Die Geschichte des Fernsehens: Das Videozeitalter bricht an (Teil 8)

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© Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Bis in die 1970er-Jahre waren die TV-Sendernetze bereits gut ausgebaut und der Fernseher gehörte zur allgemeinen Ausstattung fast eines jeden Haushalts. Anfangs des Jahrzehnts war Schwarzweiß noch üblich. Ab Ende der 1970er hatten bereits viele ein Farbgerät zu Hause.

Das große Finale im italienischen TV-Krieg

Mitte Dezember 1974 lagen die Franzosen vorn und priesen den Römern in einer groß angelegten Werbecampagne die Vorteile von SECAM an. Doch die angekündigten Programme konnten von den meisten Römern überhaupt nicht empfangen werden. Andere konnten nur graue Schatten ausmachen, die Ballett-Tänzerinnen sein sollten. Was aber mindestens genauso störte war der fehlende Ton zum Bild. Je nach Frequenzfeinabstimmung am Fernseher war nur er oder nur das Bild wahrzunehmen.

Die schlechte Qualität der Übertragung wurde von den Technikern mit der geringen Sendeleistung des Senders von nur 20 Watt begründet. „SECAM-Techniker“ in Florenz behaupteten weiter, dass jemand an der 20 Meter hohen Antenne am Monte Amiata gedreht haben müsse, womit das aus Korsika stammende TV-Signal nicht mehr ordnungsgemäß empfangen und zum Umsetzer bei Palestrina weitergeleitet werden konnte.

VCR von 1971 war das erste kommerziell erfolgreiche Heimvideosystem. VCR LP von 1977 (Bild) bot bis zu 3 Stunden Aufnahme auf einer Kassette. © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

1975 trat der Farbfernsehkrieg in seine Endphase. Wie uns ein Zeitzeuge berichtete, strahlten manche Sender in Farbe (PAL), andere nur in Schwarzweiß, bei einigen Stationen war das Bild braun (SECAM auf einem PAL-Gerät angeschaut), und bei einigen Kanälen wechselte das Farbsystem jeden Tag. Italien musste sich wegen einer Finanzkrise an Deutschland um Hilfe wenden. Diesmal wurde auch die deutsche Diplomatie aktiv, die wohl ihren Beitrag dazu leistete, dass in Italien letztlich das PAL-Farbfernsehen, eingeführt wurde.

Entsetzen per TV

Unter Fernsehen verstand man während der frühen 1970er-Jahre in unseren Breiten vor allem Unterhaltung, Sport und Nachrichten. Während der in München ausgetragenen Olympischen Sommerspiele zeigte es aber auch, wie sehr es auch Horror und Schrecken bis in die letzten Winkel der Nation und in die Welt transportieren kann. Eine palästinensische Terrororganisation verübte am 5. September 1972 einen Anschlag auf die israelische Mannschaft. Elf Athleten und fünf der Geiselnehmer fanden den Tod.

Aloha from Hawaii

Januar 1973: An diesem Tag wurde TV-Geschichte geschrieben. Erstmals wurde weltweit ein TV-Konzert eines Solokünstlers live übertragen. Das einstündige Elvis-Presley-Konzert war zudem die bis dahin teuerste TV-Produktion. Mindestens ein Viertel der damaligen Weltbevölkerung, also mindestens eine Milliarde Menschen, hatte dieses Konzert im TV verfolgt, womit Elvis Presley sogar mehr Leute sahen als die erste Mondlandung. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde das Konzert erst am 12. März als Aufzeichnung gezeigt. Den Senderverantwortlichen waren die Übertragungskosten für das Live-Event zu hoch.

Bei der VCR-Kassette waren die beiden Bandwickel übereinander angebracht. Was einen komplizierten Antrieb erfordert.
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Das Videozeitalter bricht an

Ende der 1970er fanden Videorekorder ihren Weg in die Schulen. In meiner Schule wurde dafür ein eigener Medienraum eingerichtet. Mit modernem 67-Zentimeter-Farbfernseher und sogar zwei Videorekordern. Beide Marke Philips aus österreichischer Produktion. Das ältere der beiden Geräte arbeitete nach dem VCR-System. Es kam 1974 als erstes Farb-Heimvideosystem auf den Markt und nutzte Kassetten mit zwei übereinander angeordneten Bandwickeln. Die längste Spielzeit lag bei diesem Gerät bei 80 Minuten. Ein 60-Minuten-Band kostete während der frühen 1970er rund 72 Euro. Daneben stand ein VCR-LP-Rekorder. Das LP stand für Longplay. Das 1977 eingeführte System nutzte zwar dieselben Kassetten, zeichnete darauf aber bis zu drei Stunden am Stück auf.

