25 Jahre Digitalfernsehen: Wie alles begann

32
2127
© ghazii - Fotolia.com
© ghazii - Fotolia.com
Anzeige

Sommer 1996: Satellitenempfang hat sich in Deutschland bereits etabliert. Über Astra 19,2 Grad Ost sind 22 deutsche und fünf internationale Programme frei empfangbar. Weiter gibt es einen Kanal des Pay-Senders Premiere für monatlich rund 22 Euro. Alles analog versteht sich. Von vielen unbemerkt, nahm in Deutschland in diesem Sommer die digitale Fernsehzukunft ihren Anfang. Gemeinsam mit dem Pay-TV-Paket von DF1 gingen auch die ersten frei empfangbaren Stationen an den Start. Damit bot Digital-TV vom ersten Tag an mehr Deutsches, als die analoge Satellitenwelt.

Der Einführung des Digitalempfangs über 19,2 Grad Ost ging der Start zweier neuer Astra-Satelliten voraus. Der mit 18 Ku-Band-Transpondern bestückte Astra 1E wurde am 19. Oktober 1995 ins All befördert. Astra 1F folgte mit 20 weiteren Transpondern am 8. April 1996. Sie erschlossen den „digitalen“ Bereich von 11,7 bis 12,5 GHz.

DF1 machte den Anfang

Mit DF1 ging in Deutschland am 28. Juli 1996 das Digitalfernsehen als Pay-TV mit einer technischen Versuchslizenz an den Start. Es wurde kurzerhand vom deutschen Medienunternehmer Leo Kirch gegründet, nachdem sich dieser unter anderem mit Canal+ nicht über den Start in die digitale TV-Zukunft einigen konnte. So orderte Kirch bei Nokia 1 Million Digitalboxen für den Empfang seines Pay-TV-Pakets. Sie wurden als d-box 1 bekannt. Weiter buchte er zunächst vier digitale Transponder auf 19,2 Grad Ost, auf denen er mit vorerst 20, großteils eigens für die DF1-Plattform gegründeten Spartenkanälen, den Sendebetrieb aufnahm. Sie füllte Kirch mit Material seines umfangreichen Film- und Sportrechte-Archivs. Im Gegensatz zu Premiere fehlte es Kirch aber an den Übertragungsrechten hochkarätiger Spielfilme und Sport-Events, wie der Bundesliga und der UEFA Champions League. Nur die Formel-1-Rechte für Pay-TV lagen bei Kirch. Durch die parallele freie Ausstrahlung auf RTL brachten sie aber keine Abonnenten. DF1 blieb weit unter seinen Erwartungen zurück und konnte nie mehr als 20000 Kunden für sich begeistern.

Die Einführung der Pay-TV-Pakete

DF1 führte in Deutschland die bis heute beim Pay-TV allgemein übliche Paketstruktur ein. Den Einstieg bildete das Basispaket für 20 DM (rund 10 Euro). Es enthielt acht deutschsprachige Serien- und Spartenkanäle, sowie an internationalen Programmen MTV, VH-1, NBC und CNBC. Als Draufgabe gab es noch 20 Musik-Sparten-Radiokanäle von Music Choice. Das Movie-Paket bekam man für monatlich 35 DM (etwa 17,50 Euro). Zusätzlich zu den Programmen des Basispakets enthielt es fünf Spielfilm-Kanäle. Aktuelle Kassenschlager waren auf ihnen allerdings die Ausnahme. Womit man mit diesem DF1-Paket im Vergleich mit dem einen analog ausgestrahlten Sender von Premiere, nur in der zweiten Reihe saß.

Für Sportfans gab es das Sport-Paket für 30 DM (rund 15 Euro) im Monat. Zusätzlich zum Basispaket enthielt es zwei Sportkanäle. Premium-Sport war auf ihnen jedoch kaum vertreten. Womit man sich auch hier im Nachteil gegenüber dem Mitbewerber sah. Das Super-Paket für monatlich 40 DM (etwa 20 Euro) beinhaltete alle Programme der drei bereits genannten Pakete. Als Bonus gab es den Science-Fiction-Kanal. Womit man aber immer noch nicht das gesamte DF1-Angebot auf dem Schirm hatte. Denn mehrere Einzelkanäle standen als zubuchbare Optionen für weitere 6 bis 20 DM (etwa 3 bis 10 Euro) zur Wahl. Zusätzlich gab es noch einen Kanal, auf dem einzelne Filme auf Einzelabruf (Pay per View) angeschaut werden konnten.

Premiere zieht mit

Auch der eingesessene deutsche Pay-Anbieter Premiere war von Beginn an beim Digital-TV mit dabei und nahm im Juli 1996 einen digitalen Transponder in Betrieb. Auf ihm wurde das auch Premiere-Programm als Premiere 1 parallel zum analogen Kanal und als Premiere 2 und 3 in zwei zeitversetzten Varianten ausgestrahlt. Weiter wurden auf Premiere 16:9 ausschließlich Inhalte im heute üblichen Bildformat angeboten. Zuletzt beinhaltete das Paket noch zwei Pay-per-View-Kanäle. Premiere nutzte zu diesem Zeitpunkt das Seca-Verschlüsselungsverfahren, für das ein eigener Receiver, die Mediabox, benötigt wurde.

