ARD fasst HDTV-Start für Dritte Programme ab 2012 ins Auge

08.02.2011, 16:35 Uhr, ar

Mehrere Dritte Programme planen bereits ab dem Jahr 2012 die hochauflösende Verbreitung. Entsprechende Vorbereitungen bestätigte Monika Piel, WDR-Intendantin und Vorsitzende der ARD, am Dienstagnachmittag im Anschluss an die Intendantenkonferenz in Köln.


Die Umstellung auf hochauflösendes Fernsehen werde dabei im Zuge der beschlossenen Einstellung der analogen Satellitenausstrahlungen zum 30. April 2012 und die dadurch freiwerdenden Kapazitäten nicht für alle Sendeanstalten parallel, sondern staffelweise vollzogen. "Die Entscheidung, wann mit HDTV begonnen wird, trifft jede Anstalt für sich", erklärte Piel auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung auf Nachfrage. Grund sei, dass jeder ARD-Sender die Kosten für Transponderkapazitäten selbst trage.
 
Als Vorreiter, die als erste den Schritt ins HDTV-Zeitalter wagen wollen, nannte Piel neben ihrem Haussender WDR auch den Bayerischen Rundfunk, den Norddeutschen Rundfunk und den Südwestrundfunk. Außerdem werde mit Phoenix HD auch der Dokumentations- und Ereigniskanal der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten hochauflösend auf Sendung gehen. Pläne zu Aktivitäten im Bereich 3D würden bei der ARD hingegen aktuell nicht verfolgt, ergänzte Piel in Köln.

BR-Technikdirektor Herbert Tillmann hatte bereits im September eine Ausstrahlung der Dritten Programme in HD-Qualität über die Satellitenposition Astra 19,2 Grad Ost in Aussicht gestellt und einen Zeitrahmen 2013/2014 abgesteckt. Ein Abschluss stünde "demnächst" zu erwarten. Die ARD-Anstalten hätten festgestellt, "dass es Sinn macht, in zwei bis vier Jahren weitere öffentlich-rechtliche Programme in HD-Qualität zu verbreiten". Auch das ZDF wolle 3 Sat in HD senden und ein eigenes HD-Bouquet anbieten, so Tillmann.


Für die ARD hingegen wären digitale Spartenkanäle wie Eins Plus oder Eins Extra "nicht erste Präferenz". Die öffentlich-rechtliche Anstalt betrachte es als wichtiger, neben dem Hauptprogramm zunächst die "großen Dritten Programme" hochauflösend zum Zuschauer zu bringen. Tillmann: "Das heißt, der BR wird voraussichtlich ab 2013/2014 wohl mit der HD-Ausstrahlung beginnen." NDR, MDR und der WDR, der über seinen HD-Transponder den Testbetrieb von Eins Festival abwickelt, seien weitere Kandidaten.

Tillmann betonte in einem Gespräch mit dem Medienmagazin "Medien Bulletin", das Archiv des Bayerischen Rundfunks sei "bereits gut mit nativem HD-Material gefüllt, so dass wir locker mit dem HD-Sendestart beginnen könnten". Man müsse dabei immer das Augenmerk darauf richten, welche Programme wann in HD starten sollen. Die Vorausplanung in Technik und Produktion dauere immer zwei bis drei Jahre. Die Programmkollegen hätten das Problem nicht. Für sie sei das Hier und Heute wichtig, erläuterte der BR-Manager.

Zu Beginn des HD-Regelbetriebs habe der Anteil nativer HD-Programme bei Das Erste HD nur zehn bis 20 Prozent betragen. Dieser Anteil werde nun ständig erweitert. Welche Programme und Sendungen hochauflösend produziert würden, entscheide der BR in enger Abstimmung mit den Kollegen aus den Programmredaktionen. Sportübertragungen, Konzerte, Tierfilme und Dokumentationen seien dabei neben dem "Tatort" beim Zuschauer am gefragtesten.

Zum beim Publikum verpönten 720p-Format sagte Tillmann, der BR werde wie die anderen ARD-Anstalten künftig 1 080i für die Produktion einsetzen. Das liege unter anderem an den Sportproduzenten, die alle auf die höhere Auflösung zurückgriffen. Es mache keinen Sinn, die Signale nachträglich auf 720p umzukonvertieren. Um sich diesen Schritt zu ersparen, sei in der ARD beschlossen worden, in der Produktion sowie bel der Programm-Zulieferung nur noch mit 1 080i zu arbeiten. Mit 720p sei man in Europa "relativ isoliert". Das ZDF habe den Schwenk hingegen noch nicht vollzogen. Bei der Ausstrahlung stehe 720p dagegen nicht zur Disposition.

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