40. Todestag von Alfred Hitchcock: Sonderprogramme bei ARD, ORF und Sky

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Sein Name ist auch heute noch ein Garant für Spannung, Horror, rätselhafte Geheimnisse und vor allem für eins: großes Kino. Am 29. April 1980 ist der britische Meisterregisseur verstorben.

Ein Mann flieht durch die staubige Wüste, vom Himmel donnert ein Flugzeug auf ihn herab. Eine junge, geisterhafte blonde Frau verwandelt sich plötzlich in ihr verstorbenes Ebenbild. Eine andere wird grausam unter der Dusche erstochen. Andere Filmschaffende bemühen sich verzweifelt darum, in ihrem Lebenswerk wenigstens eine Szene, ein Bild zu kreieren, das in die Geschichte eingeht. Alfred Hitchcock ist das in seinem über 50 Filme umfassenden Gesamtwerk gleich mehrfach gelungen. Zahlreiche seiner Thriller, Krimis und Dramen gehören zu den größten Klassikern der Geschichte des Kinos. Auch 40 Jahre nach Hitchcocks Tod sind die Arbeiten der Regielegende ein Lehrstück für die Filmkunst.

Neue Filmtechniken

Wie Hitchcock die technischen Möglichkeiten und Narrative des Kinos verändert hat, ist bis heute stilprägend. Der MacGuffin etwa, der inzwischen zum Standardrepertoire des filmischen Erzählens gehört, also ein Objekt oder eine Person, die eine Handlung in Gang setzt, wie es zum Beispiel bei dem Geldkoffer in Hitchcocks „Psycho“ der Fall ist. Oder der „Vertigo“-Effekt, eine sogartige Kamerabewegung, die der Autorenfilmer in dem gleichnamigen Psychothriller benutzte, um die Höhenangst des Protagonisten abbilden zu können.

Erst in diesem Jahr wurde der Kriegsfilm „1917“ mit drei Oscars ausgezeichnet. Die darin simulierte, schnittlose Plansequenz wäre vielleicht heute nicht in dieser Form möglich, wenn nicht Hitchcock bereits Ende der 1940er Jahre in seinem „Cocktail für eine Leiche“ das Experiment gewagt hätte, ein Kammerspiel ausschließlich mit versteckten Schnitten zu realisieren. Derartige Spielereien mögen Oberflächlichkeiten sein, doch auch unter dieser Fassade, unter diesen oft beeindruckenden Bildern, sind Hitchcocks Filme von zeitloser Eleganz.

Menschliche Ur-Ängste

Wie will man sich diesem Regisseur eigentlich noch nähern, wenn doch vermeintlich bereits alles über ihn gesagt ist? Nun, seine erzählerischen Stoffe zeigen immer wieder, dass sie an keine Epoche, an kein Genre geknüpft sind, auch dann, wenn man sie heute zum ersten Mal sieht. Hitchcock wühlt in Ur-Ängsten, erforscht das Unbewusste im Menschen. Seine getriebenen Figuren sind immer auch Opfer des menschlichen Daseins an sich. Genie und Wahnsinn liegen bei ihm eng beeinander, auch hinter der Kamera, glaubt man den Vorwürfen seiner früheren Cast- und Crewmitglieder, wie etwa der Schauspielerin Tippi Hedren („Die Vögel“), die dem obsessiven Regisseur sexuellen Missbrauch und Folter am Set vorwarf.

Hitchcocks Schrecken sind in seinen Filmen psychologischer Natur, vertrackt in Freud’schen Symbolen und subtil durchkomponierten Bildern. Wie oft wurde nicht etwa diskutiert, wofür denn die Vögel in dem gleichnamigen Film eigentlich stehen? Für die menschliche Naturzerstörung? Für eine brüchige Gesellschaftsordnung am Rande des Chaos, wie es der Philosoph Slavoj Žižek interpretiert? Oder gar für den Kapitalismus, der von oben angreift? Hitchcock gibt auch heute noch Rätsel auf. Sowohl als Künstler mit seinen eigenen inneren Dämonen, als auch in seinen stringent durcherzählten und doch labyrinthischen Werken.

