Marvel-Serie auf Kino-Niveau: „The Falcon And The Winter Soldier“

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The Falcon and The Winter Soldier
"The Falcon and The Winter Soldier"
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Einer steckt im Identitätskonflikt, der andere hat Schuldgefühle. Die neue Serie „The Falcon And The Winter Soldier“ um die beiden Freunde von Captain America blickt hinter die Superhelden-Fassade. Auch ein deutscher Filmstar spielt mit.

Auch Superhelden müssen sich mit alltäglichen Problemen rumschlagen. Der als Falcon bekannte Sam Wilson wird zwar bei einem Banktermin um Selfies gebeten. Doch das erhoffte Darlehen, mit dem er den familiären Fischereibetrieb retten will, bekommt er nicht. Sein Wiedereinstieg in das normale Leben fällt dem ehemaligen Weggefährten von Captain America schwerer als manche Heldenmission. Glücklicherweise ist der nächste Einsatz nur eine Frage der Zeit.

Nach dem großen Erfolg von „WandaVision“ dreht sich auch die neue Marvel-Miniserie „The Falcon And The Winter Soldier“ um Figuren, die im Marvel Cinematic Universe (MCU) bisher in der zweiten Reihe standen. Anthony Mackie (The Falcon) und Sebastian Stan (The Winter Soldier) spielen die Titelhelden, die in größeren Nebenrollen und Kurzauftritten schon in mehreren Marvel-Blockbustern zu sehen waren.

„The Falcon And The Winter Soldier“ standen bisher eher in der zweiten Reihe bei Marvel

Im Gegensatz zu den zwei- bis dreistündigen Kinofilmen mit unzähligen Stars hat der Sechsteiler genug Zeit, um die Persönlichkeiten des Duos zu beleuchten. „Wir wollten moderne Helden schaffen, die wie aus dieser Zeit wirken“, sagt Autor Malcolm Spellman, „und das ging nur, indem die Figuren ein Privatleben haben, das in unserer Zeit verortet ist.“

Die Serie, deren erste Folge ab heute bei Disney+ zu sehen ist, setzt dort an, wo der Kinofilm „Avengers: Endgame“ vor zwei Jahren aufhörte. Der gealterte Steve Rogers hatte seinem Freund Sam den Captain-America-Schild übergeben wollen – doch der lehnte ab. Zu Beginn der ersten Folge landet der ikonische, rot-weiß-blaue Schild schließlich in einem Museum. Sam ist innerlich zerrissen.

Das Drehbuch schrieb Spellman lange vor dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd und dem Beginn der Black Lives Matter-Proteste. Die Ereignisse geben seiner Story nun zusätzliches Gewicht. „Wenn wir uns an eine Sache des Jahres 2020 erinnern, ist es, dass man als schwarzer Mann in Amerika eine turbulente Existenz hat, sehr milde ausgedrückt“, sagt Falcon-Darsteller Anthony Mackie. „Wie repräsentierst du ein Land, das nie für dich gekämpft hat, dich nie geliebt hat, dir keine Menschenwürde erlaubt und dich versklavt hat? Darum ist es ziemlich beängstigend, Captain America zu sein.“

Von Vorteil vorher „The First Avenger: Civil War“, „Avengers: Infinity War“ und „Avengers: Endgame“ gesehen zu haben

Dagegen leidet Bucky Barnes, der Winter Soldier, wegen seiner Vergangenheit als Killer – das Resultat einer Gehirnwäsche – unter Schuldgefühlen und Einsamkeit. Die Suche nach der eigenen Identität ist laut Spellman das übergeordnete Thema aller Charaktere.

Trotz aller Ernsthaftigkeit stehen Spaß und Action bei „The Falcon And The Winter Soldier“ im Vordergrund. Für die Beziehung der ungleichen Freunde nahmen sich die Macher klassische Buddy-Komödien zum Vorbild. „Wir reden immer über ‚Lethal Weapon‘, ‚Nur 48 Stunden‘ und ‚Bad Boys'“, erzählt Mackie gut gelaunt. Action und Spezialeffekte sind auf Kino-Niveau. Schon die erste Folge beginnt mit einer spektakulären Verfolgungsjagd in der Luft, die locker mit den Actionszenen der großen Marvel-Blockbuster mithalten kann.

Es ist von Vorteil, die MCU-Filme „The First Avenger: Civil War“, „Avengers: Infinity War“ und „Avengers: Endgame“ vorher gesehen zu haben, weil alles miteinander verknüpft ist. Notwendig ist es laut Regisseurin Kari Skogland nicht. „Ich hoffe, dass alle die Charaktere auf eine frische und neue Weise erleben“, sagt sie über die Serie. „Das bedeutet, dass niemand verwirrt ist durch das, was früher passiert oder nicht passiert ist.“ Sicherheitshalber haben die Macher subtile Erklärungen und Infos in einige Dialoge eingebaut.

Zur Vorbereitung bietet Disney+ außerdem unter dem Titel „Marvel Studios Legends“ kurze Videos zu den Hauptfiguren an, darunter Zemo. Der vielschichtige Bösewicht wird wie schon in „The First Avenger: Civil War“ vom deutschen Schauspieler Daniel Brühl verkörpert. In den sechs Folgen werden weitere bekannte Gesichter erwartet.

Nach dem originellen Mystery-Vergnügen „WandaVision“ verspricht auch „The Falcon And The Winter Soldier“ eine unterhaltsame Serie zu werden, die das stetig wachsende Marvel Cinematic Universe nicht nur erweitert, sondern auch bereichert. Marvel-Studios-Präsident und Produzent Kevin Feige hat laut Spellman das Motto ausgegeben, dass sich jede Episode wie ein Film anfühlen soll. Nach dem ersten Eindruck hat das geklappt.

Die nächste MCU-Serie ist übrigens schon angekündigt. Im Juni startet „Loki“ mit Tom Hiddleston in der Titelrolle.

[Philip Dethlefs]

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Bildquelle:

  • marvelfalcon: © 2020 Marvel

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