BeOutQ: Der inkonsequente Umgang mit dem Piraten-Sender

Ein Kommentar von André Beyer

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Bild: © victor217 - Fotolia.com
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Seit geraumer Zeit überträgt BeOutQ Inhalte, für die eigentlich der katarische Sender BeIn Sports die Rechte im arabischen Raum hält, wie zum Beispiel die Bundesliga, Premier und Champions League oder auch die Formel 1. Denen ist das natürlich ein Dorn im Auge, aber auch nicht so richtig.

Es zeugt von unerwartetem Humor, wenn ein Piratensender-Angebot den Namen des „Bestohlenen“ derart aufs Korn nimmt, wie BeOutQ es mit BeIn Sports macht. Umso mehr, wenn es sich bei den „Piraten“ um saudische Milliardäre und Prinzen handelt, bei denen man oberflächlich nicht sofort annimmt, dass sie es nötig hätten, einen Piratensender zu betreiben –geschweige denn die Fähigkeit besitzen, großartig humorvoll zu sein. Das Augenzwinkern endet dann auch wenig verwunderlich schon beim Namen. Strategisch soll mit dem Angebot auch weniger die eigene Bevölkerung kostengünstig bzw. „schwarz“ versorgt werden, als dass man vielmehr dem katarischen Erzfeind Schaden zufügen möchte.

Auf dem politischen Terrain lodert seit einiger Zeit ein indirekt ausgetragener Konflikt zwischen Katar auf der einen Seite und Saudi-Arabien, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten auf der anderen. Dieser führte dazu, dass die WM-gastgebende Halbinsel Katar politisch und geografisch isoliert ist. Ein Nebeneffekt dessen ist, dass BeIn Sport in den aufgeführten Ländern verboten ist und dementsprechend das Piratenangebot BeOutQ in die Bresche springen „muss“.

Doch wenn man von dem Konflikt der beiden Parteien im arabischen Raum einmal absieht und den Fokus auf Europa richtet, fällt auf, dass BeOutQs Vorgehen zwar moralisch verurteilt wird und auch rechtliche Schritte angedroht werden –richtig etwas passiert ist aber bislang nicht. Und das obwohl Katar sich nicht nur im arabischen Raum engagiert, sondern mit BeIn Sports quasi zur Hälfte für den utopischen Aufschwung der TV-Gelder in England verantwortlich zeichnet und zu 100 Prozent den französischen Serienmeister Paris St. Germain in seiner Hand hat. In Frankreich sind sie im Übrigen ebenfalls als Pay-TV-Partner der Liga aktiv.

Doppelzüngiges Verhalten von FIFA, UEFA und Co.

Es deutet aktuell jedoch vieles daraufhin, dass der immense Einfluss, den diese katarische Fernsehanstalt in den letzten Jahren auf den europäischen Fußball genommen hat, doch endlich sein könnte. Nämlich genau an dem Punkt, wo sich BeOutQ – beziehungsweise Saudi-Arabien – aus der Deckung wagen würde. Die Fußball-Institutionen und Ligen, oder auch die Formel 1, scheinen zunächst noch abzuwarten, ob gegebenenfalls für ihre jeweils als nächstes anstehende Ausschreibung attraktiver Sport-Übertragungsrechte nicht doch noch ein seriöses Angebot aus dem Hause Saud eingehen könnte. Vorher will sich offenbar keiner der Beteiligten es sich unnötig mit den Saudis verscherzen.

So berichtete der Marktinsider Constantinos Papavassilopoulos gegenüber dem Deutschlandfunk: „Die Ligen wollen in erster Linie Geld verdienen. Deswegen haben diese eine vorsichtige Haltung eingenommen. Sie klagen nicht Saudi-Arabien an, weil sie in der nahen Zukunft auf einen Bieterkrieg um die Fußballrechte zwischen Katar und Saudi-Arabien hoffen. Und ein Bieterkrieg in dieser Größenordnung wird die Preise hochtreiben.“

Eine gewagte, trotzdem nicht sehr abwegige These. Im Kampf um höhere Erlöse haben sich insbesondere Fußballfunktionäre in den vergangenen Jahren nicht gerade als Moralapostel, sondern eher als Raffzahn zu erkennen gegeben, wenn irgendwo Profit gemacht werden konnte. Dass man BeIn Sports Position trotz geltender Verträge nicht bis aufs Blut verteidigt, sollte eigentlich schon Indiz genug dafür sein, dass man bei UEFA und Co. eher geneigt ist, in Bezug auf den weniger attraktiven arabischen Markt für gewisse Zeit ein Auge zu zu drücken, wenn dabei ein potenzieller neuer Mitbieter für die kommenden Groß-Events entstehen könnte.

Erster Showdown „BeIn vs. BeOut“ in England

BeIn Sports hat hingegen schon angedeutet, für sich Konsequenzen zu ziehen, sollte nicht bald etwas geschehen. Wenn BeOutQ weitersenden sollte, werde man gegebenenfalls in Zukunft sein Engagement in Europa zurückfahren, so die unverhohlenen Drohung aus Katar. Das – mit Verlaub – doppelzüngige Spiel – der Rechteinhaber ließe es jedoch auch noch zu, sich voll und ganz auf die Seite Katars zu schlagen, sollte sich die Hoffnung auf ein offizielles Mitbieten aus Saudi-Arabien zerschlagen.

In England ist die Thematik BeOutQ erst jüngst im Zuge des Verkaufs des Traditionsclubs Newcastle United an eine Investorengruppe, an deren Spitze der berüchtigte Saudi-Kronprinz Bin-Salman steht, wieder aufgeflammt. TV-Partner BeIn Sports will den Deal verhindern. Nun ist es dem englischen Fußballverband FA überlassen, eine erste ernstgemeinte Positionierung in dieser Frage einzunehmen.

Nichtsdestotrotz wird der Piratensender BeOutQ wahrscheinlich vorerst weiter schwarz senden können – mindestens bis dahin, wenn nicht gar noch länger.

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  • Sport-Fussball-Stadion-Kamera: © victor217 - Fotolia.com

2 Kommentare im Forum

  1. Das Problem sollte sich doch Seit März erledigt haben, es läuft doch eh kein Live Sport mehr, also können Sie nix klauen
  2. Wenn ich den Beitrag lese und die Rechtschreibung/Grammatik sehe, wird mir wieder mal schlecht. Und was Saudi Arabien angeht, frage ich mich, wie moralisch verkommen die westliche Welt eigentlich ist. In Saudi Arabien werden wöchentlich Menschen auf offener Straße geköpft. Aber in Katar bemängelt man die Menschenrechte auf der WM-Baustelle? Werden da Leute geprügelt und gefoltert wie in Saudi Arabien, übrigens für kleinste Vergehen? Ach ja, die sind Freunde der USA und billige Öllieferanten, stimmt, da wirft man schon mal die Moral über Bord. Und dann das böse Russland, was vernünftig Geld haben möchte für Öl und Gas, da kann man schon mal die Propaganda-Schiene fahren und ohne Recherche unwahre Horrormeldungen verbreiten, aus einem demokratischen Land Stalinismus 2.0 machen und jeden der den Kopf einschaltet und nur ansatzweise gründlicher recherchiert, als Troll hinstellen. Glückwunsch!
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