Erdogan-Skandal mit Böhmermann: ZDF-Intendant schaltet sich ein

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Nicht nur Bundeskanzlerin Merkel schaltete sich im Skandal um Jan Böhmermanns Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ein, sondern auch ZDF-Intendant Bellut versuchte, die Situation zu entschärfen.

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Vor dem Staatsanwaltschaft war die Diplomatie: Nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel versuchte, durch schnelles Handeln zu retten, was zu retten war, auch das ZDF schritt in der Affäre Böhmermmann frühzeitig ein. So hat die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt das Schmähgedicht, das Jan Böhmermann vergangene Woche im „Neo Magazin Royale“ über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verlas, nicht nur innerhalb von 24 Stunden nach der Ausstrahlung aus der Mediathek entfernte und den Beitrag auch in der Wiederholung nicht auf Sendung geschickt, auch der Intendant des ZDF, Thomas Bellut, schaltete sich ein.

Wie das ZDF am Freitag der Deutschen Presseagentur mitteilte, hat sich das ZDF wegen des umstrittenen Gedichts über Erdogans Geschlechtsteile bereits am Montag an die Türkei gewandt. In einem Telefonat mit dem türkischen Botschafter in Berlin habe Bellut „sein Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, dass der Beitrag Gefühle von Zuschauerinnen und Zuschauern verletzt hat“, wie die Presseagentur das ZDF zitiert.
 
Am Sonntag war das Schmähgedicht bereits Thema in einem Telefonat zwischen Merkel und dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu gewesen. Die Bundeskanzlerin hatte Böhmermanns Beitrag darin als „Bewusst verletzend“ verurteilt. Zwar kam es durch den „Neo Magazin Royale“-Beitrag nicht zu diplomatischen Verstimmungen wie im Fall des NDR, wo Erdogan die Entfernung des Beitrags „extra 3“ forderte, allerdings folgen nun juristische Konsequenzen. Dabei ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht nur gegen Böhmermann selbst, sondern auch gegen Verantwortliche des Mainzer Senders.
 
Böhmermann, der am heutigen Freitag mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet werden soll, hat derweil seine Teilnahme an der Veranstaltung abgesagt, wie der Satiriker über Facebook bekannt gab. „Ich fühle mich erschüttert in allem, an das ich je geglaubt habe“, schrieb er dort. „Mein Team von der Bildundtonfabrik und ich bitten um Verständnis, dass wir heute Abend nicht in Marl feiern können.“
 
Anders als bei dem derzeitigen Erdogan-Skandal hat ihm seine Satire um den Mittelfinger des griechischen Ex-Finanzministers Yanis Varoufakis den Grimme-Preis eingebracht. [kw]

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