Keine "Sportschau" ab 20 Uhr - ARD schießt gegen DFL-Pläne

06.01.2011, 14:49 Uhr, ar

Die ARD steht im Zuge der Neuausschreibung der TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga nicht für Experimente zur Verfügung. Eine Zusammenfassung der Samstagsspiele nach 20 Uhr komme für den Sender nicht in Frage, betonte "Sportschau"-Chef Steffen Simon.


Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) sagte der für das Flaggschiff im Ersten verantwortliche WDR-Sportchef: "Die Bundesliga ist nach 20 Uhr bereits ein Mal grandios gefloppt, und sie wird wieder floppen. Aber nicht in der ARD, denn daran haben wir kein Interesse". Damit droht dem Sender ausgerechnet zum 50. Geburtstag der "Sportschau" ein Grabenkampf.
 
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte zum Jahresende in Person von Geschäftsführer Christian Seifert Überlegungen geäußert, die Free-TV-Übertragungen ab der Saison 2013/14 auf die Zeit nach 20 Uhr zu verlagern, um höhere Lizenzeinnahmen bei den Partnern im Bezahlfernsehen zu generieren. Die Fans hatten entsprechende Experimente schon einmal mit Füßen getreten: Sat 1 hatte in der Saison 2001/02 freiwillig vier "ran"-Sendungen um 20.15 Uhr gesendet, wegen schlechter Quoten aber später auf 19 Uhr vorgezogen.


Der Liga-Geschäftsführer hatte aber vor allzu hohen Erwartungen seitens der Bundesliga-Vereine gewarnt: "Wir müssen realistisch bleiben: Die Marktbedingungen in Deutschland sind völlig andere als in England". Dort habe der Pay-TV-Partner fast zehn Millionen Kunden, mache sechs Milliarden Euro Umsatz und rund eine Milliarde Gewinn. "Unser Pay-TV-Partner Sky macht derzeit weniger als eine Milliarde Euro Umsatz. Deshalb kann momentan keiner davon ausgehen, dass Sky sein Angebot verdoppelt", so Seifert.
 
Trotz der finanziellen Querelen sieht die ARD Grund zum Feiern. Das Jubiläumsjahr für die am 4. Juni 1961 erstmals auf Sendung gegangene "Sportschau" wird bereits an diesem Samstag (8. Januar) um 20.15 Uhr eingeläutet. Darin blickt die Redaktion zurück auf eine Ära, in der Bundesliga-Spiele noch auf Filmrollen gedreht und mit Motorrad-Kurieren ins Studio gebracht wurden. Simon sprach von einem "Ritt durch die Kindheit eines jeden von uns".

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