Das unendliche Lizenzen-Meer

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Boxenhersteller stöhnen über Lizenzzahlungen

Dezember 2008 – Was vor drei Jahren auf der Anga Cable begann, ist heutzutage mehr denn je ein Thema für Boxenhersteller. Zu Sisvel und MPEG LA haben sich längst andere Lizenzverwerter gesellt, die ebenfalls die Hand aufhalten. Nicht, dass das nicht gerechtfertigt wäre. Erfindungen müssen geschützt und entsprechend entlohnt werden, wenn sie zum Einsatz kommen. Händler und Hersteller gewinnen jedoch mehr und mehr den Eindruck, dass sie einem Fass ohne Boden gegenüberstehen.

Die Tabelle belegt, wie hoch die Lizenzkosten ausfallen können. Schnell kommen so fünf US-Dollar zusammen. Schätzungsweise machen Lizenzkosten zwischen 20 und 40 Prozent am Endkundenpreis für einen FTA-Receiver aus. Der Anteil variiert jedoch stark, abhängig vom Boxentyp. Das belegt allein die Forderung von Gemstar – der Showview-Erfinder wurde 2007 von Macrovision übernommen – für Personal Video Rekorder (PVR).

Für Boxenhersteller, Importeure oder Händler sind die Lizenzforderungen der Verwerter oftmals ein undurchsichtiges Dickicht ohne Transparenz. Die Höhe der jeweiligen Gebühren legen die Verwerter eigenhändig fest. „Unsere Gebühren orientieren sich am Wert des jeweiligen Patentportfolios“, erklärt eine Sprecherin von Macrovision auf DI-Anfrage, ohne konkreter werden zu wollen.

Waren es gestern noch MPEG LA und Sisvel, mit denen Boxenhersteller verhandeln mussten, sind heute Gemstar, die Interessengemeinschaft für Rundfunkrechte (IGR) oder Thomson hinzugekommen. Gerade Letzterer erhitzt die Gemüter, werden Thomson-Patente doch über MEPG LA verwertet. Anscheinend hat Thomson wohl noch eines ausgegraben, das sie nun zu Geld machen wollen.

Thomson ist aber nicht das Ende der Fahnenstange. Mit Alliacense steht bereits der nächste Verwerter vor der Tür. Humax hat vom Tochterunternehmen der US-amerikanischen TPL Group bereits eine Lizenz für das Patent auf Moore-Mikroprozessoren erworben. Auf DI-Anfrage bestätigt Alliacense, dass derzeit mit weiteren Boxenherstellern in Deutschland Verhandlungen geführt werden.

Mit dem Einzug der USB-Schnittstelle bei Set-Top-Boxen kann sich auch Philips die Hände reiben. Die Niederländer verwerten die MP3-Lizenzen. Laut unserer Recherche werden für die Verwendung der USB-Technologie dann Lizenzgebühren fällig, wenn die Box über USB MP3-Dateien wiedergeben kann. Hersteller, Importeure und Händler täten also gut daran, Rücklagen zu bilden.

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