Prozess um NDR-Drehbuch-Affäre: Deal gescheitert

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Am gestrigen Donnerstag (5. Juli) begann der Prozess gegen die ehemalige Spielfilmchefin des NDR, Doris Heinze, die sich wegen Bestechlichkeit und Vetternwirtschaft vor Gericht verantworten muss. Bereits kurz nach Beginn der Verhandlung zogen sich die Beteiligten zu Gesprächen über einen Deal zurück, doch der Versuch scheiterte.

Der Prozess um die Drehbuch-Affäre beim Norddeutschen Rundfunk hat am Donnerstag mit einem Paukenschlag begonnen. Zum Auftakt versuchten Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung überraschend, sich auf einen sogenannten Deal zu einigen, also eine Absprache über eine mögliche Strafe. Der Anlauf zur Verkürzung des Verfahrens scheiterte aber. Die langjährige NDR-Fernsehspielchefin Doris J. Heinze muss sich beim Landgericht in Hamburg wegen Betruges und Bestechlichkeit verantworten.

„Das Gespräch hat zu keiner Verständigung geführt“, sagte der Vorsitzende Richter. Heinze (63) soll laut Anklage unter den Pseudonymen Marie Funder und Niklas Becker jahrelang Drehbücher im Sender eingeschleust haben, die sie und ihr Mann verfasst hatten. Sie war unter anderem für den „Tatort“ Hamburg zuständig. Der Ehemann und eine Filmproduzentin sitzen ebenfalls auf der Anklagebank.

Bereits vor Prozessbeginn hatte es im vergangenen Jahr einen – erfolglosen – Versuch eines Deals gegeben. Zur Abkürzung eines Strafprozesses verständigen sich dabei Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung in der Regel darauf, dass der Angeklagte gesteht und dafür eine mildere Strafe erhält. Der Heinze-Verteidiger gab der Staatsanwaltschaft die Schuld für das Scheitern. Die Behörde habe die eigentlich getroffene Vereinbarung völlig überraschend nicht mehr gewollt – ohne dies vorher anzukündigen, sagte der Anwalt. Die Verteidigung müsse sich eine „völlig neue Strategie überlegen“. Welchen Inhalt die angebliche Vereinbarung hatte, sagte Benoit nicht.

Einer der beiden Verteidiger der Produzentin wandte sich nach dem Scheitern des Deals mit einem Antrag gegen die Besetzung des Gerichts. Die Kammer sei mit zwei Berufsrichtern unterbesetzt, erklärte der Anwalt. Aus seiner Sicht sollte mit drei Berufsrichtern verhandelt werden. Der Antrag des Verteidigers umfasst nach seinen Angaben 133 Seiten, mit deren Verlesung er am Donnerstag begann.

Heinze war unter anderem für die Nord-„Tatorte“ aus Hamburg, Hannover und Kiel verantwortlich. Sie herrschte auch über Serien wie „Polizeiruf 110“ sowie etliche weitere Produktionen. Beim NDR galt sie als mächtige Frau, in der Branche als hochkarätige Expertin. Nach 18 Jahren im Amt endete ihre Karriere im September 2009 jäh: Der NDR kündigte ihr nach Bekanntwerden der Vorwürfe fristlos. Heinze zog dagegen vor das Arbeitsgericht. Schließlich einigte sie sich mit dem Sender auf einen Vergleich – das Arbeitsverhältnis wurde beendet, zu Unrecht erhaltene Honorare zahlte sie zurück. [dpa/fm]

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