
- Hintergrund Bessere Sicht ohne Brille
- Nägel mit Köpfen
erstellt am 09.12.2011 von Christian Hill, Christian Trozinski
Während sich andere große Hersteller um die besten Brillenstrategien im 3D-Bereich streiten, macht Toshiba Nägel mit Köpfen und treibt die Entwicklung brillenloser Fernseher in Richtung Massenmarkt voran. Dabei ist letztere Einordnung mit Vorsicht zu genießen, denn das 55ZL2 getaufte Modell bewegt sich mit einem Kostenpunkt von knapp 8 000 Euro deutlich über den gängigen Marktpreisen und auch die Stückzahlen dürften vergleichsweise gering ausfallen.
Neue Superlative
Wie bereits beim Cevo-TV bildet beim 55ZL2 die Cevo-Prozessoreneinheit das Herz des High-End-Gerätes – mit einem entscheidenden Unterschied: Der 55ZL2 besitzt dieses Chip-Ensemble gleich zweimal. Um ein ansprechendes Ergebnis beim Autostereoskopie-Experiment zu erreichen, benötigt der 55ZL2 aus vielerlei Gründen sehr viel Rechenleistung. Basis des brillenlosen 3D-Effektes ist die Erzeugung mehrerer Bilder aus einem Ausgangsbild, die mithilfe eines Linsenrasters in verschiedenen Blickwinkeln gen Zuschauer ausgestrahlt werden.
Technisch bedingt funktionierte dieses Verfahren bislang nur, wenn der Zuschauer direkt vor dem Fernsehgerät sitzt, was den Einsatz auf Laptops oder tragbare Spielekonsolen wie Nintendos 3DS beschränkte. Bei seitlicher Abweichung von der Frontalen verschlechterte sich der 3D-Eindruck bis hin zu einer Position, in der sich der Effekt sogar umkehrte – die Experten sprechen hier vom Flipping. Diesen unangenehmen Nebenwirkungen entgegnet Toshiba mit mehreren Mechanismen: Anstatt mit lediglich zwei Parallaxen zu arbeiten, erzeugt der 55ZL2 neun verschiedene Blickwinkel.
Drei mal drei Bildpunkte werden zu einem Cluster zusammengefasst und die entsprechende Bildinformation nicht nur neunmal berechnet, sondern auch in neun Perspektiven abgestrahlt. Dadurch vergrößert sich der Bewegungsspielraum des Zuschauers sowohl in horizontaler als auch vertikaler Bewegungsrichtung. Der Blickwinkel für den perfekten 3D-Eindruck wiederholt sich aufgrund des feinen Linsenrasters alle 65 Millimeter, dem durchschnittlichen Abstand eines menschlichen Augenpaares. Damit wird ein kompletter Verlust des 3D-Effektes auch bei Kopfbewegungen nahezu ausgeschlossen.
Um die 3D-Performance in allen Wohnzimmern in gleicher Qualität zu gewährleisten, bedient sich Toshiba zusätzlich der Gesichtserkennung. Die nötige Kamera ist bereits im 55ZL2 integriert und deckt einen Winkel von 70 Grad vor dem Fernseher ab. Innerhalb dieses Bereiches werden die Gesichter der Betrachter erkannt und daraufhin die Ausrichtung der 3D-Bildinformationen auf deren Position und Abstand hin angepasst. Um all dies in Echtzeit zu realisieren, bedarf es der bereits beschriebenen doppelten Cevo-Engine. Diese muss nicht nur neun Perspektiven berechnen, sondern gleichzeitig die passende Ansteuerung der vor dem Panel befindlichen Linsen übernehmen. Doch auch das Panel selbst sorgt für zusätzliche Rechenaufgaben.
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