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  • Chinesische Videoportale boomen dank TV-Zensur

20.01.2012, 13:11 Uhr, sv

Chinesischen Online-Video-Portale konnten im vergangenen Jahr ein enormes Umsatzwachstum verbuchen. Als Reaktion auf TV-Zensur schalten immer mehr junge Chinesen den Fernseher aus und den Computer ein, um Serien und Filme im Internet zu schauen.


Ehemals als Himmel für illegale Kopien und Hölle für Urheberrechte verschrieen, haben zahlreiche chinesischen Videoportale inzwischen aktiv mit Anti-Piraterie-Kampagnen begonnen und bieten sowohl Eigenproduktionen als auch lizenzierte ausländische Programme wie beispielsweise "Gossip Girl" und "Mad Men" an. Mit der Legalität der Angebote zeigen auch internationale Werbekunden verstärktes Interesse und verhalfen Anbietern wie Youku, Tudou, Baidu und Sohu allein im dritten Quartal des vergangenen Jahres zu einem Umsatz von 1,48 Milliarden Yuan (etwa 180 Millionen Euro), berichtete das "Wall Street Journal" am Donnerstag.
 
Dies entspricht einem Wachstum von 48 Prozent gegenüber dem vorhergehenden Quartal. Dabei sind die Kosten für Online-Video-Werbung in manchen chinesischen Städten um bis zu 50 Prozent gestiegen, im Vergleich zu 25 Prozent Wachstum weltweit. Großkunden wie General Motors unterstützen teilweise sogar die chinesischen Eigenproduktionen, wie die Animationsserie "Miss Puff". Die entstehenden Produktionskosten von häufig weniger als einer Million Euro können die Portale mit Werbeeinnahmen, Product Placement, dem Verkauf von Fanartikeln und Zweitverwertungsrechten meist in nur wenigen Wochen wieder eingespielen.

Neben Werbeeinnahmen haben einige der Marktführer auch damit begonnen, Premiuminhalte gegen Gebühr anzubieten. Tudou-Geschäftsführer Gary Wang bestätigte, dass sich die Nutzer schnell daran gewöhnt hätten, für Inhalte bezahlen. Das Unternehmen hat momentan etwa 12 Millionen zahlende Mobilkunden und etwa 300 Millionen monatliche Besucher auf der Webseite. Dank millionenschwerer Exklusivrechte zeigt Tudou beispielsweise seit Oktober vergangenen Jahres "Cars 2" für 20 Yuan (knapp 2,50 Euro) pro Stream.
 
Jedoch ist der Rechtemarkt immer härter umkämpft. Mit 20 Millionen Yuan (ca. 2,5 Millionene Euro) wurde im vergangenen Jahr eine Rekordsumme für die Internetrechte einer chinesischen TV-Serie gezahlt. Seitdem wurde diese Summe sogar übertroffen. Im Rahmen dessen erwarten Experten, dass einige der Videoportale demnächst ihre Pforten schließen müssten, da ein solches Modell mit einer stetig nach oben führenden Preisspirale auf Dauer nicht tragbar wäre. Viele Portale machen daher trotz gestiegener Umsätze bereits herbe Verluste.

Analysten zufolge haben 200 Millionen chinesische Haushalte Kabelanschluss,   aber nur ein geringer Teil abonniert irgendeine Art von Premiuminhalten. Die Industrie sieht den Grund dafür vor allem in den chinesischen Medienrestriktionen, welche Inhalte zensieren, die Zahl der verfügbaren Kanäle reduzieren und auch die Menge an ausländischen Programmen limitiert. Im vergangenen Jahr wurde unter anderem die Zahl der Unterhaltungssendungen limitiert, die von Satellitensendern während der Primetime gezeigt werde dürfen (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete).

Die chinesischen Online-Portale jedoch können ganz offiziell mehr Inhalte als die Fernsehsender anbieten, da der Großteil ihres Programms nicht von Rundfunk-Zensoren, sondern vom chinesischen Kultusministerium genehmigt wird, welches auch die DVD-Veröffentlichungen reguliert. Trotzdem werden Programme, welche potentiell die Regierungen hinterfragen, pornographische Inhalte haben oder Themen wie organisiertes Verbrechen behandeln, auch online nicht gezeigt.
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