Die Ohren gespitzt, das Maßband gezückt

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Workshop: Surround-Einmessung

Alle modernen AV-Receiver verfügen heute über die Möglichkeit einer automatischen Lautsprechereinmessung. Doch nicht alle dieser Systeme erreichen die Genauigkeit einer manuellen Prozedur. Eine automatische Auswertung ist anfällig für Störungen, die nur bedingt erkannt werden können.

Warum ist eine korrekte Einmessung Ihres Surround-Lautsprechersets wichtig? Ein justiertes System ist in seiner Wiedergabequalität einem nicht eingemessenen überlegen. Das gilt auch in reinen Stereosystemen, wenn die akustischen Rahmenbedingungen zu ungünstig aus fallen. Dabei spielt es keine Rolle, wie gut oder schlecht die Stand- oder Regallautsprecher sind. Die Einmessung von Tonwiedergabesystemen hat schon eine längere Tradition. Meist war dieser Luxus nur Musikproduktionsstudios oder dem wissenschaftlichen Bereich vorbehalten.
 
Hier ging es immer darum, die Abhörmöglichkeiten in ihrer Linearität den akustisch vorherrschenden Bedingungen anzupassen. Zudem war es nicht immer so, dass die Übertragungseigenschaften von Lautsprecheranordnungen ein so hohes Niveau erreichten, wie es heutzutage möglich ist. Mit komplizierten elektronischen Schaltungen wurde an dem jeweiligen Ort der Aufstellung versucht, alle Mängel zu beseitigen. Dies war zum größten Teil die Lösung für Übertragungsabweichungen. Wenn dies nicht den erhofften Erfolg brachte, konnte nur noch mit akustischen Baumaßnahmen nach einer Lösung des Problems gesucht werden.
 
Für eine anwenderfreundliche Verbraucherlösung wurden die Optimierungen immer stärker wissenschaftlich untersucht und fachübergreifend ausgewertet. Das Impulsverhalten von Mehrwegelautsprechern überzeugte nicht immer, da die physikalischen Eigenschaften von elektronischen Filtern, die bis heute fester Bestandteil jeder Frequenzweiche sind, Einfluss auf die zeitlich korrekte Wiedergabe haben. Dadurch werden klangliche Verfärbungen in der Wiedergabe hervorgerufen. Dies macht neue Lösungsansätze nötig.

Auch wenn es im analogen Bereich mittlerweile fast perfekteFilterschaltungen gibt, ist eine Korrektur erst mit digitalerSignalverarbeitung mittels sogenannter DSPs (Digitaler Signal Prozessor)möglich geworden. Dies ist also keine Problematik, die mit Surroundeinhergeht, sondern schon zur Zeit der Stereofonie und selbst in derkurzen Wirkdauer der Quadrofonie vorherrschte. Heute, wo teilweise schonmehr als fünf oder sieben Lautsprecher die heimischen Wohnzimmer undHörräume zieren, ist es noch bedeutender geworden, sich den darausergebenden Problemen zu stellen.
 
Neue Anforderungen entstehen daraus, dass eine beabsichtigtedramaturgische Idee umgesetzt werden will. An dieser Stelle wird es nochviel wichtiger, diese auch bei dem Konsumenten zur Entfaltung kommen zulassen. So entstand die Triebfeder, die Surround in die Kinos und zuIhnen nach Hause brachte. Als Erstes geht es schließlich darum, dass dieWiedergabe so nah wie möglich an die entsprechende klangliche Situationangepasst wird, die bei der Erstellung des Film- oder Musiktitels mitRaumklang vorherrschte. Die Studios, in denen dies erfolgt, sind nachinternationalen Regeln optimiert, um einen reproduzierbaren Austauschuntereinander zu ermöglichen. Warum wollen Sie sich davon ausschließen?
 
Eine manuelle Einmessung sieht drei wichtige Schritte vor: Im erstenSchritt wird versucht, eine Aufstellung für Ihre Lautsprecher zu finden,die sich für Surround an den sogenannten ITU-Kreis annähert. Ist diesaus Platzgründen nicht realisierbar, werden die Abstände derLautsprecher zum Hörplatz bestimmt und durch eine elektronischeVerzögerung ausgeglichen. Der letzte Schritt sieht schließlich eineAnpassung sämtlicher Lautsprecherpegel vor. Die heutigen Einmesssystemebeinhalten dies und nehmen eine Korrektur des Frequenzganges für jedenLautsprecher am entsprechenden Ort vor. Zu all diesen Schritten sindmoderne AV-Receiver heute fähig. Die Ergebnisse schwanken dabei zwischensehr guten und unbefriedigenden Ergebnissen. Letztere verlangen dannnach einer manuellen Korrektur.

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