Wie ARD und ZDF die Katar-WM ins Wohnzimmer bringen

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Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger
Foto: SWR/ Christian Koch
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Die Fußballfans sehen während der WM perfekte TV-Bilder. Wie sie entstehen, wissen die wenigsten. ARD und ZDF gewähren einen Blick hinter die Kulissen.

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Das Herz der WM-Berichterstattung schlägt in einem Verschlag aus Sperrholz-Platten. Der Regie-Raum von ARD und ZDF strahlt den rustikalen Charme eines Baumarkts aus. Wo im Inneren keine Bildschirme an der Wand hängen, da ist – genau wie an der Decke – das hölzerne Provisorium zu erkennen. Dass auch das „Hirn“, wie die TV-Leute den technischen Kontrollraum eine Etage tiefer nennen, aus Pressplatten besteht, das dürften die Fußballfans vor dem heimischen Bildschirm während des Turniers in Katar nicht ahnen.

900 Quadratmeter umfasst die Leichtbau-Arena des ARD und ZDF für die WM

Die TV-Zuschauer sehen nicht hinter die Kulissen des Mainzer Lerchenbergs. Sie sehen bewegte Bilder aus Katar und aus dem Studio, das auf der anderen Seite der L426 liegt – und das mit seiner Mischung aus Container und Zelt ebenfalls provisorischen Charakter hat.

„Eine temporär errichtete, rund 900 Quadratmeter große Leichtbau-Arena“ nennen die öffentlich-rechtlichen Sender das Studio, das sie abwechselnd nutzen und jedes Mal ein wenig umbauen – je nachdem, ob etwa Alexander Bommes für die ARD moderiert oder Katrin Müller-Hohenstein für das ZDF.

ARD und ZDF arbeiten unabhängig voneinander, nutzen aber das gemeinsame Studio

In der Technik arbeiten das Erste und das Zweite noch enger zusammen. Im sogenannten Nationalen Broadcast-Center auf der südlichen Seite der L426, gibt es gemischte Teams und gemeinsam finanziertes Hightech-Equipment. Während die Redaktionen journalistisch unabhängig voneinander arbeiten und eigene Etagen haben.

In ähnlicher Form gab es das erstmals bei der WM 2018, als das gemeinsame Sendezentrum beim SWR in Baden-Baden angesiedelt war. Gemeinsame Regie, Technik und Produktion sei „effizient und kostensparend“, wie die Sender in Pressemitteilungen gerne betonen.

Dass ARD und ZDF überhaupt die Spiele der umstrittenen WM in Katar zeigen, begründen die Sender mit dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, über Ereignisse von erheblicher Bedeutung zu berichten. Dazu zähle auch die Fußball-WM. Missstände werde man offenlegen. „Wir schauen besonders genau hin und berichten, was schiefläuft“, teilte das ZDF mit.

42 Kameras und 35 Mikrofone produzieren die Bilder in Katar

Schon bei der bisher letzten EM und den Olympischen Spielen war das Sendezentrum auf dem Mainzer Lerchenberg, wo in diesen Tagen bis zu 47 Feeds aus Katar einlaufen, wie ZDF-Teamchef Christoph Hamm erklärt. Die für alle Sender der Welt gleichen Bilder der Spiele werden vom sogenannten Hostbroadcaster mit bis zu 42 Kameras und rund 35 Mikrofonen produziert. Bei den Spielen der DFB-Auswahl haben ARD und ZDF zusätzlich noch eigene Kameras im Einsatz.

Auf den Dutzenden von Bildschirmen in den Holzverschlägen kommen die Bilder an. Mit der für Laien nicht zu überschauenden Zahl von Reglern, Tasten und Knöpfen werden sie mit Aufnahmen von bis zu acht Kameras aus dem Studio-Container und mit Grafiken zu jenen Bildern zusammengesetzt, die am Ende im heimischen Wohnzimmer ankommen.

Die Telekom berichtet aus einem eigenen WM-Studio

Die Katar-WM ist ein Homeoffice der etwas anderen Art. „85 Prozent der Redaktion ist hier auf dem Lerchenberg“, erklärt ZDF-Teamchef Hamm. „Das ist unsere Basis, dort findet die redaktionelle Arbeit statt.“ Vor Ort arbeiten wie beim Ersten die Reporter und die Korrespondenten. „In Katar sind 20 Personen“, sagt ARD-Teamchef Harald Dietz: „Wir sind da relativ schmal aufgestellt.“

Das gemeinsame Heimspiel auf dem Lerchenberg mache „die Technik möglich. Wir sind im digitalen Zeitalter angekommen“, sagt Hamm. „Das wird sich absehbar auch nicht mehr ändern. Es ist egal, wo man den Knopf drückt. Man hat die technische Zeitverzögerung nicht mehr.“

In etwa 400 Kilometern Entfernung von den Mainzer Holzbauten steht in Ismaning ein zweites WM-Studio. Auf dem Gelände des Dienstleisters Plazamedia produziert die Telekom ihre TV-Berichterstattung in weniger provisorischem Rahmen. Sie zeigt für Kunden alle Spiele, davon immerhin 16 Partien exklusiv. Der ein oder andere aus dem WM-Team auf dem Lerchenberg dürfte nicht nur aus sportlichem Interesse genauer hinschauen.

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25 Kommentare im Forum

  1. Na einer boykottiert die WM ja schonmal nicht: US-Schauspieler Morgan Freeman tritt gerade bei der Eröffnungsfeier auf
  2. Ich bin Fussball Fan und boykottiere es nicht. Warum auch? Ausbeutung gibt es in Deutschland auch und nicht zu knapp!
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