„Obi-Wan Kenobi“: „The Mandalorian“ zu kopieren reicht nicht aus

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Obi-Wan Kenobi bei Disney+
© 2022 Lucasfilm Ltd. & ™. All Rights Reserved.
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Um mit „Obi-Wan Kenobi“ in die Erfolgsspur zurückzukehren, verbrät Disney ein altes Erfolgsrezept erneut, das bereits bei „The Mandalorian“ wunderbar funktioniert hat. Und trotzdem hat das Serien-Spinoff enorme Probleme.

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Mit „Obi-Wan Kenobi“ ist bei Disney+ die nächste Live-Action-Serie aus dem „Star Wars“-Kosmos gestartet – und die muss jetzt die gemischten Gefühle nach „Das Buch von Boba Fett“ wieder ausbügeln. Mit einem der größten Helden des Franchise in Originalbesetzung sollte das ja eigentlich gehen, denkt man.

Allerdings waren nach dem großen Erfolg von „The Mandalorian“ die Reaktionen auf die eigene Serie des großen Anti-Helden Boba Fett eher mau – obwohl auch „Das Buch von Boba Fett“ mit dem Original-Schauspieler aus den „Star Wars“-Filmen auftrumpfte.

Diese Disney-Zutat fehlte in „Das Buch von Boba Fett“

Doch warum war „The Book of Boba Fett“ eigentlich so viel weniger beliebt beim Publikum als „The Mandalorian“ – und was muss „Obi-Wan Kenobi“ wieder besser machen? Die Antwort darauf ist eigentlich simpel:

Während in „The Mandalorian“ das klassische Leitmotiv einer ungleichen Freundschaft den Spagat zwischen rührselig-niedlich und dystopisch-grausam vollbrachte, da sich plötzlich ein eiskalter Kopfgeldjäger um ein hochbegabtes Alien-Baby kümmern muss, hatte Boba Fett keinen knuffigen Gegenpart für eine vergleichbare Chemie. Hätte wahrscheinlich nicht gepasst – fehlte aber trotzdem.

Prinzessin Leia ist der neue Grogu

Für Obi-Wan Kenobi haben sich die Serienmacher bei Disney+ deshalb einen cleveren Schachzug ausgedacht: Um auch Ewan McGregor einen kindlichen Gegenpart zu verpassen, wird die junge Prinzessin Leia schlichtweg entführt und Obi-Wan Kenobi muss sie zurück zu ihren Adoptiveltern nach Alderaan bringen.

Zwar wehrt sich der Jedi-Meister im Ruhestand zunächst gegen seine neue Aufgabe, da er bereits seit zehn Jahren auf Tatooine in einer merkwürdigen Wüsten-Metzgerei arbeitet und per Fernglas dem jungen Luke Skywalker beim Aufwachsen zusieht, gibt sich dann aber doch aber einen Ruck.

Ein hochbegabter Sidekick für Obi-Wan Kenobi

So wird das erfolgreiche Rezept aus Disney- und Pixar-Filmen ein weiteres mal aufbereitet. Der Clou dabei: Prinzessin Leia ist nicht etwa irgendeine Viertklässlerin, sondern mit dem Intellekt und rhetorischen Schmiss einer vollerwachsenen Nobelpreisträgerin ausgestattet. Das ist zwar nicht wirklich glaubwürdig, aber irgendwie schon ganz lustig.

Obi-Wan Kenobi, Groß-Inquisitor
Wenn man ein Laserschwert bei Wish bestellt: Der Großinquisitor hat in „Obi-Wan Kenobi“ einen guten ersten Auftritt – wird dann aber sehr schnell durch eine enorm fehlbesetzte junge Dame ausgetauscht. (Bild: © 2022 Lucasfilm Ltd. & ™. All Rights Reserved.)

Im Grunde ist auch die weitere Plot-Idee von einer Sith-Inquisition gegen die letzten Jedi-Ritter gar nicht so schlecht – würde man nicht den wieder von Hayden Christensen dargestellten, legendären, großen, bösen Darth Vader so furchtbar verramschen und darüber hinaus die im ersten „Star Wars“-Film eingeführte Figur Obi-Wan Kenobi und ihre Geschichte so dreist umdeuten.