Für unsere Lehrer war das Abspielen einer Videokassette stets eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Im Normalfall funktionierte mindestens ein Rekorder nicht oder es wurde ein Band in den falschen Rekorder gesteckt, womit die Wiedergabe viel zu schnell oder zu langsam und mit kaum erkennbaren Inhalten erfolgte. Soweit ich mich erinnere, scheiterte jeder Versuch, einen Videofilm vorzuführen. Was aber ohnehin egal war. Alleine bei der Bildgröße hätte der Fernseher nicht annähernd mit der Leinwand des 16-Millimeter-Schul-Filmprojektors mithalten können.

In Privathaushalte verirrte sich während der 1970er noch kaum ein Videorekorder. Gegen Ende des Jahrzehnts wurden zwar auch schon erste Geräte der Systeme VHS und Betamax angeboten. Sie hatten aber eines gemeinsam: Sie waren sehr teuer. Für rund ein Monatsgehalt bekam man ein billiges Einsteigergerät. Für einen Rekorder musste man eher zwei Monatsgehälter einkalkulieren.

Die TED-Platte wurde mit der sie schützenden Papphülle ins Gerät geschoben, wo sie ausgefädelt und über eine Umlenkrolle in Position gebracht wurde. © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Bildplattenspieler

Während der Videorekorder heiß begehrt und in aller Munde war, nahm von der Einführung des Bildplattenspielers kaum jemand Notiz. Der TED-Bildplattenspieler kam 1975 auf den Markt. Er funktionierte nach dem Prinzip eines herkömmlichen Plattenspielers. Die Bildplatte bestand aus einer biegsamen Kunststofffolie, auf der auf einer Seite eine Rille gepresst war. Die Platte wurde über ein Walzensystem im Geräteinneren gewendet und mit einer feinen Nadel abgespielt. Wobei die maximale Spielzeit einer TED-Platte bei gerade einmal zehn Minuten lag. Viel zu kurz für einen Spielfilm. Zudem waren der Player mit 1 600 DM und die Platten mit 10 bis 25 DM nicht nur ausgesprochen teuer, sondern auch extrem störanfällig. Nach nicht einmal zwei Jahren wurde der Vertrieb des TED-Players eingestellt.

Zweitfernseher

Im Laufe der 1970er hatte sich der Fernseher in den Haushalten fest etabliert. Zunehmend flimmerte es in den Wohnzimmern schon in Farbe und vermehrt auch in der Wohnküche. Zweitgeräte waren meist Schwarzweiß-Fernseher mit 31 oder 36 Zentimeter Diagonale. Das Fernsehen wurde aber auch mobil. So boten die großen Hersteller Miniaturgeräte fürs Freie an. Ihre Bildschirmdiagonalen langen bei 10 bis 15 Zentimeter und hatten die Größe eines Kofferradios mit rund doppelter Dicke.

Für die frühen 1970er-Jahre mag die Bildqualität der TED-Platte toll gewesen sein. Heute erfüllt sie nicht einmal SD-Mindestanforderungen. © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Betrieben wurden die Minis mit Batterien. Mit zehn Monozellen konnte man rund zwei bis drei Stunden fernsehen. Der Renner unter den Teenagern waren aber Radiorekorder mit integriertem TV. Sie träumten aber auch vom kleinsten Fernseher der Welt, dem Sinclair Microvision MTV1, mit seinem sagenhaft kleinen 5-Zentimeter-Schirm. Da war das Bild so klein, dass Einblendungen nicht mehr zu lesen waren.

Im nächsten Teil unserer Reihe „Die Geschichte des Fernsehens“ schauen wir uns an, wie es in den 80er Jahren mit dem bewegten Bild weiterging.

Ältere Folgen:
Die Geschichte des Fernsehens: Wie alles begann (Teil 1)
Die Geschichte des Fernsehens: Olympia 1936 und der Krieg (Teil 2)
Die Geschichte des Fernsehens: Eine Spielerei setzt sich durch (Teil 3)
Die Geschichte des Fernsehens: Ende der 60er gelingt der große Durchbruch (Teil 4)
Die Geschichte des Fernsehens: Der Weg ins Wohnzimmer (Teil 5)
Die Geschichte des Fernsehens: Das Farbfernsehen kommt (Teil 6)
Die Geschichte des Fernsehens: Von Kabelfernsehen und einem TV-Krieg (Teil 7)

Bildquelle:

  • Geschichte-des-Fernsehens—Teil-4-6: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

15 Kommentare im Forum

  1. Meinen ersten Videorecorder (VHS) habe ich mir 1979 zugelegt. Das ist schon 41 Jahre her, wie die Zeit vergeht!
  2. Meine Eltern erst Anfang 1987. Wir hatten sogar bis Ende 87 einen Schwarz-Weiß Fernseher. Ab 88 hatten wir dann Kabelanschluss und den ersten Farbfernseher. Ja wir waren spät dran.
  3. Im Übrigen funktionieren meine damals rund 200 aufgenommenen VHS Kassetten immer noch! Obwohl es immer hieß, Magnetbänder würden niemals 30 Jahre halten
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