DFL: Bundesliga-Show im Internet statt ARD-"Sportschau"?

22.04.2011, 14:28 Uhr, ar

Der Ligaverband DFL prüft laut Agenturberichten eine Bundesliga-Zusammenfassung im Internet als Alternative zur traditionsreichen ARD-"Sportschau" am Samstagabend. Dadurch sollen die Pay-TV-Rechte aufgewertet und die Einnahmen aus der TV-Vermarktung gesteigert werden.


Wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitag berichtete, bietet die Deutsche Fußball Liga (DFL) das Konzept gegenüber Interessenten als eine von mehreren Varianten an, um die Exklusivität der Bundesliga-Übertragungen für Bezahlanbieter zu erhöhen und mehr als zuletzt 412 Millionen Euro jährlich mit den TV-Rechten zu erlösen. Das Modell sieht ab der Saison 2013/2014 eine frei empfangbare Internet-Zusammenfassung um 19.00 Uhr vor.

Im Free-TV würden bei diesem Ansatz erst um 21.45 Uhr erste Bilder vom Spieltag zu sehen sein. Die DFL spekuliert darauf, dass sich entweder das ZDF mit seinem "Aktuellen Sportstudio" für diese Idee begeistern kann und sich das Recht auf Erstberichterstattung mehr kosten lässt, oder die ARD die bisher gezahlten 75 Millionen Euro jährlich deutlich anhebt, um den Status Quo mit einer 18-Uhr-"Sportschau" zu sichern. Alternativ könnten auch RTL oder Sat 1 in die Bresche springen.

WDR-Sportchef Steffen Simon, der für die "Sportschau" im Ersten verantwortlich zeichnet, hatte bereits im Januar eine Verschiebung der Free-TV-Berichterstattung über die Fußball-Bundesliga für seinen Sender ausgeschlossen. "Die Bundesliga ist nach 20 Uhr bereits einmal grandios gefloppt, und sie wird wieder floppen. Aber nicht in der ARD, denn daran haben wir kein Interesse", ätzte er seinerzeit gegenüber der Nachrichtenagentur SID (DIGITAL FERNSEHEN berichtete).


Deutlich entspannter sehen das offenbar die Fans. Eine im Auftrag des Magazins "Sponsors" durchgeführte Umfrage des Marktforschers Promit gelangte laut AFP zu dem Ergebnis, dass der Bundesliga durch den Free-TV-Umzug ins Internet keine Zuschauer verloren gehen würden. Satte 38,4 Prozent der Befragten hätten die Bereitschaft signalisiert, sich künftig per Web- oder Mobil-TV über das Spielgeschehen auf dem laufenden halten zu lassen. Das Interesse liege damit rund zwei Zähler über dem durchschnittlichen Marktanteil der "Sportschau"

Derzeit prüfe das Bundeskartellamt den möglichen Vermarktungsansatz vor dem Hintergrund, ob in der Mehrheit der Haushalte die technischen Grundlagen erfüllt seien, um eine mögliche Web-Bundesliga zu empfangen, so die Agentur weiter. "Wir schauen uns alle möglichen Übertragungswege an, also auch die Internet-Rechte", bestätigte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, dem SID.

DFL-Chef Christian Seifert spielt ebenfalls mit offenen Karten. Es sei kein Geheimnis, dass der Ligaverband ein zweites Szenario mit einer Ausstrahlung der Samstags-Highlights erst nach 20.00 Uhr anstrebe. Diesbezüglich befinde man sich in konstruktiven Gesprächen mit den Kartellhütern. Seifert weiter: "Das kann niemanden überraschen. Auch die ARD nicht". Es gehe der DFL keinesfalls darum, die "Sportschau" abzuschaffen, um mehr zu verdienen. Schließlich stehe es allen Bietern frei, ihre Präferenzen durch Abgabe eines Angebots zu verdeutlichen.

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