Bundesliga: Sky erhält auch IPTV-Rechte – Telekom geht leer aus

504
53
Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
Anzeige

Befreites Aufatmen bei Sky und entsetzte Gesichter auf der Gegenseite. Seit Dienstagmittag steht fest: Durchschnittlich 628 Millionen Euro pro Saison fließen ab der Saison 2013/14 für die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga im Free- und Pay-TV. Die Telekom verliert nicht nur die IPTV-Rechte, sondern geht ab Sommer 2013 gänzlich leer aus.

„Heute ist ein guter Tag für den Deutschen Fußball!“ sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball zur Eröffnung der Pressekonferenz in Frankfurt/Main und sprach von einem guten Ergebnis für die 36 Vereine im deutschen Profi-Fußball. Rauball versprach, den künftigen Rechteinhabern ein guter Partner zu sein und dankte auch dem Bundeskartellamt für den konstruktiven Dialog für eine rechtssichere Durchführung des Vergabeverfahrens.
 
Die DFL habe sich für das „Klassik-Szenario“ mit der Erstberichterstattung über die Samstags-Partien im Free-TV entschieden und das „Neue Medien“-Szenario mit einer „Internet-Sportschau“ verworfen, erklärte Rauball ohne weitere Begründung. Als „Ergebnis von 20 Monaten harter Arbeit“ bezeichnete der BVB-Vertreter die von den Ligavertretern im Rahmen der außerordentlichen Hauptversammlung am Vormittag „einstimmig“ gefällte Entscheidung, ehe er dem DFL-Vorsitzenden Christian Seifert zur detaillierten Verkündung der Ergebnisse das Wort übergab.
 
Seiferts erste Ausführungen sorgten dabei nicht wirklich für Überraschungen: Für die nationalen Rechte der vier Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17 bleibt um Free-TV-Bereich erwartungsgemäß nahezu alles beim Alten. Das ZDF behält das Paket J mit der Zweitverwertung der Samstagspartien ab 21.45 Uhr und darf damit auch weiterhin im Rahmen des „Aktuellen Sportstudios“ erstmals im frei empfangbaren Fernsehen über das „Top-Spiel“ um 18.30 Uhr berichten und Zusammenfassungen der restlichen Samstags-Partien in Zweitverwertung zeigen.
 
Zuvor kommt mit den Paketen L (Sonntagsspiele ab 21.15 Uhr) und I (Samstagsspiele ab 18.30 Uhr) wie in den vergangenen Spielzeiten die ARD zum Zug, die ihre Zusammenfassungen den öffentlich-rechtlichen Zuschauern im Zuge der Neuordnung der Rechtepakete künftig auch parallel im Internet zugänglich machen darf. Der „Sportschau“-Sender sicherte sich ferner ein Paket mit sieben Live-Spielen im Free-TV. Es umfasst den Saison- und Rückrundenauftakt sowie die Relegationsspiele und den wieder eingeführten Supercup.Springer als neuer Online-Partner – ARD, ZDF und Sport1 weiter im Boot

Sport1 behält die Rechte für die ausführlichen, mehrminütigen Zusammenfassungen der Samstagsspiele am Sonntag bis 15 Uhr („Bundesliga pur“). Live im Free-TV zeigt das Montagsspiel der 2. Bundesliga und die Highlight-Berichte am Freitag und Sonntag ebenfalls weiterhin Sport1. Das Paket D (alle Spiele der 2. Bundesliga live) geht an Sky Deutschland. Neu im Boot der Rechteinhaber sitzt Axel Springer. Das Interesse des Medienkonzerns („Bild“, „Welt“), der im Rahmen des Paket M künftig im Internet mehrminütige Zusammenfassungen von allen einzelnen Begegnungen des Spieltags ausstrahlen darf, war bereits vor einigen Tagen öffentlich geworden (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete).
 
