ARD-Intendanten haben Degeto-Affäre kommen sehen

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Für die ARD-Intendanten sind die finanziellen Schwierigkeiten der ARD-Produktionsfirma Degeto nicht überraschend gekommen. Bereits im März war den Leitern der Rundfunkanstalten laut Medienberichten bekannt, dass das Budget deutlich überzogen wurde.

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Die Intendanten des Senderverbunds, die gleichzeitig Aufsichtsräte der Produktionsfirma sind, hätten bereits bei der Vorlage des Jahresabschlusses 2010 festgestellt, dass der Produktionsrahmen unter Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan deutlich überzogen worden war, berichtete das Nachrichtenmagazin „Focus“ am Freitag vorab aus seiner kommenden Ausgabe. Während bis lang ein Etat von 250 Millionen Euro jährlich vorgesehen war, habe die Degeto 2010 388 Millionen Euro für die Programmbeschaffung ausgegeben, im Jahr zuvor seien es sogar 426 Millionen Euro gewesen, will das Magazin erfahren haben.
 
Bei der Produktionstochter Degeto sind die Budgets offenbar bis ins Jahr 2013 vergeben worden, so dass das Unternehmen damit nahezu handlungsunfähig ist (DIGITAL FERNSEHEN berichtete). Die Degeto hatte kürzlich die Notbremse gezogen und Produzenten wegen des „erhöhten Programmvorratsvolumens“ auf das Jahr 2014 vertröstet.
 
Hinter vorgehaltener Hand würden nach Angaben des Blattes ARD-Verantwortliche bestätigen, dass neben den Vorwürfen des Misswirtschaft auch geprüft werde, ob Jurgan einzelne Produzenten bevorzugt habe. Auffällig häufig seien vom Degeto-Chef Produktionsfirmen wie Ziegler Film, aber auch die zu Karl Spiehs österreichischem Firmenimperium zählenden Mona, Lisa und Tivoli Film beauftragt worden. Jurgan und der nebenamtliche Degeto-Geschäftsführer Volker Herres wollten sich vor Abschluss des Prüfverfahrens nicht zu den Verdachtsmomenten äußern.

Die Untersuchungskommission der Rundfunkanstalt werde dort weitersuchen, wo der hessische Rechnungshof gerade aufgehört habe, konstatierte das Magazin. Ein Sprecher bestätigte, dass man „die Wirtschaftsführung der Degeto in den Geschäftsjahren 2006 bis 2008 stichprobenhaft geprüft“ und das Unternehmen Ende Mai aufgefordert habe, zu den Ergebnissen Stellung zu beziehen.
 
Auf Grund der Vorwürfe war Geschäftsführer Jurgan im Mai von Bettina Reitz ersetzt worden. Diese sehe sich derzeit „eher als Krisenmanagerin“: „Wir haben akut keinen Skandal, sondern ein konkretes Problem, was es zu lösen gilt“.
 
Der Intendant des Hessischen Rundfunks, Helmut Reitze, hat unterdessen die Leitung einer Prüfgruppe übernommen, deren Aufgabe es ist, Licht in die undurchsichtigen Vorgänge um die ARD-Produktionsfirma Degeto zu bringen. Von der Prüfgruppe wird nun eine „genaue Analyse“ erwartet, aus der eine „gerechte Lösungen und Planungsperspektiven erarbeiten und den Produzenten“ angeboten werde.
 
Die Degeto, an der die ARD-Landesrundfunkanstalten und ihre Werbetöchter beteiligt sind, gibt nicht nur Produktionen in Auftrag, sie finanziert auch Kino-Koproduktionen und kauft Spielfilme aus dem Ausland ein. Dem TV-Publikum ist die Degeto, die 1928 als Deutsche Gesellschaft für Ton und Film gegründet wurde, über ihre Filme ein Begriff: Dazu gehören die Wallander-, die Pfarrer-Braun- und die Donna-Leon-Krimis. Gerügt wird die Firma häufiger für die vielen ARD-Freitagabendproduktionen, die aus der Sicht mancher Kritiker zu seicht sind. [ar]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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