Kommt mit „Foundation“ endlich große SciFi ins Streaming-Programm?

Ein Kommentar von Richard W. Schaber

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© Apple
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Isaac Asimovs Romanzyklus über den Neubeginn einer interstellaren Zivilisation gehört zu den absoluten Klassikern des Genres – ist die Zeit nun endlich reif für brauchbare Adaptionen vermeintlich unverfilmbarer Science Fiction?

Streamingdienste produzieren Serien am Fließband – doch gerade das SciFi-Publikum gilt als besonders schwer zu überzeugen. So wurde die enttäuschende George R. R. Martin-Adaption „Nightflyers“ schnell wieder eingestampft und auch die „Star Trek“-Serien „Discovery“ (Netflix) und „Picard“ (Prime) hinterließen beim Publikum gemischte Gefühle.

Warum also nicht nochmal die Verfilmung von wirklich großem Romanstoff wagen? Schließlich bringt „Arrival“-Regisseur und SciFi-Hoffnungsträger Denis Villeneuve wohl noch in diesem Jahr eine neue „Dune“-Verfilmung nach dem Klassiker von Frank Herbert ins Kino. An selbigem Stoff haben sich bereits die Kino-Exzentriker David Lynch und Alejandro Jodorowsky die Zähne ausgebissen – letztere Verfilmung verließ niemals das Konzeptstadium. Schade, immerhin sollte sogar der spanische Surrealist Salvador Dalí eine Rolle in der Adaption des cineastischen Enfant Terrible Jodorowsky spielen. Über den an vor Kreativität sprühenden Gigantismus des gescheiterten Filmprojekts ist dann zumindest noch eine Dokumentation entstanden.

Nun könnte allerdings endlich die Zeit für gelungene Umsetzungen großer SciFi-Literatur gekommen sein: Die technischen Mittel sind mittlerweile wesentlich ausgereifter als zu Jodorowskys Zeiten und die als Projektträger infrage kommenden Streamingdienste müssen sich zudem allesamt an Premium-Produktionen wie „The Mandalorian“ von Disney+ messen lassen. So soll Amazon bereits mit der außerirdischen Summe von einer Milliarde Dollar um die Verfilmungsrechte der chinesischen Trisolaris-Reihe von Cixin Liu gebuhlt haben. Nach aktuellem Stand wohl aber erfolglos.

Science Fiction: Das Genre der Totgeburten

Doch auch von weiteren ambitionierten Projekten wie der bereits 2015 angekündigten Syfy-Adaption von Dan Simmons’ gefeierter „Hyperion“-Reihe, in deren Produktion Hollywood-Star Bradley Cooper eine treibende Kraft darstellen sollte, war nach ersten Ankündigungen nichts mehr zu hören. Das ist im Reich der literaturbasierten Science Fiction-Verfilmungen aber kein Ausnahmefall, sondern offenkundig symptomatisch: Die epischen Formate der Erzählungen sind nicht nur für Drehbuchschreiber eine enorme Herausforderung – auch trotz Quantensprüngen der Animationstechnik bleibt die glaubwürdige Umsetzung der futuristischen Welten und Technologien nach wie vor eine kostspielige Angelegenheit.

„Foundation“ birgt sensationelles Potentiall

Nachdem Apple nach einem eher verhaltenen Start seines Streamingdienstes Apple TV+ nun die hochwertige postapokalyptische Serie „See“ als wertiges Original vorlegen konnte, sind die Hoffnungen in das bereits in der Produktion befindliche Projekt „Foundation“ alles andere als unberechtigt. Dafür gibt es gute Gründe: Isaac Asimovs Saga von der Wiedergeburt einer Zivilisation am Rande eines sterbenden Sternen-Imperiums stellt die politischen, philosophischen und psychologischen Aspekte seiner Geschichte in den Vordergrund. Damit sind schier unüberwindbare Hürden wie die komplexen Zusammenhänge der Astrophysik als integrale Bestandteile der Plotentwicklung größtenteils vom Tisch – und die Serie kann potentiell eher durch gelungene Drehbücher und treffsichere schauspielerische Leistungen punkten. Auf ähnlichem Wege überzeugte bereits die Hitserie „Game of Thrones“ ein Publikum weit jenseits der Fantasy-Nischengruppe.

Casting-Details zur Asimov-Adaption sind bereits seit vergangenem Herbst bekannt: Lee Pace, vielen als herrlich-maliziöser Elfenkönig aus Peter Jacksons „Hobbit“-Trilogie in bester Erinnerung geblieben, ist mit von der Partie und der umtriebige britische Charakterdarsteller Jared Harris darf in die Rolle des „Foundation“-Gründervaters und Psycho-Historikers Harry Seldon schlüpfen.

Derzeit liegen die Dreharbeiten für die „Foundation“-Serienverfilmung für Apple TV+ zwar Corona-bedingt auf Eis, doch ist von einer Vollendung des Projekts mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit auszugehen. Während die spitzfindige Science Fiction-Community sich in Zweifeln wiegt, ob Denis Villeneuve mit seiner „Dune“-Verfilmung einen großen Wurf landen kann, oder sich eben wie seine Vorgänger daran verhebt, ist bei der Serienverfilmung von „Foundation“ augenscheinlich etwas mehr Optimismus erlaubt – eine Miniserie ist für die ausufernden Stoffe des Genres auch sicher das dankbarere Format.

Wann die 10 bisher geplanten Folgen von „Foundation“ dann bei Apple TV+ zu sehen sein werden, ist derweil jedoch noch völlig unklar.

Bildquelle:

  • AppleTVplus: © Apple

2 Kommentare im Forum

  1. Wie will man den Stoff mit dem Tausendjahresplan verfilmen? Jede Folge ein neuer Hauptdarsteller? Action dürfte bei originalgetreuer Umsetzung auch nur sehr wenig vorkommen. Ich bin gespannt, grundsätzlich ist Foundation wirklich tolle Science Fiction.
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