Die neu an Axel Springer vergebenen Rechte umfassen Kurzberichte der einzelnen Partien mit einer Laufzeit zwischen anderthalb und sechs Minuten. Das Besondere: Die Bewegtbilder dürfen bereits eine Stunde nach Abpfiff und damit vor der „Sportschau“-Auswertung um 18.30 Uhr verbreitet werden. Anzunehmen ist, dass der Medienkonzern mit den Exklusivvideos die kostenpflichtigen iPad- und iPhone-Apps von „Welt“ und „Bild“ aufwerten will. Die Auswirkungen auf das ARD-Flaggschiff unter den Sportsendungen dürften jedoch eher überschaubar sein, weil Springer die Clips gratis erst ab Mitternacht des jeweiligen Spieltages anbieten darf.
 
Die spannendste Entscheidung hielt Seifert erwartungsgemäß bis zum Schluss offen und ließ dann eine Bombe platzen. Sowohl Sky als auch die Telekom hätten hervorragende Angebote und Konzepte vorgelegt, sowohl finanziell als auch inhaltlich. Die Unterlagen seien in beiden Fällen innovativ und überzeugend gewesen, erklärte der Ligavorstand mit sichtlicher Anspannung und leichter Kurzatmigkeit.
 
Das änderte nichts daran, dass Sky bei seinen anschließenden Ausführungen als alleiniger Sieger vom Platz ging: „Netcast II“ mit allen 306 Spielen der Bundesliga und allen Konferenzen via Web-TV und Mobilfunk (Sky Go) erhält Sky Deutschland. Das Paket „Broadcast“ mit Satelliten- und Kabelrechten samt Konferenz wurde ebenfalls Sky zugesprochen. „Netcast I“ mit den IPTV-Rechten liegt ab der Saison 2013/14 ebenfalls nicht mehr in den Händen der Telekom. Auch hier gab der Ligaverband dem Konkurrenten Sky den Vorzug.
 
Die Telekom steht damit vor einem Scherbenhaufen. Sowohl die Zusammenfassungen im Rahmen von „Mobile TV“ für Kunden der Telekommunikationstochter T-Mobile als auch das Entertain-Angebot „Liga total!“ vom Produktionspartner Constantin Medien auf der hauseigenen IPTV-Plattform verfügen damit ab Ende der kommenden Saison nicht mehr über die notwendigen Übertragungsrechte.DFL kassiert durchschnittlich 628 Millionen Euro pro Saison

Bei der Vorstellung des Verfahrens im Februar hatte der Ligaverband bereits durchsickern lassen, wie er sich und den Bundesliga-Vereinen möglichst lukrative Gebote sichern will: Im Rahmen einer sogenannten „Vorbehaltspreis-Auktion“ wurden für jedes der 19 ausgeschriebenen Rechtepakete Mindestpreise festgelegt, welche die DFL nach eigener Darstellung weder öffentlich noch gegenüber den Interessenten kommunizierte. Für den Fall, dass mehrere Anbieter diesen Betrag mit ihren Geboten überschreiten, wurde eine zweite Bieterrunde anberaumt.   
 
Wenig überraschend hatte sich aufgrund des Interesses von Deutscher Telekom und Sky an den Live-Übertragungsrechten für Kabel und Satellit zuletzt ein entsprechendes Patt ergeben. Um den Zuschlag zu erhalten, musste ein Anbieter den Konkurrenten im Rahmen ebenfalls geheimer „Reservationspreise“ jetzt um mindestens 20 Prozent übertrumpfen, um automatisch zum Zuge zu kommen. Bei einer geringeren Differenz hatte sich der Ligavorstand die Option offengehalten, dem von ihm präferierten Anbieter in einer Art „Fotofinish“ den Zuschlag zu geben.
 
