DAB Plus kommt ins Kabel

06.02.2019, 14:15 Uhr, Stefan Hofmeir

In vielen Kabelnetzen ist inzwischen das analoge UKW-Radio abgeschaltet. Jetzt sollen zumindest in einigen Netzen speziell zusammengestellte DAB Plus Programmpakete angeboten werden.


Mit der Analogabschaltung der TV-Programme flogen in den meisten Kabelanlagen auch die analogen UKW-Programme raus. Radio kann in diesem Netzen nur noch über einen DVB-C-Receiver empfangen werden. Technisat und Vistron bieten hierfür spezielle Adapter für die HiFi-Anlage oder Radio-Digitalreceiver an. Nach eigenen Angaben hat Technisat von seinem Adapter bereits über 75.000 Geräte verkauft.


Eine viel größere Geräteauswahl gibt es jedoch bei DAB Plus Geräten, die in immer mehr Haushalten Einzug halten. Eine Arbeitsgruppe aus der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), dem Bayerischen Rundfunk (BR), Bayern Digital Radio (BDR), den Glasfasernetzbetreibern TMT sowie M-net und Kabel Baumann präsentierte am Dienstag in Bayreuth eine einfache Lösung, wie man aus verschiedensten Digitalquellen spezielle DAB Plus Pakete ins Kabel einspeisen kann.

In Sachsen gibt es bereits einige kleinere Netze, die DAB Plus Signale 1:1 aus der Luft übernehmen. Im Bayreuther Pilotprojekt werden die Signale jedoch neu paketiert, da man den bei der Terrestrik benötigten hohen Fehlerschutz für eine Kabelweiterverbreitung gar nicht braucht und stattdessen mehr Radiosender auf dem gleichen Frequenzspektrum unterbringen kann. Statt 13 Radioprogramme können so über 20 Sender in einem DAB-Block Platz finden. Bis zu 6 Blöcke wären möglich. In Bayreuth will man in kürze den Testbetrieb abschließen, der lokale Netzbetreiber Kabel Baumann will den Service dann offiziell seinen Kunden anbieten. Auch der Münchner Citycarrier M-net hat bereits einen Versuch in der Ortschaft Essenbach (bei Landshut) durchgeführt und denkt an eine Einführung.

Die Kabelnetzbetreiber sind seit einiger Zeit von der Einspeiseverpflichtung für Radiosender entbunden, es kann also kein Netzbetreiber mehr gezwungen werden Radiosignale in welchem Standard auch immer einzuspeisen. In Netzen, in denen DOCSIS 3.1 für das Gigabit-Kabelinternet zum Einsatz kommt, besteht künftig genau in diesem Frequenzbereich die Trennung zwischen Uplink (Kunde sendet an Netzbetreiber) zum Downlink (Daten in Richtung Haushalt). Bei den bisher geplanten Hausverstärkern ist der Trennbereich dazwischen aus Kostengründen sehr breit angelegt, das Frequenzspektrum für DAB Plus im Kabel würde hierfür quasi verschenkt. Die Netzbetreiber müssten auf Filter mit steilen Flanken achten – wenn sie denn DAB Plus im Kabel wollten.

Leichter wird es DAB Plus im Kabel in Netzen haben, in denen kein Kabelinternet verbreitet wird. Dies sind meist Glasfasernetze, bei denen das Internet komplett auf einer anderen Glasfaser oder einer anderen Glasfaser-Wellenlänge übertragen wird und deshalb auch keine DOCSIS-tauglichen Hausverstärker verbaut werden müssen.

In der nächsten Ausgabe von DIGITAL FERNSEHEN werden wir DAB Plus im Kabel ausführlich vorstellen.

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