100 Jahre Universal – 3. Teil

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Die großen Monumentalfilme

Der dritte Teil unseres „100 Jahre Universal“-Artikels widmet sich der Hitchcock-Ära sowie den großen Monumentalfilmen der 1960er Jahre.

In den 1950ern schien das große Kino am Ende zu sein. Etwas Neues nahm seinen Platz ein: Der Fernseher trat seinen Siegeszug an und bereicherte bald nahezu jeden Haushalt mit günstiger Unterhaltung. Was für den Otto Normalbürger die Zukunft war, erschien den Studios, die zum Teil auch in der Kinoverwertung involviert waren, als klarer Dorn im Auge. Wer würde jetzt noch sein Haus verlassen, wenn er Filme nun in den eigenen vier Wänden sehen konnte?
 
Und das, wo Universal gerade eine Regiegröße wie Alfred Hitchcock oder auch solch beliebte Schauspieltalente wie Cary Grant und Doris Day mit ins Boot holen konnte. Die Fernsehproduktion war nun der aufstrebende Markt und der Konkurrent MCA (Music Corporation of America) war alsbald so groß, dass er Teile des Universal-Studio-Geländes aufkaufen und für TV-Produktionen nutzen konnte. Das Unternehmen Universal Pictures selbst blieb von der Übernahme zunächst unberührt.

Monumental!

Während dieser Zeit entstand mit „Spartacus“ (1960) ein Kinowerk der Superlative. Ein Jahr nach „Ben Hur“ sowie zwei Jahre vor „Lawrence von Arabien“ prägte er die Welle der Monumentalfilme entscheidend mit. Dabei stand das Projekt von Anfang an unter keinem wirklich guten Stern. So entließ Hauptdarsteller und Produzent Kirk Douglas zunächst wegen Meinungsverschiedenheiten seinen Regisseur Anthony Mann. Als Ersatz engagierte er Stanley Kubrick, mit dem er schon in „Wege des Ruhms“ erfolgreich zusammenarbeitete – eine gute, wenn auch folgenschwere Wahl. Kubrick, ein bekennender Perfektionist, war es bereits gewohnt, viele Takes zu drehen sowie mit einer kleinen Crew zusammenzuarbeiten. Ihn auf einen Monumentalfilm anzusetzen, in dem solche Weltstars wie Peter Ustinov, Laurence Olivier, Tony Curtis und natürlich Kirk Douglas ihre ganz eigene Note einbringen wollten, erwirkte eine lange und qualvolle Produktionszeit für alle Beteiligten. Insbesondere die Tatsache, dass Kubrick keinen Einfluss auf das Drehbuch nehmen durfte, stieß ihm bitter auf.
 
Ebenso gab es Reibereien zwischen ihm und dem Kameramann Russell Metty, der sich durch Kubricks Einflussnahme extrem bevormundet fühlte. Logisch, dass der Meisterregisseur als ausgebildeter Fotograf einen ganz eigenen visuellen Anspruch an den Film stellte. Doch die Diskrepanzen lohnten sich. Letztendlich gewann der Film vier Oscars®, darunter einen für die beste Kameraarbeit. Ebenso erhielt die Ausstattung großen Lobpreis, was bei einer Materialschlacht von Tausenden Uniformen sowie Rüstungen, die von einem italienischen Museum geliehen wurden, auch nicht weiter verwundert. Angeblich sollen über 10 000 Menschen an dem Film mitgewirkt haben, eine Zahl, die dem Begriff „monumental“ mehr als gerecht wird. Natürlich gab es auch einige Szenen, die wegen ihrer Brutalität oder wegen homoerotischer Andeutungen einfach herausgestrichen wurden. Jene sind aber wieder in der aktuellen restaurierten Fassung enthalten, sodass die Käufer der Blu-ray die vollständigste Fassung des Films erhalten.

1962 traf dann doch ein, was für viele unvermeidbar schien – Universal Pictures wurde von MCA geschluckt. Das Gute daran: Von nun an entstanden auf dem Gelände (natürlich weiterhin unter der Universal-Marke) sowohl Kino- als auch Fernsehproduktionen – der TV-Markt wurde also zum zweiten Standbein der Studios.
 
Die 1960er Jahre entwickelten sich daher trotz Zuschauerrückgang in den Kinos zur Blütezeit, brachten neue ökonomische Innovationen wie etwa den Fernsehfilm hervor und ebneten den Weg für die Erfindung des sogenannten Blockbusters in den 1970er Jahren.

Robert Redford und Paul Newman

Mit der Westernkomödie „Zwei Banditen“ (1969) wurde Robert Redford über Nacht zum Star. Ursprünglich sollte jemand Berühmteres an der Seite des zu der Zeit schon etablierten Superstars Paul Newman spielen. Nachdem Regisseur George Roy Hill jedoch den Jungdarsteller Redford vorgestellt hatte, war Newman vollkommen davon überzeugt, dass er den zweiten Part bekommen sollte. Dass er sich für ihn bei den Studiobossen einsetzte und erwirkte, dass er die Rolle bekam, vergaß ihm Redford nie. Aus der darstellerischen Zusammenarbeit wurde eine jahrelange Freundschaft, die bis zu Newmans Tod im September 2008 anhielt. Beide teilten die Leidenschaft für schnelle Autos und waren auch immer überzeugt, etwas von ihrem Erfolg zurückzugeben.
 
Während Newman mit seiner Lebensmittelkette und den Camps für beeinträchtigte Kinder wohltätige Zwecke unterstützte, förderte Redford das in Utah ansässige Sundance Festival (passend zu Redfords früherer Rolle als Sundance Kid), das sich auf internationale Independent-Filme spezialisiert hat. Trotz des guten Vorsatzes kam es nach der ebenfalls von George Roy Hill inszenierten Gaunerkomödie „Der Clou“ (1973) zu keiner weiteren Zusammenarbeit mehr.

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