Die Erlöse für die 36 Profivereine und den Ligaverband liegen dabei noch einmal deutlich über den zuletzt formulierten Prognosen. Von einem Anstieg der Erlöse auf bis zu 500 Millionen Euro pro Saison war aus dem Umfeld der DFL die Rede gewesen. Tatsächlich verkündigte Seifert am Dienstag ein noch deutlich besseres Verhandlungsergebnis. Durchschnittlich 628 Millionen Euro pro Saison fließen in den kommenden Jahren in die Kassen, bis 2016/17 klettern die jährlich gezahlten Lizenzgebühren schrittweise auf einen Höchstwert von 673 Millionen Euro. Der Gesamterlös für die vier Spielzeiten beläuft sich auf rund 2,5 Milliarden Euro. Derzeit sind es 1,65 Milliarden Euro. Ligakollege Rauball sprach von einem „Quantensprung“.Telekom bleibt außen vor – kein „Fußball für alle“

Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) hatte aufgrund des Interesses der Telekom an den klassischen Broadcasting-Rechten via Kabel und Satellit das Gebot der Staatsferne des Rundfunks ins Feld geführt (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete). Auch Vertreter der Medienanstalten in Bayern und dem Saarland sowie die zentrale Medienhüterinstanz ZAK brachten Bedenken gegen ein Engagement der zu mehr als 30 Prozent in Besitz von Bundesrepublik und KfW-Bank befindlichen Telekom an. Selbst die Bundesregierung nahm sich des Themas an.
 
Die Telekom wollte jedoch nach eigener Darstellung keinen Einfluss auf die Programmgestaltung nehmen und plante im Fall eines Zuschlags „Fußball für alle“ (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete). Ob die medienrechtliche Diskussion letztlich dazu beitrug, Sky bei sämtlichen Paketen den Vorzug gegenüber der Telekom zu geben, thematisierte der Ligaverband auf seiner Pressekonferenz am Dienstag nicht.
 
Mit der deutlichen Einnahmesteigerung hat die DFL auch die bisherigen Kritiker vom deutschen Rekordmeister aus München zufriedengestellt. „Karl Hopfner ist im Vorstand, und der hat einstimmig entschiedet“, berichtete Rauball: „Das beantwortet die Frage, ob die Bayern zufrieden sind“.
 
Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete das neue Vertragswerk am Nachmittag als „Meilenstein in der Geschichte der Fußball-Bundesliga“. Die deutschen Clubs gewinnen nach seiner Meinung dadurch an Wettbewerbsfähigkeit. Nach Ansicht von Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer des deutschen Meisters Borussia Dortmund, werde die ganze Liga davon profitieren.
 
Weitere Informationen zum Thema Bundesligarechte auf DIGITALFERNSEHEN.de:
Auf einen Blick: Die Bundesliga-TV-Rechte ab der Saison 2013/14
Zitate: Das sagen Liga- und Senderchefs zur Rechte-Vergabe
Sky: Selbstbewusstes Understatement nach Bundesliga-Coup
Telekom: „Liga total!“ auch ohne eigene Rechte überlebensfähig
Kommentar: Bundesliga-Triumph – Sky zahlt einen hohen Preis
Hintergrund: Deutsche Bundesliga lukrativer denn je
IPTV: Sky und Telekom zur Zusammenarbeit verdammt?[ar]

Bildquelle:

  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

504 Kommentare im Forum

  1. AW: Bundesliga: Sky erhält auch IPTV-Rechte - Telekom geht leer aus Ich persönlich bin zufrieden....
  2. AW: Bundesliga: Sky erhält auch IPTV-Rechte - Telekom geht leer aus go0 wer hätts erwartet? "docfred sicher nicht" Danke df das ihr mein 2ten teil der antwort geloescht habt, ich habs mal wieder angefuegt. Derjenige der hier am groessten mit dem T gelabert hat, is jetzt wohl gaaaaanz leise... schoen abend noch
  3. AW: Bundesliga: Sky erhält auch IPTV-Rechte - Telekom geht leer aus Es gab wirklich Leute hier im Forum, die dachten die Telekom könnte Sky die Rechte wegkaufen
Alle Kommentare 504 im Forum anzeigen

Kommentieren Sie den Artikel im Forum