8K-Frühstart: Samsungs 8K-QLED-TV kann im Test nicht überzeugen

30.11.2018, 10:10 Uhr, ct

Fernseher mit 8K-Auflösung waren ursprünglich ein Projekt für 2020, doch Samsungs Markteinführung der Q900R-Modelle läutet das 8K-Pixelwettrennen schon jetzt ein. Doch der Frühstart hat Folgen.


Bereits auf der IFA 2011 konnten LC-Displays mit 8K-Auflösung bewundert werden. Sieben Jahre später bringt Samsung als erster TV-Hersteller 8K-Fernseher in 65 bis 85 Zoll auch in Deutschland auf den Markt. Im Unterschied zur 4K-TV-Einführung können die TV-Hersteller beim Thema 8K nicht auf die Unterstützung der Kinobranche bauen: Während Sonys 4K-Kino­projektoren knapp acht Jahre vor der 4K-TV-Markteinführung die Pixelevolution einläuteten, fehlt von 8K-Projektoren noch jede Spur.
 


Zudem werden Computereffekte aus Kostengründen aktuell meist nur in 2K und nicht in 4K-Auflösung gerendert, 8K würde sämtliche Budgetgrenzen sprengen. Für das Abscannen von analogen Filmaufnahmen sind 6K- oder 10K-Scans zwar hilfreich, um unerwünschte Nebeneffekte durch die Übertragung in ein festgelegtes digitales Pixelraster zu vermeiden, doch effektiv erreichen 35-mm-Filmaufnahmen nur 4K-Detailschärfe, während für 8K-Qualität seltene 70- bzw. 65-mm-IMAX-Aufnahmen notwendig sind.


Zwischen LED und LCD
 
Samsung verfolgt im Kino eine ganz andere Strategie als im Wohnzimmer: LED-Module, die aneinandergereiht 4K-Auflösung erreichen, sollen die klassische Leinwand-­Projektionstechnik beerben. So revolutionär Samsungs Ansatz mit den Onyx-LED-Kinoscreens, so bodenständig ist das 8K-TV-Konzept, basierend auf der bewährten Technik des 4K-TV-Flaggschiffs Q9FN: Die Q900R-8K-Fernseher sind LCDs, werden von einem 480-Zonen-­LED-Backlight angetrieben und ein Quantum-Dot-Zusatzfilter sorgt für sattere Farben. Dramatisch erhöht hat sich die Anzahl der Flüssigkristallpixel: Statt mit knapp 8,3 Millionen Bildpunkten (4K-TVs) warten die Q900R-8K-Fernseher mit 33 Millionen Bildpunkten auf.
 
Die Kehrseite der Medaille: Die Lichtdurchlässigkeit des 8K-LCD-Panels fällt im Vergleich zu aktuellen 4K-LCD-Panels schlechter aus (mehr Leiterbahnen, mehr Transistoren, kleinere Pixel), weshalb ­Samsung nach eigenen Angaben die LED-Anzahl erhöhen musste, um eine Bildhelligkeit von bis zu 4 000 Nits (85Q900R, 75Q900R) bzw. 3 000 Nits (65Q900R) zu erreichen. Dadurch wird nicht nur mehr Abwärme erzeugt, sondern auch die Energie­aufnahme steigt.
 
Die Konkurrenz folgt
 
Samsungs Frühstart zeigte Wirkung: Konkurrent LG.Display sah sich auf der IFA in der Pflicht, ebenfalls ein 8K-Display zu präsentieren, im Gegensatz zu Samsungs LED-LCD aber mit selbstleuchtenden OLED-Pixeln. Als Marktstart peilt LG.Display die zweite Jahreshälfte 2019 an. Samsungs LCD-Konkurrenten wie Hisense, Sharp und TCL demonstrierten auf der IFA ebenfalls 8K-Fernseher, die derzeit aber vorrangig in China auf den Markt kommen. Der Grund: Mangels HDMI-2.1-Hardware zögern TV-Hersteller mit einer vorschnellen Markteinführung, denn 8K-Quellen in 50 oder 60 Hz lassen sich mit aktuellen HDMI-2.0-Schnittstellen nicht zuspielen.
 
Samsung will sich dem Problem nachträglich widmen: Q900R-Besitzer sollen die externe One-Connect-Box 2019 austauschen, um HDMI-2.1-Hardware nachzurüsten. Dass Samsung 2018 auf aktuelle Displayport-Schnittstellen verzichtet, überrascht deshalb umso mehr, denn 8K-fähige Grafikkarten mit 8K-60-Hz-Zuspielung über Displayport existieren bereits.
 
Geht Samsungs Plan auf?
 
In Japan gilt das Jahr 2020 als wegweisend, denn die Olympischen Spiele von Tokyo sollen in 8K-Qualität produziert werden. Ob es bei einem einmaligen Testlauf bleibt und wie solche Signale weltweit verbreitet werden sollen, steht indes in den Sternen. Dass immer mehr 8K-Fernseher, -Displays und -Kameras in den nächsten Jahren auf den Markt kommen werden, ist vor allem deshalb unvermeidbar, weil es für die ­Hersteller von Sensoren und Panels kaum ein besseres Verkaufsrezept gibt, als die Auflösung immer weiter zu erhöhen.
 
Vergleicht man die geringen PPI-Werte eines 8K-Fernsehers in 65, 75 oder 85 Zoll mit den enormen PPI-Werten von ­Smartphone-Screens, dann ist der Weg vorgezeichnet: Was heute 8K im TV-Bereich ist, kann in 5 Jahren 16K und in 10 Jahren 32K sein. Aber abseits der Produktionsmöglichkeiten solcher Screens dürfte es für die Hersteller immer schwieriger werden, den Mehrwert und den praktischen Nutzen nachvollziehbar zu erklären. Ob Samsung dieses Vorhaben mit dem ersten 8K-Fernseher GQ65Q900R geglückt ist, erfahren Sie im Testvideo:
 

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