Deshalb wechselt RTL SD nicht auf DVB-S2 und H.264

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© MG RTL D / Stefan Gregorowius
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Warum die Privatsender ihre SD-Ausstrahlung in MPEG 2 beibehalten, verriet in dieser Woche Andre Prahl, Leiter der Programmverbreitung bei RTL.

Die Privatsendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 hatten in den letzten Wochen ihre Verträge mit dem Satellitenbetreiber SES für die digitale Ausstrahlung in herkömmlicher Standardqualität verlängert. Die RTL-Gruppe bis vorerst 2024, ProSiebenSat.1 nannte kein konkretes Datum. Seit der Untersagung des gemeinsamen Verschlüsselungsprojekts vor über zehn Jahren durch das Bundeskartellamt achten die beiden Sendergruppen sehr darauf, hierzu nichts mehr gemeinsam zu kommunizieren.

DIGITAL FERNSEHEN stellte hierbei in einem Kommentar die Sinnhaftigkeit der Beibehaltung der bisherigen Empfangsparameter in Frage. Denn man könnte eine unverschlüsselte SD-Ausstrahlung auch im Videocodec H.264 (statt wie bisher im technisch überholten Standard MPEG 2) und in der Übertragungsnorm DVB-S2 (statt wie bisher DVB-S) durchführen, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender ihre SD-Programme abschalten und die Haushalte sowieso einen neuen Programmsuchlauf durchführen müssen. Dadurch ließe sich zusätzliche Übertragungsbandbreite auf den betroffenen Satellitentranspondern gewinnen, die für bessere Bildqualität oder weitere Spartenprogramme genutzt werden könnte.

„Ohne Not keine Änderung“

Andre Prahl, Leiter der Programmverbreitung bei RTL, griff das durch DIGITAL FERNSEHEN initiierte Thema auf dem diese Woche in Berlin stattgefundenen ANGA-Symposium Digital² auf und erklärte, dass sich die Änderung eines technischen Empfangsparameters nicht lohne. „Ohne Not mache man keine Änderung. Die SD-Verbreitung via Satellit ist unsere Dampfmaschine, die uns Reichweiten generiert und enorm wichtig“, so Prahl auf der Veranstaltung. „Die Umstellung auf H.264 und der spektrale Gewinn dadurch steht in keinem Verhältnis zu den Risiken.“

Bei einer Umstellung müssten die Haushalte einen Programmsuchlauf durchführen. Die Privatsender befürchten, dass sie dadurch an Reichweite einbüßen oder in der persönlichen Programmreihenfolge auf einen schlechteren Programmplatz einsortiert werden. Insbesondere, wenn der Nutzer oder automatische Suchlauf unverschlüsselte HD-Programme weiter nach vorne sortiert als die SD-Programme der Kommerzsender. Ein schlechterer Programmspeicherplatz auf der Fernbedienung hat unmittelbaren Einfluss auf die Nutzung der Programme und somit auf die Einschaltquoten und Einnahmen der Sender. Die Privatsender stecken in einem richtigen „HD-Dilemma“.

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62 Kommentare im Forum

  1. Ein schlechterer Platz auf der Programmliste! Auf das Argument muss man erstmal kommen. Ist allerdings logisch. Aber wenn die Sender fürchten, dass unverschlüsselte HD Programme bei einem Suchlauf weiter vorne landen, dann wüsste ich da eine ganz simple Lösung...
  2. Ich kann den Mann verstehen, und sehe auch keine Grund, warum man SD in h.264 oder 265 senden solle. Nur weil es technisch möglich ist, ist es nicht unbedingt sinnvoll.
  3. Im Prinzip ist es dieselbe Argumentation, wie, warum man nicht die frei empfangbare SD-Ausstrahlung im Allgemeinen aufgeben will.
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