Kommentar: Corona und das Versagen der Medien

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Geschlossene Schulen sind im Kontext der Infektionsprävention sinnvoll – leergekaufte Supermarktregale und verknappende medizinische Hilfsmittel nicht. Zum kopflosen Umgang mit der Corona-Situation hat die in ihrer Art und Weise unverantwortliche Berichterstattung in Presse und Rundfunk maßgeblich beigetragen.

In den vergangenen Tagen und Wochen hat sich zusehends gezeigt, wie eine Ausnahmesituation die gewohnte Lebenswirklichkeit auch in infrastrukturell bestens aufgestellten Teilen dieser Welt ins Wanken bringen kann. Eine unsichtbare Gefahr bemächtigt sich der öffentlichen Räume, durch die man sich noch kurz zuvor völlig arglos bewegen konnte. So zumindest lancierte es insbesondere die „Bild“-Zeitung und druckte penetrant Titelblätter, die wie Filmplakate kitschigster Katastrophenfilme daherkamen.

Und das hatte letztendlich Erfolg: Wo Besonnenheit die wesentliche Tugend gewesen wäre, versetzte die Angstpropaganda der Boulevardmedien ganze Bevölkerungsteile in einen Zustand präapokalyptischer Tollwut. Ohne jegliche Anzeichen für ernstzunehmende Lieferengpässe bei Lebensmittelhändlern, wurden die Regale der Supermärkte regelrecht geplündert. Zudem macht die Verknappung medizinischer Bedarfsposten wie Desinfektionsmittel und OP-Masken die Arbeit in klinischen Berufszweigen nicht leichter – während das Horten solcher Güter den medial verunsicherten Neu-Apokalyptikern nicht wirklich etwas bringt.

Dass sich nun gerade die „Bild“ zur Stimme der Vernunft in Krisenzeiten stilisiert, ist blanker Zynismus – hinter dem offensichtlich Kalkül steckt: Nach Wochen des multimedialen Zündelns auf allen Kanälen kann die im digitalen Umbruch befindliche Medienmarke „Bild“ nun ihre Sonderprogramme sogar bis ins Fernsehen ausweiten und sensationstriefenden Krisenjournalismus bieten. Ein gefundenes Fressen also – nur ein Schelm würde da annehmen, dass die „Bild“-Macher kaltblütig Kapital aus der Krise schlagen.

Dass eben solche Krisen und Katastrophen gerade für verbreitungsstarke Boulevardmedien zur Hauptnahrung gehören, ist indes nichts neues – und ein schlechtes Gewissen für die Schaltzentralen einschlägiger Medienzweige nur bremsender Ballast, der längst über Bord geworfen wurde. Andere Medien, die ihrer Informationspflicht journalistisch einwandfrei nachkommen, gehen angesichts der kreischend lauten Krisenberichterstattung von „Bild“ und Konsorten regelrecht unter – und erreichen große Teile der Bevölkerung kaum.

So kann nicht genug betont werden: Vorsicht ist sinnvoll, Panik tendenziell gefährlich. Entschleunigte und sachliche Ratschläge für ein umsichtiges Verhalten im Kontext der Corona-Epidemie bietet das Bundesgesundheitsministerium, eine wissenschaftliche Einordnung der Enwicklung auf Faktengrundlage und Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Erreger und Krankheit das Robert Koch-Institut. Augen auf, Panik aus.

Bildquelle:

  • Corona-Virus-Erde: © peterschreiber.media/stock.adobe.com

21 Kommentare im Forum

  1. Aha, BILD macht Katastrophenjournalismus und der "Rundfunk" hat dann versagt. Beispiele? Ganz ehrlich, gebt Euch ein bisschen mehr Mühe.
  2. Ja. Es wird einem schlecht, wenn man bei sky90 den Sportjournalisten vom Boulevardblatt hört wie besonnen er spricht und zeitgleich die besch... reißerischen Überschriften des Blatts am Kiosk liest. Aus der Nachbarschaft weiß ich, dass gerade bei Älteren Hamsterkäufe auf diese Artikel zurückgehen. Und: das Hamstern ist ansteckend. Es kostet Mühe, nicht auch in den nächsten Supermarkt zu rennen und zur Verknappung beizutragen.
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