Ästhetisches wie intellektuelles Vergnügen

Zugleich sind die Filme des Meisters bestes Unterhaltungs- und Spannungskino. Eines, das mit dem Publikum zu spielen weiß. Das mit der berühmten Bombe unter dem Tisch für Herzklopfen und Suspense sorgt, wie es Hitchcock in dem berühmten Interview mit François Truffaut einst erklärte. Und ein Kino, das dabei noch geschickt über sich selbst referieren kann. Die Silhouette der mordlüsternen Mutter, die sich im Bates Motel dem Duschvorhang nähert, die ist auch das voyeuristische Kinopublikum selbst. Ein Geniestreich, dass das Bild des folgenden Mordes mit seinen geschickten Schnitten dann bekanntlich nur im Kopf entsteht!

Alfred Hitchcock hält sich selten mit Geschwätz auf, sondern ruft mit seiner visuellen Kraft alle Vorzüge des Mediums in Erinnerung, die den anderen Künsten verwehrt bleiben. Gerade heute, wo die Leinwände aufgrund der Corona-Epidemie weiß bleiben müssen, wirken Hitchcocks Filme wie eine Liebeserklärung aus einer vergangenen Zeit an das Kino, die allen Grund geben sollte, die Säle nach überstandener Krise wieder zu stürmen.

Fünf Must See – Filme von Alfred Hitchcock und wo sie zu sehen sind:

  • „Psycho“: in Amazon Prime, Sky Ticket und Sky Go enthalten
  • „Vertigo“: unter anderem über YouTube, Amazon Video und iTunes zum Leihen verfügbar
  • „Der unsichtbare Dritte“: in Sky Ticket und Sky Go enthalten
  • „Das Fenster zum Hof“: enthalten in Sky Ticket, Sky Go, Amazon Mubi Channel
  • „Die Vögel: in Sky Ticket und Sky Go enthalten

Hitchcock-Sonderprogramme zum Todestag

Auf Sky Cinema Thriller HD läuft am 29. April, dem 40. Todestag des „Master of Suspense“, ein Hitchcock-Marathon mit „Psycho“ und vielen anderen Klassikern – eine vollständige Auflistung des Sonderprogramms „Best of Hitchcock“ gibt es hier.

Das Erste zeigt darüber hinaus am 27. April um 0.05 Uhr den Film „Hitchcock“, in dem die Dreharbeiten zu „Psycho“ als fiktionaler Spielfilm aufbereitet werden. Als Alfred Hitchcock ist Anthony Hopkins in der Hauptrolle zu sehen.

Eine Dokumentation ist im Rahmen des „kulturMontag“ am 27. April im ORF zu sehen: „Filmikonen – Magnum Photos und das Kino“ (23.15 Uhr) über die außergewöhnliche Fotografie-Kunst von Robert Capa taucht ein in die Welt legendärer Hollywood-Filmproduktionen und -Stars, so auch an das Set von Alfred Hitchcocks „Notorious“.

ORF 1 zeigt am Freitag, dem 1. Mai 2020, um 0.20 Uhr mit „Disturbia – Auch Killer haben Nachbarn“ D.J. Carusos Neuinterpretation von Alfred Hitchcocks Suspense-Klassiker „Das Fenster zum Hof“. Die einst mit James Stewart besetzte Hauptrolle verkörpert hier Shia LaBeouf.

3 Kommentare im Forum

  1. Der ORF hat am Freitag schon "Cocktail für eine Leiche" und "Familiengrab" auf ORF III gezeigt. Ebenso lief gestern auf ORF2 "Der Mann, der zu viel wusste". Das was bei Sky da wieder als Super-Sonderprogramm verkauft wird ist auch nichts anderes als die Filme, die da schon seit Wochen rauf und runter gesendet werden. Mal wieder die übliche Augenwischerei...
  2. Zuletzt liefen einige der Filme in HD immer im ZDF, also seitdem es sie neu in HD gibt..aber auch schon wieder 5-10 Jahre her.
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