Sky befragt Kunden zu Formel-1-Ausstieg - 20 Millionen Euro

30.09.2010, 08:23 Uhr, ar

Die deutsche Pay-TV-Plattform Sky bereitet einen möglichen Ausstieg aus der Formel-1-Berichterstattung laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe) bereits seit längerem im Hintergrund vor.


Wie das Blatt berichtete, führt Sky aktuell eine Marktforschung zum Interesse an Übertragungen aus der Formel 1 unter seinen Abonnenten durch. Parallel würden auch Nichtabonnenten dahingehend befragt, ob die Berichterstattung vom weltweiten Rennzirkus Auslöser für den Abschluss eines Sky-Vertrags sein könnte. Die ebenfalls von Rupert Murdochs News Corp mitkontrollierte italienische Pay-TV-Plattform Sky Italia hat ihren Ausstieg aus der Formel 1 bereits besiegelt.
 

Laut "Süddeutscher Zeitung" könnte Sky durch den Verzicht auf die Übertragungsrechte bis zu 20 Millionen Euro jährlich sparen. Ohnehin tendiere man den Verhandlungen zu einer Herunterhandlung der Beträge. Im Gegenzug hätten sich die Forderungen des Rechteinhabers  FOM von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sogar erhöht - unter anderem aufgrund geplanter hochauflösender Übertragungen ab der kommenden Rennsaison. Außerdem stehe eine Verlängerung der Vertragslaufzeit von drei auf fünf Jahre im Raum.


Auf Anfrage von DIGITAL FERNSEHEN hatte der bei Sky für die Sportkommunikation zuständige Pressesprecher Ralph Fürther am Mittwochnachmittag geäußert: "Es ist für uns seit vielen Jahren ein normaler Vorgang, auslaufende Rechteverträge zu überprüfen. Dies tun wir derzeit auch bei der Formel 1". Unabhängig davon führe man aktuell Gespräche mit dem Rechtepartner. Über den Ausgang werde das Unternehmen "zu gegebener Zeit" informieren, hieß es. Nach einem klaren Bekenntnis zum langjährigen Zugpferd klang das nicht.
 

Die "Stuttgarter Nachrichten" (Mittwochsausgabe) hatten zuvor unter Verweis auf Aussagen von Sky-Sportvorstand Carsten Schmidt vor dem Wirtschaftsrat Baden-Württemberg berichtet, der Formel-1-Rennzirkus stehe bei der Plattform auf dem Abstellgleis. "Uns bewegt die Frage: Womit legen wir im Neukundengeschäft zu?” sagte Schmidt dem Blatt zufolge. Die Königsklasse des Motorsports zähle nicht dazu, weil RTL im Free-TV eine starke Konkurrenz stelle.


"Die Formel 1 ist als Abo-Grund ein geringer", so Schmidt weiter, "deshalb steht sie bei uns auf dem Prüfstand." Auch bezüglich der jüngst vollzogenen Kapitalerhöhung des Unternehmens (DIGITAL FERNSEHEN berichtete) fand Schmidt kritische Worte. Die Börsennotierung sei bisher nicht aufgegangen. "Wir sind in der Wahrnehmung und Akzeptanz bei der Bevölkerung nicht vom Fleck gekommen", zeigte sich der Manager unzufrieden.


Die Verträge des Münchener Bezahlsenders mit dem von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone kontrollierten Rechtevermarkter FOM laufen zum Jahresende aus.

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