So will rlaxx TV den Streamingmarkt erobern – Ein Interview mit den Machern

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© rlaxx TV
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Die Schöpfer der werbebasierten Streamingplattform rlaxx TV haben große Pläne und wollen ein weltweites Publikum für sich gewinnen. Wie genau das funktionieren soll, verrieten die rlaxx-Macher Lutzi und Wittenborg in einem Interview mit DIGITAL FERNSEHEN.

Auch wenn Interviews in Corona-Zeiten häufiger über den Schriftweg oder Videokonferenz ablaufen müssen, sind manche Gesprächspartner von ihren Ideen und Produkten so elektrisiert, dass die Euphorie den digitalen Graben spielend überspringt. Letzteres trifft auch auf Ronny Lutzi (CEO) und Dirk Wittenborg (Präsident) von rlaxx TV zu: Voll knisternder Ambition und Tatendrang schickt sich der neue Streamingdienst an, ein Global Player zu werden. Im Interview umreißen Lutzi und Wittenborg, wie sie ihre großen Pläne auf dem hart umkämpften Streamingmarkt verwirklichen wollen.

  1. Was macht angesichts des großen Marktes an SVOD-Angeboten gerade den Reiz eines AVOD-Angebotes aus?

RL: Mit dem weiterhin wachsenden Angebot von immer mehr SVOD-Diensten wird sich mittelfristig eine Art Überforderung beim Nutzer einstellen. Für viele wird es schlicht nicht praktikabel sein, über mehr als ein SVOD-Abonnement zu verfügen, zumal eine Vielzahl bereits einen Kabelanschluss oder ein IPTV-Abo und einen Musik-Streaming-Dienst nutzen. Wenn man zusätzlich bedenkt, dass die Programme der führenden SVOD-Anbieter recht ähnlich sind, wird das alles für einen einzelnen Haushalt schnell sehr teuer.

Aus Nutzersicht bietet ein werbefinanziertes Angebot daher eine echte Alternative. Das Modell Video gegen Werbung funktioniert seit fast 80 Jahren und ist vor allem in Deutschland bei allen Marktteilnehmern absolut akzeptiert. Wenn wir uns dazu noch mit außergewöhnlichen Premiuminhalten – was wir bei rlaxx TV gerne als Premium Nische bezeichnen – abheben können, schaffen wir einen echten Mehrwert in der Medienlandschaft.

DW: Aber auch aus Sicht der Werbetreibenden sind wir attraktiv. Hier wurde OTT-Big-Screen-Werbung in den letzten Jahren stark vernachlässigt. Die erhöhte Werbeschlagzahl bei YouTube und steigende TKP zeigen allerdings, dass sich dies gerade ändert. Da können wir mit unserem Modell punkten. 

  1. Zugpferde und Highlights: Auf welches Lizenzmaterial darf sich das Publikum besonders freuen?

RL: Im Bereich Musik bieten wir mit VEVO POP einen internationalen Musik-Channel. Hinzu kommt noch Baeble Music als Indie Musiksender. In Sachen Film bieten wir derzeit mit Watch4, Pantaflix und Netzkino drei Kanäle an. Ein großer Name für den deutschen Markt ist der Doku-Sender mit Inhalten von Spiegel TV. Mit Programmen wie HorizonSports, Comedy Dynamics, Wness TV, Gusto TV, Masters of Food oder Televisa Novelas decken wir zudem bereits die Bereiche Sport, Comedy, Lifestyle, Food und Special Interest ab.

  1. Wie sieht das Werbemodell für den Streamingdienst aus und finden die Werbeplätze bereits Anklang?

RL: Wir haben die Möglichkeit, pro Stunde acht Minuten Werbung auszuspielen. IP-basiertes TV hat gegenüber dem klassischen Fernsehen immer den Vorteil des Rückkanals. Im Gegensatz zum klassischen TV können wir nicht nur eine Werbung für alle Zuschauer ausspielen, sondern personalisierte Werbeinhalte für jeden Zuschauer liefern. Das macht unsere Werbung wesentlich genauer und somit lukrativer für den Werbetreibenden. Ein weiterer Vorteil ist: Wir können problemlos auch einen eigenen Fernsehsender nach den Wünschen eines großen Werbepartners erstellen. Wir sind hinsichtlich der Zeit, der Inhalte, der Werbung und der Anzahl der Kanäle absolut flexibel und unabhängig.

