Ersatz für Satellit, Kabel und Terrestrik: DVB-I Pilot-Phase 1 erfolgreich

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DVB-I Partnerunternehmen
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Das DVB-I Pilotprojekt Deutschland, eine Initiative bestehend aus 21 Interessenvertretern aus der Medienbranche, darunter Rundfunkveranstalter, Gerätehersteller, Softwareanbieter und Forschungseinrichtungen von RTL, über Sony bis hin zu SES gibt den erfolgreichen Abschluss der Phase 1 bekannt, die im Herbst 2022 anlief und hat nun seinen Ergebnisbericht veröffentlicht.

Von September 2022 bis März 2023 wurde ein Proof-of-Concept realisiert, um eine gemeinsame Sichtweise auf die technischen Funktionen des DVB-I-Standards und die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen für den deutschen TV-Markt zu entwickeln. Der nun vorliegende Bericht fasst die Ergebnisse zusammen und enthält Empfehlungen für eine Phase 2, um offene Punkte für eine mögliche Markteinführung zu konsolidieren.

DVB-I Pilot Lifestyle
Bildquelle: bmt © Andrey Popov

IP-Streaming über DVB-I als Ersatz für Sat, Kabel und Antenne

Das Ziel des DVB-I-Standards ist es, die bekannte und gewohnt einfache Nutzung des linearen TV-Programms zu gewährleisten, wenn das Programm nicht mehr ausschließlich über die etablierten Broadcast-Wege Satellit, Kabel und Terrestrik verbreitet wird, sondern zunehmend auch über IP-Streaming. Der DVB-I-Standard ist in besonderer Weise geeignet, auf TV-Geräten die Fernsehnutzung auf eine neue und flexiblere technologische Basis zu stellen, kann aber auch auf reinen Streaming-Boxen/-Sticks oder Mobilgeräten implementiert werden. Ferner bietet DVB-I eine flexible Distributionslösung, die neue Technologien, wie UHD und Barrierefreiheit, umsetzen kann, aber auch kostengünstige Lösungen für kleinere Nutzergruppen mit ausgewählten bzw. regionalen Inhalten ermöglicht.

DVB-I Pilot
Das DVB-I-Ecosystem; Bildquelle: bmt

Flexibel einsetzbar und UHD-fähig

Am DVB-Piloten Deutschland beteiligen sich: ARD, Bayerische Medien Technik, Dolby, DVB, EBU, Fraunhofer FOKUS, LG, Media Broadcast, MIT-xperts, OnScreen Publishing, ProSiebenSat.1 Media, RBB, RTL Deutschland, SES, Sofia Digital, Sony, TARA Systems, TP Vision, Vestel, WDR und ZDF.

Dazu sagt Remo Vogel (RBB), Projektleiter des DVB-I Pilotprojekt Deutschland: „Wir freuen uns sehr, dass viele Erwartungen an den Piloten erfüllt werden konnten. Die Aggregation der Servicelisten der beteiligten Senderfamilien zu einer zentralen Serviceliste wurde erfolgreich realisiert und auf ersten prototypischen TV-Geräten und mobilen Apps vorgestellt. Beeindruckend war das Umschalten von Broadcast auf IP bei Trennen der TV-Geräte vom Rundfunknetz, moderate Umschaltzeiten zwischen den IP-Streams sowie die schnelle Integration von Diensten, wie beispielsweise von HbbTV, Content Guides, Playlisten, DRM-Sign-In, dynamisch hinzugefügten Event-Kanälen und Next Generation Audio.“

DVB-I-Architektur; Bildquelle: bmt

Phase 2: Mehr Anbieter ins Boot holen und Ausweitung der Verfügbarkeit

Vor dem Hintergrund des erfolgreichen DVB-I Piloten Deutschland, der breiten Unterstützung aus der Rundfunkbranche und der positiven nationalen und internationalen Rückmeldungen empfehlen die Mitglieder eine zusätzliche Phase 2, um noch offene Punkte für eine mögliche Markteinführung zu konsolidieren. Die Themen, die darin behandelt werden sollen, betreffen die Organisation und Aggregation weiterer Anbieter in der zentralen Serviceliste, die Umsetzung von DRM- und Authentifizierungssystemen für Subscription-Angebote, die Ausweitung der Verfügbarkeit von prototypischen Geräten sowie die Evaluation neuer Use Cases und möglicher Personalisierungskonzepte.

Der DVB-I Pilot Deutschland ist auch Thema auf der ANGA COM, die vom heutigen 23. bis 25. Mai 2023 in Köln stattfindet. Christian Klöckner (WDR) und Remo Vogel (RBB) sprechen am 25. Mai, um 11 Uhr, auf der Innovation Stage im Panel „DVB-I: One TV Standard for all Networks?“.

Über diesen Link geht es zum Bericht.

(Bild-)Quelle: Bayerische Medien Technik GmbH

Bildquelle:

  • df-dvb-i-pilot: bmt

150 Kommentare im Forum

  1. Je nach Bedarf "alle". Es geht da soweit ich das verstanden habe vor allem um ein Zusammenführen der klassischen linearen DVB-Verbreitungswege (S/C/T) und IP-basierter Dienste, die sowohl lineare Streams als auch nichtlineares Material sein können, in einem gemeinsamen System, in einer gemeinsamen Nutzeroberfläche. Es soll damit perspektivisch der letztlich genutzte "Datenbeschaffungsweg" unerheblich werden - das Ziel ist klar, es geht dann langsam aus S/C/T immer mehr weg, bis alles nach IP migriert ist. Mehr muss ich auch erst nachlesen: https://www.bmt-online.de/wp-content/uploads/2023/05/Bericht-DVB-I-Pilot-Deutschland-Phase-1.pdf Sehe gerade, die haben bei der ARD nichts gelernt aus der Selbstabschaltung des DVB-Hörfunks. Jetzt behaupten sie, " Dolby AC-4 ist ein standardisierter Audio-Codec (ETSI TS 103 190), welcher im DVB-Standard (ETSI TS 101 154) für NGA-Kodierung enthalten ist. Dolby AC-4 wird von professionellen Audio-Prozessoren (z.B. Encodern) als auch von den Endgeräten im Markt unterstützt, so dass im Piloten bereits ein vollständiger end-to-end Testbetrieb möglich ist (siehe Abb. 8). " "Markt" und "Haushaltsausstattung" sind zwei Paar Schuhe, die Schweizer haben das begriffen, als sie die Umstellung auf HEVC abgeblasen haben, nachdem sie merkten, dass das -Überraschung! - nur auf seit ca. 2016 gekauften Geräten implementiert ist. Aber das DVB-I-Zeugs braucht ja dann sowieso neue Software auf den Geräten oder neue Geräte, insofern wird eh alles neu. Mal wieder. Und das, obwohl das Bild ein Farbbild bleibt und der Ton wie bisher maximal Mehrkanal ist und das übertragene Programm so öde oder so gut wie jetzt auch schon. Früher war das anders, da brachten Neuerungen wirkliche Fortschritte: Farbbild, Stereoton, dann (nach der Phase des "schlechter als analoger Antennenempfang"-Fernsehens in SD) endlich höhere Auflösung. Da kommt halt nichts mehr (wie auch?), also ergeht man sich in Spielereien und Anpassung der Standards an die kommerzielle Komplettverwertung.
  2. Man muss ja dafür sorgen, dass übermorgen nichts mehr funktioniert und die armen Irren zum Händler laufen, um sich den neuesten, heißen Scheiß zu besorgen. Schade, in dem Zusammenhang, dass nicht mal die momentanen Möglichkeiten ausgenutzt werden (können/dürfen).
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