Znächst sah man die Digitalkanäle als Testausstrahlung und bedachte nur eine Handvoll Abonnenten mit entsprechenden Boxen. Diese wurden primär in den Digital-Pilotprojekten in Berlin und München ausgeliefert. Geplant war, Premiere-Dekoder ab Ende 1996 allgemein zugänglich zu machen. Es war beabsichtigt, Premiere Digital für monatlich 39,90 DM (etwa 20 Euro) anzubieten. Da der Pay-Anbieter bereits in den Raum stellte, bald die Verschlüsselung zu ändern, empfahl er potentiellen Kunden, die Premiere-Box nur zu mieten. Wofür man im Sommer 1996 monatlich 20 bis 25 DM (10 bis 12,50 Euro) kommunizierte.

Freie Kanäle digital

Im Sommer 1996 waren auch schon die ersten freien deutschen Programme auf Astra 19,2 Grad Ost vertreten. Sie belegten gerade einmal einen Transponder und boten mit ARD und ZDF, sowie SAT1, ProSieben, Kabel 1 und DSF ein recht überschaubares Angebot. An internationalen Kanälen wurden zudem CNN International und TNT/Cartoon Network ausgestrahlt.

Ausländische TV-Inhalte

Etwa gleichzeitig mit dem deutschen Digitalfernsehen gingen auf Astra auch ausländische Pay-TV-Pakete an den Start. Das französische Canal Satellite belegte sechs Transponder, über die an die 40 in Seca verschlüsselten Kanäle übertragen wurden. Die holländische Pay-TV-Gruppe NetHold war ebenfalls mit sechs Transpondern und rund 30 in Irdeto codierten Programmen präsent.

Neues Programm, neues Equipment

Neu war nicht nur das Programmangebot von DF1. Neu musste auch beinahe das gesamte Empfangsequipment sein. Bleiben konnten nur der Reflektor und die Verkabelung. Nach dem damaligen Sprachgebrauch musste der alte analoge gegen einen digitaltauglichen LNB ausgetauscht werden. Bei Mehrteilnehmer-Anlagen mussten auch der Multischalter erneuert und zwischen ihm und dem LNB zwei zusätzliche Antennenkabel verlegt werden. Zuletzt brauchte es einen Digital-Receiver, den es zusätzlich zum vorhandenen Analogen zu betreiben galt. Denn die analog ausgestrahlten Programme gab es bis auf wenige Ausnahmen noch nicht in der digitalen Welt.

Teure Angebote bremsen Verbreitung

So ambitioniert der Start des digitalen Pay-TV-Angebots von DF1 war, so sehr hat es über Jahre hinweg der Digitalisierung der Sat-Haushalte geschadet. Denn Digital-TV wurde lange Zeit mit Pay-TV gleichgesetzt. Und das interessierte nur wenige. Um in den Genuss von DF1 zu kommen, musste man vor 25 Jahren so richtig tief in die Tasche greifen. Während analoge Sat-Kompletsets gerade richtig preiswert wurden und ab rund 300 Euro zu bekommen waren, kostete alleine der erste bei uns erhältliche Digitalreceiver, die Nokia d-box, an die 1000 Euro. Wurde gleichzeitig ein DF1-Abo abgeschlossen, bekam man ihn bereits um etwa 450 Euro. Die Box hatte das für den Empfang von DF1 erforderliche Dekodiermodul bereits integriert. Die Schüssel und der LNB, sowie der ebenfalls noch benötigte Analogreceiver schlugen zusätzlich zu Buche. Wen wundert es, dass 1996 eine digitaltaugliche Sat-Anlage bei einem Gesamtpreis von rund 1000 bis 1500 Euro kaum konkurrenzfähig zum Analogempfang war.

Bildquelle:

  • Zappen-Fernbedienung-Fernsehen: © ghazii - Fotolia.com

32 Kommentare im Forum

  1. Ich hatte 1999 zum ersten mal als Print Form mit euch Kontakt, als der ganze DVD-Player und AV-Receiver Boom los ging. Knapp 8 Jahre später kam ich dann Online zu euch.
  2. Ich bin ja auch schon seit 2008 hier dabei. Mich würde mal gerne interessieren, wie ich damals auf dieses Forum hier gestoßen bin. Habe keinen blassen Schimmer mehr.
  3. Hatte meinen ersten digital Receiver 1997. Einen Nokia Mediamaster… Hier bin ich seit 2001. Ich feiere im August mein 20jaehriges hier im Board. Irre!
Alle Kommentare 32 im Forum anzeigen

Kommentieren Sie den Artikel im Forum