistischer (Alb-)Traum, der da durchschimmert. Vielleicht kann es ja künftig zu einer Annäherung kommen, immerhin sind noch sieben weitere Romane der Reihe unverfilmt. Wobei, nach diesem seelenlosen Auftakt fällt es schwer, da optimistisch zu sein.

„Artemis Fowl“ ist seit dem 14. Juni bei Disney+ zum Streamen verfügbar.

Bildquelle:

  • artemisfowl2: The Walt Disney Company Germany
  • artemisfowl: ©The Walt Disney Company Germany

51 Kommentare im Forum

  1. Hast du den Beitrag überhaupt gelesen? Die "Katastrophe" bezieht sich auf die filmische Umsetzung des Buches, und wesentlicher Änderungen die an der Story vorgenommen wurden, insbesondere an der Hauptfigur. Ein krimineller Antiheld? Passt nicht zu Disney, also bekommt er eine weiße Weste verpasst. Dieses und weiteres wird kritisiert, und um das zu beurteilen, muss man keine Zahlen kennen, man muss ihn einfach nur gesehen und das Buch gelesen haben. Ob die "Katastrophe" erfolgreich sein wird oder nicht, das wird überhaupt nicht diskutiert.
  2. Ist aber nicht Thema des Beitrags auf der Internetseite..... du hast zwar recht hat hier aber auch wiederum nix zu suchen... Beitrag wirklich gelesen ? Wo schreibt DF dass der Film eine Katastrophe ist auf Grund irgendwelcher Abruf zahlen ? Der "News Beitrag" stellt eher eine Meinung/Kritik des Filmes da, die ist immer Subjektiv und dem Subkejtiven Eindruck des Schreibers nach ist der Film eine Katastrophe, dem ich im übrigen Zustimmen kann.... es wird sich viel zu wenig an die Vorlage gehalten und die Storyline.... ist ein wenig abstrus... Wie kommst du darauf ? Du setzt jetzt voraus dass der Schreiber jeden Film und jede Serie gesehen hat, was ich bezweifeln möchte. Aber die Filme und die Serien die er gesehen hat, über die kann er auch eine Meinung haben. Du hast hier einfach nicht verstanden dass es, wie schon mal erwähnt, eigentlich um eine Kritik/Meinung zu dem Film geht, es wird nirgends gesagt das er wenig oder gar nicht geschaut wird. Ich hab ihn geschaut und war, wie erwähnt, enttäuscht... hätte auf deutlich mehr gehofft was der Film zu bieten hat.
  3. Aber deswegen ist sie nicht falsch, wenn sie wie im Artikel begründet wird. Der Film ist, wenn man die Bücher kennt, eine einzige Katastrophe..... persönliche Meinung,
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