Obi-Wan Kenobi
Diese nette junge Dame macht als überambitionierte Inquisitorin keine gute Figur – und das symbolpolitische Geschmäckle der Besetzung ist so über-kalkuliert, dass niemandem damit ein Gefallen getan wird. (Bild: © 2022 Lucasfilm Ltd. & ™. All Rights Reserved.)

So deutet „Obi-Wan Kenobi“ den ersten „Star Wars“-Film um

Aber gerne von vorne: Als sich Obi-Wan Kenobi (Sir Alec Guinness) dem jungen Luke Skywalker 1978 gegenüber als ehemaliger Jedi-Ritter zu erkennen gab, hatte niemand so recht das Gefühl, der alte Ben habe ein paar Jahrzehnte im Zeugenschutzprogramm verbracht: Die rückgezogene Eremiten-Existenz des greisen Ex-Jedi war in „Krieg der Sterne“ war offensichtlich als selbst gewähltes Exil zu verstehen. Eine Umdeutung von Obi-Wan Kenobis Klausner-Dasein auf Tatooine begann dann bereits 2005 in den finalen Szenen von „Die Rache der Sith“. Dort nimmt Meister Kenobi den Sohn seines totgeglaubten Schülers Anakin in Obhut – und verspricht über ihn zu wachen.

Dass Obi-Wan Kenobi allerdings von einer imperialen Säuberungskampagne zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt und gesucht wird, ist eine Erfindung der Serienmacher bei Disney+. Im „Star Wars“-Filmuniversum galten die Jedi nach der verhängnisvollen Order 66 eigentlich als ausgelöscht. Darüber hinaus wirkt es fahrlässig faul, nicht einmal seinen Nachnamen zu ändern, wenn man sich vor dem mächtigsten Bösewicht der Galaxis versteckt.

Verramscht: Darth Vader ist der wohl kultigste Film-Bösewicht aller Zeiten – und wird gerade ausgeschlachtet wie ein altes Auto. Zu viele Auftritte des legendären Röchlers machen neue „Star Wars“-Serien eben nicht besser. Dafür kratzen sie aber gehörig am schwarzen Klavierlack des ikonischen Helmchens.

Wie lässt sich für Disney also das Problem lösen, weiter mit dem hochpopulären Franchise „Star Wars“ zu arbeiten, ohne legendäre Charaktere des Kanon beschädigend zu verhackstücken? Eigentlich ganz einfach: „Rogue One“ hat als bester „Star Wars“-Film seit der Original-Trilogie vorgemacht, dass „Star Wars“ viel mehr neue Ideen und Figuren braucht als das Schaulaufen alter Darsteller. Die gute Nachricht ist nun: Mit „Andor“ wird bei Disney+ bald die Vorgeschichte des Film-Rebellen Cassian erzählt – hoffentlich ohne peinliche Werbeauftritte von Lord Vader.

Bildquelle:

  • obiwankenobi-2: © 2022 Lucasfilm Ltd. & ™. All Rights Reserved.
  • fehlbesetzung: © 2022 Lucasfilm Ltd. & ™. All Rights Reserved.
  • obiwankenobi: © 2022 Lucasfilm Ltd. & ™. All Rights Reserved.
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4 Kommentare im Forum

  1. DF und Kritiken ) Wenn man schon wirklich versuchen möchte, die Schwächen der Serie herauszuarbeiten, dann sollte man seine Hausaufgaben vernünftig machen, sich mit zumindest mit den wichtigsten Eckpunkten des Kanons auseinandersetzen und vor allem erstmal abwarten, bis die "Serie" wirklich vorbei ist. Anders als die Kapitel beim Mandalorian, fühlt sich das hier ein wenig so an wie der Snyder Cut von Justice League, wo die Story mit Teil 1-6 wie ein zu langer Film wirkt. Ich bin auch nicht durchgehend begeistert von Disneys Ideen, aber wenn sie etwas wirklich gut hinkriegen, dann ist es Vader. Ohne zu Spoilern kann man sagen, dass sie bei seinem Auftritt wirklich deutlich weiter gehen, als man es von dem familienfreundlichen Unternehmen erwarten würde und da ist eine Szene dabei, die wirklich sehr weit geht. Bisher hat es ja gut funktioniert den etablierten Fakten aus der Originaltrilogie nicht zu widersprechen, auch wenn sie da schon einige Male sehr kreativ überlegen mussten, wie sie das umsetzen
  2. als ich die Überschrifft gelesen hab war mir schon klar wer den artikel verfasst hat
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