DW: Um unser Werbemodell begrifflich einzuordnen, kann man von „interessenbezogener“ Werbung sprechen. Zwar sind wir nicht so feinkörnig wie die vor allem auf Small Screens vorherrschende personalisierte Werbung, aber eben auch viel passgenauer als herkömmliche Massenwerbung im klassischen TV. „Interessenbezogen“ deshalb, weil wir bei der Auswahl der Werbeinhalte berücksichtigen können, welche Programme auf einem Gerät vornehmlich angesehen werden. Jemand der viele Motorsportinhalte schaut, wird sich für andere Produkte interessieren als jemand, der fast ausschließlich den Yoga-Kanal einschaltet. Dieses Wissen können wir unseren Werbepartnern zur Verfügung stellen. Und auch die Zuschauer werden honorieren, dass sie mit passender Werbung angesprochen werden. 

  1. Welche inhaltlichen Kooperationen im Bereich Sport sind für Sie vorstellbar?

RL: Für uns kommen alle lokalen Sportarten in Frage, die im linearen TV nicht stattfinden. Mit Blick auf Deutschland wären etwa Tischtennis oder Volleyball passende Beispiele. Darüber hinaus werden wir versuchen, Inhalte zu lizensieren, die in anderen Ländern sehr beliebt sind, hier aber als Randsportarten gelten. Dazu zählen US-Sportarten wie Baseball oder Lacrosse, aber auch Cricket oder Rugby, die in angelsächsisch geprägten Regionen wie UK, Australien oder Indien sehr beliebt sind. Auch vor Exoten wie dem aus Finnland bekannten Handy-Weitwurf oder Ehefrau-Huckepacktragen scheuen wir nicht zurück. (lacht)

DW: Entscheidend ist, dass derzeit viele TV-Rechte im Bereich Sport über Agenturen an klassische Fernsehsender vermarktet werden. Das Ergebnis sind oft nur kurze Beiträge. Mit rlaxx TV gibt es jetzt die Möglichkeit, größere Sendeplätze zu erhalten – und das ohne den Umweg über Dritte. 

  1. Wann wird die rlaxx TV-App für alle Plattformen verfügbar sein – und wie wird sie es auf Seite eins der Appstores schaffen?

DW: Die App wird bis circa Ende des ersten Quartals 2021 auf allen Plattformen verfügbar sein. rlaxx TV hat den großen Vorteil, auf seiner eigenen Plattform zu starten. Foxxum als Schwesterunternehmen ist nach Samsung die zweitgrößte Plattform in Deutschland. Auch in Großbritannien sind wir mit einem Marktanteil von etwa 25 Prozent gut vertreten. 

Was die prominente Platzierung in den einzelnen Smart-TV-Appstores betrifft, haben wir durch die Zusammenarbeit mit vielen Herstellern in der Vergangenheit sehr gute Kontakte und damit Zugang zu allen relevanten Spielern.

Insgesamt spielt Reichweite für uns in dieser frühen Phase auf dem Markt eine wichtige Rolle. Deshalb werden wir in den kommenden Wochen und Monaten auf immer mehr internetfähigen Geräten verfügbar sein. Auch hier können wir aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz von Foxxum in Sachen App-Entwicklung schöpfen. Das erleichtert uns eine schnelle Einführung auf sämtlichen Geräten enorm.

Darüber hinaus werden wir zeitnah auch in weitere Märkte weltweit expandieren.

Das Interview führten André Beyer und Richard W. Schaber

Bildquelle:

  • rlaxxTV_Ronny-Lutzi: rlaxx TV / Timo Wilke
  • rlaxxTV_DirkWittenborg: rlaxx TV / Timo Wilke
  • rlaxxTV_Bigscreen_OnDemand: © rlaxx TV

4 Kommentare im Forum

  1. Genau, die Leute heutzutage warten sehnlichst darauf, auspioniert zu werden um gezielt beworben zu werden. Was soll man von diesen Leuten halten? Ich persönlich versuche soweit es machbar ist, eine Aktivitätenverfolgung auszuschalten.. Dann ist das wohl kein Stream für mich, der genau darauf bassiert.
  2. Wenn die Werbung erträglich ist, könnte das Modell funktionieren. Gerade für Gelegenheitsgucker. Es gab schon mal so etwas Ähnliches. Hat sich leider nicht gehalten. Hatte keinen eigenen Content.
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