Söder: Hollywood-Filme sind verzichtbar für ARD und ZDF

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Inmitten der Reformbestrebungen der Länder zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zur Rolle von Unterhaltung im Programm von ARD und ZDF geäußert.

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Er sagte in einem am Donnerstag erscheinenden „Zeit“-Gespräch, das mit ihm und der ARD-Vorsitzenden und RBB-Intendantin Patricia Schlesinger geführt wurde, ARD und ZDF müssten Prioritäten setzen. „Zu ihrem Auftrag gehört in gewissem Umfang Unterhaltung – aber nicht alles.“ Der Comedian sei bei einem Privatsender genauso gut aufgehoben wie bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. „Dagegen passt regionale Kultur wie das bayerische Singspiel am Nockherberg nicht in die Programme der Privaten“, ergänzte Söder.

Die Diskussion um Unterhaltung taucht seit Jahren regelmäßig auf, wenn es um Sparpotenziale geht. Häufig definieren dabei viele unterschiedlich, was sie zu Entertainment überhaupt zählen. Die Länder reformieren zurzeit Struktur und Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Einen abschließenden Entwurf gibt es noch nicht. In den bisherigen öffentlichen Debatten dazu ging es auch um die Rolle der Unterhaltung. Der ZDF-Fernsehrat, der die Programmarbeit des Senders beaufsichtigt, forderte etwa, dass diese weiterhin wie bisher ohne zusätzliche Bedingungen Teil des Auftrags bleiben solle.

Welche Sorte Show ist für ARD und ZDF verzichtbar

Söder sagte in dem „Zeit“-Gespräch an anderer Stelle auch: „Vielleicht wäre es besser, statt überall ein bisschen zu knapsen, wenn die ARD die Kraft aufbringt, an die Struktur ranzugehen. Welche Sorte Show ist verzichtbar? Sind etwa große Hollywoodfilme, die man für teure Lizenzen erwerben muss, nicht anderswo besser aufgehoben? Ich glaube, da ist noch einiges an Luft.“

ARD-Chefin Schlesinger antwortete an Söder gerichtet: „Sie wissen so gut wie ich: Strukturfragen sind Machtfragen sind Standortfragen. Unter neun ARD-Anstalten Einvernehmen darüber herzustellen, was künftig nicht mehr stattfinden soll, ist so schwierig wie für Sie unter 16 Ländern.“ Schlesinger betonte auch: „Letztlich muss die Politik Strukturfragen klären, nicht die ARD.“

Lesen Sie hierzu bei Interesse ebenfalls den DIGITAL FERNSEHEN-Artikel „Montagskino-Highlights im April mit King Kong und ‚Mad Max'“.

Bislang steht im Medienstaatsvertrag zum Auftrag der Sender dies: „Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen.“ In Deutschland legen die Länder die Organisationsstruktur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk fest. Um redaktionelle und konkrete Programminhalte geht es nicht. Das liegt in der Hand der Sender selbst – mit Blick auf im Grundgesetz verankerte Pressefreiheit. Bei dem anstehenden Reformschritt geht es auch nicht um den Rundfunkbeitrag, den Haushalte monatlich zahlen – das Thema Finanzierung wird zu einem späteren Zeitpunkt kommen.

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45 Kommentare im Forum

  1. Sowas in der Art kam mir auch gleich in den Sinn. Mir fehlt die Programmstruktur der 80er und 90er von ARD und ZDF schon und sie wird wohl nicht wiederkommen. Ich habe damals als DDR Jugendlicher fast immer das Programm für die kommende Woche mitgeschrieben, da lief doch immer Samstag eine halbe Stunde so eine Programmvorschau. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Da fieberte ich dann immer dem Wochenendprogramm entgegen.Es kamen da fast immer gute, meist amerikanische Filme oder im Sommer im ZDF der Wunschfilm. Das waren noch Zeiten, sogar im Dritten kamen gute Filme. Da erinnere ich mich noch an "Mumien, Monstren, Mutationen" - genial und alles vorbei. Ich würde jetzt dafür auf sämtliche Quizshows bei ARD und ZDF verzichten, die laufen mit Wiederholungen bis zum Erbrechen. Zum Glück gibt es noch das Montagskino im Zweiten und ZDF neo, ansonsten würde es ziemlich öde aussehen.
  2. Ich glaube, das Publikum hätte mehr Freude, wenn das ÖR ein Suder-Söderfreies Programm hätte. Es ist nicht jedermanns Sache, Filme und Musiksendungen permanent mit Werbung und Pling-Einblendungen bis zur Ungenießbarkeit zerstört zu bekommen. Die Akzeptanz des Rundfunkentgelts hängt auch von der Attraktivität der Programme ab, und wenn Söder nur Aschenputtel-Sendungen, die die Primaten nicht wollen, senden darf, kommt sicher bald der Aufschrei, dass man dafür keine Gebühren zahlen wolle.
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