Kampf um die Jugend: Öffentlich-Rechtliche hängen Privatsender bei Social Media ab

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Während sich im linearen Fernsehen die öffentlich-rechtlichen TV-Stationen einen harten Kampf um vor allem die jungen Zuschauer liefern, hängen sie im Internet vor allem im Bereich Social Media die Konkurrenz ab.

ARD und ZDF wird mit Blick auf die Zuschauerzahlen immer wieder vorgeworfen, die Jugend aus den Augen zu verlieren und ihr Programm an der Zielgruppe der unter 49jährigen vorbeizusenden. Schnell wird von Gebührenverschwendung gesprochen. Doch der Blick auf das lineare Fernsehen ist viel zu kurz gegriffen, wie bereits die ARD-ZDF-Onlinestudie 2019 zeigte. Demnach standen schon 2019 die Mediatheken von ARD und ZDF mit 26 Prozent bzw. 25 Prozent Nutzung in der Bevölkerung ab 14 Jahren ganz oben in der Beliebtheitsskala der deutschen TV-Sender. Abgeschlagen waren die Sendergruppen von RTL und ProSiebenSat.1, die lediglich sieben bzw. acht Prozent der deutschen Webnutzer mindestens ein Mal pro Monat auf ihre Mediatheken-Angebote locken konnten.

Tagesschau auch ohne Corona-Krise vorn

Auf den relevanten Social Media-Plattformen Facebook, Instagram, Twitter und Youtube hängen die Öffentlich-Rechtlichen die Privatsender aber noch viel weiter ab, wie die Monitoring-Experten von Storyclash auf Anfrage von DIGITAL FERNSEHEN mitteilten. Dabei werden nicht nur die „Fans“ der Plattformen gezählt, sondern auch, wieviel Interaktionen auf den Plattformen der Anbieter stattfinden. So verbuchte allein das Angebot der Tagesschau im März bei seinen insgesamt 5.274 Postings überwältigende 23,9 Millionen Interaktionen. Selbst in Vor-Corona-Zeiten lag man im Februar mit 4.300 Posts bei 13 Millionen Interaktionen über alle monitorten Plattformen.

Schon fast abgeschlagen landen die Social-Media-Aktivitäten von RTL auf dem dritten Platz hinter dem ZDF (11 Mio. Fans, 8.500 Posts, 12,6 Mio. Reaktionen). Zwar verzeichnet der Kölner Privatsender stattliche elf Millionen Interaktionen und damit fast die Hälfte der Tagesschau, musste dafür aber auch über 22.400 Posts absetzen, was mehr als das Vierfache der öffentlich-rechtlichen Anführer ist. ProSieben auf Platz vier hat zwar mit 24 Millionen mehr Fans als alle anderen TV-Angebote unserer Auswahl, verzeichnet aber nur 7,3 Millionen Interaktionen.

Social Media Monitoring März 2020

Monitoring von Öffentlich-Rechtlichen und Privaten im Bereich Social Media

Im Bereich Social Media sind Whatsapp, Facebook und Instagram am relevantesten. Drei Viertel der Bevölkerung (76 Prozent) kommunizieren täglich über WhatsApp, 21 Prozent nutzen Facebook und 13 Prozent Instagram. Dabei weist Instagram unter allen Social-Media-Angeboten die höchste Nutzungssteigerung auf und wird vor allem von unter 30-Jährigen genutzt, weiß die ARD-ZDF-Onlinestudie 2019. Während 59 Prozent der 14-29jährigen und nur 17 Prozent der 30-49jährigen auf der Bilderplattform regelmäßig unterwegs sind, sind es bei Facebook 48 bzw. 46 Prozent in diesen Altersgruppen. Die über 50jährigen sind hier kaum unterwegs, weshalb der Erfolg der Öffentlich-Rechtlichen in diesem Zweig des Internets Beachtung finden muss.

Interessant ist, dass bei der Internetgemeinde mehr die Nachrichtenangebote von den Öffentlich-Rechtlichen hoch im Kurs stehen, dagegen die regulären Social-Media-Aktivitäten auf den hinteren Rängen platziert sind. So landet in unserem Storyclash-Ranking „Das Erste“ auf Platz zehn und die Aktivitäten von „ARD.de“ nur noch auf Rang 13. Letztendlich sind diese Platzierungen nur der Zersplitterung der drei Marken zuzurechnen, das ZDF packt reguläres Programm und Nachrichten unter ein Dach und erreicht mit dem Angebot „ZDF“ den zweiten Platz.

Der Blick auf die reinen TV-Quoten des linearen Fernsehens ist kein Beleg für eine Akzeptanz der Öffentlich-Rechtlichen in der breiten Bevölkerung. Während die älteren Zielgruppen vorwiegend mit den Programmen über Satellit, Kabel und DVB-T erreicht werden, treffen ARD und ZDF die Jugend im Rahmen ihrer Social-Media-Aktivitäten. Erfreulich ist, dass vor allem die Nachtrichtenangebote auf breites Interesse stoßen und rege interagiert wird.

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1 Kommentare im Forum

  1. Liegt vermutlich daran, dass der Informationsgehalt bei ÖR Sendern höher ist, als bei Privatsendern.
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